Sogar noch mit SchaltgetriebeNeuer Hyundai Tucson kommt mit klassischen Antrieben und viel Technik
Von Patrick Broich, Utrecht
War Hyundai schon seit Jahren bekannt für progressives Design, ist das, was bald kommt, noch mal eine Nummer schärfer: Der neue Tucson sieht wirklich aus wie ein Concept Car. ntv.de hat den kompakten Allrounder in Augenschein genommen.
Hätte noch vor wenigen Jahren ein Vehikel wie der neue Hyundai Tucson auf einer Automobilausstellung gestanden, wäre die Sache klar gewesen: Hier handelt es sich um ein Show Car. Anno 2026 ist das, was aussieht wie ein Concept, jedoch ein gewöhnliches Serienauto. "Art of Steel" tauft der Hersteller diese Designphilosophie recht nüchtern, und mit der heute im Trend liegenden Mattlackierung dieses hier im Studio erstmals präsentierten Demofahrzeugs kommt die technisch-kühle Formensprache noch besser zur Geltung.
Muskulös und skulptural sind Adjektive, die Hyundai von den Marketingkollegen in die Presseinformationen hat schreiben lassen, aber sie stimmen. Und das durchgehende Leuchtband vorn bringt auch noch eine futuristische Note in den Designcocktail. Damit könnte der kompakte Koreaner tatsächlich neue Kunden von der Konkurrenz abwerben - wenn man auf außergewöhnliche Couture steht, ist diese Offerte jedenfalls eine dankbare Option.
Und innen? Noblesse! Vor allem die fein gepolsterten Lederfauteuils wirken für das Kompaktsegment ungewöhnlich luxuriös. Ansonsten haben die Innenarchitekten vor allem die Display-Landschaft neu gestaltet; eine betont schmale Anzeige widmet sich der Versorgung des Fahrers mit den wichtigsten Informationen, während der Zentralscreen jetzt in Form eines Riesen-Tablets die Mittelkonsole ausfüllt.
Um einen Hauch von Wohnlichkeit zu schaffen, gibt es auf der rechten Seite der Armaturentafel einen gepolsterten Bereich, wie man ihn beispielsweise aus dem Renault 5 kennt. Wie intuitiv das neuartige Android-Menü auf dem großen Touchfeld ist, muss zum späteren Zeitpunkt detailliert erkundet werden.
Was man nach einem ersten kurzen Probesitzen abgesehen von der Behaglichkeit der Sessel schon behaupten kann, ist, dass der 4,56 Meter lange Newcomer verdammt viel Beinfreiheit in der zweiten Reihe bietet. Hyundai betont zwar, man wollte Allrounder nicht ausufern lassen - ganz konnten die Entwickler das Größenwachstum dann aber offenbar doch nicht verhindern. Denn er hat um 3,5 Zentimeter zugelegt in der Länge und ebenso in der Breite (jetzt 1,90 Meter). Letzteres ist schade, denn beim Rangieren oder Parken in der Stadt stressen breite Autos mittlerweile einfach.
Vier Zentimeter mehr Radstand (2,72 Meter) hingegen könnten das luftige Raumgefühl in der zweiten Reihe erklären. Und 695 Liter Gepäckäquivalent passen auch noch in das hintere Abteil. Bemerkenswert ist außerdem der dank fast rechtwinklig öffnender Türen bequeme Einstieg in den Fond.
Etliche Antriebe lieferbar
Fragt sich, wie solch ein modern aussehender Familientourer angetrieben wird. Der Tucson jedenfalls nach wie vor nicht rein elektrisch, wenngleich die Koreaner Plug-in-Optionen bereithalten. So wird der 1,6 Liter große Turbobenziner auf Wunsch mit einem Elektromotor gepaart - beide gemeinsam produzieren ansehnliche 292 PS. Übertragen wird die Kraft per Sechsstufenautomatik auf zwei oder vier Räder. Von 0 auf 100 km/h geht es binnen rund acht Sekunden, das ist halbwegs flink. Ein 17 kWh großer Akku erlaubt bis zu 81 Kilometer rein elektrische Fahrt.
Herzstück bleibt immer der Vierzylinder-Direkteinspritzer. In der Basiskonfiguration liefert er 150 PS und überträgt sein Moment entweder per Sechsgang-Schaltgetriebe oder je nach Kreuzchen in der Liste über die siebenstufige Automatik - hier in Form eines Siebengang-Doppelkupplers. In diesem Fall präsentiert sich der Strang leicht elektrifiziert mit 48-Volt-Bordnetz.
Komplettiert wird die Motorenpalette durch eine 245 PS starke Vollhybrid-Ausgabe - wahlweise als Fronttriebler oder mit Allrad. Hier kommt analog zum Plug-in-Hybrid das Sechsstufen-Automatikgetriebe zum Einsatz. Und der rund anderthalb kWh große Stromspeicher wird entweder durch den Benziner oder Rekuperation gefüttert.
Zum Schluss noch ein paar Wörter zur Ausstattung. Zugleich komfortabel, luxuriös und praktisch wird der neue Hyundai Tucson nämlich durch viele spezielle Features. Etwa eine sogenannte Relaxationsfunktion. Simpel per Knopfdruck lassen sich die Vordersitze in eine Liegeposition bringen. Die Wiederentdeckung verschiebbarer Rücksitze beschert dem Koreaner dagegen ein Plus an Nutzwert, da die Passagiere selbst entscheiden können, ob für den individuellen Einsatz mehr Beinraum oder Platz für Gepäck zur Verfügung stehen sollen.
Doch auch ein Arsenal an technischen Gadgets sollen das Leben mit dem Tucson leichter gestalten. So erhält der Hyundai erstmals ein Betriebssystem mit KI-Sprachassistent samt Onlinezugriff ("Pleos Connect"). Angenehm sind außerdem LED-Pixelscheinwerfer mit 25.600 Segmenten zur hochvariablen Lichtverteilung.
Und wer sich ungern rückwärts aus (womöglich versehentlich befahrenen) verschlungenen Wegen herausmanövriert, darf diese Aufgabe jetzt dem Fahrzeug übertragen. Dieses zeichnet nämlich die letzten Meter auf - bei Geschwindigkeiten unterhalb von 30 km/h. Dann kann man den Tucson einfach das letzte Stück autonom fahren lassen. Seine Publikumspremiere feiert der neue Hyundai Tucson auf dem Pariser Autosalon 2026.