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Retro trifft ModerneOra 5 soll als Familienauto punkten

15.05.2026, 06:21 Uhr
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"Erstaunlich viel Platz" bietet der 4,47 Meter lange Ora 5. (Foto: Great Wall Motor/dpa-tmn)

Der chinesische Autobauer Great Wall Motor bringt im Sommer das dritte Modell der Submarke Ora nach Deutschland. Bislang waren die Autos von Ora eher kurios und haben mit ihrem Copy-Design allenfalls ein Schmunzeln provoziert. Doch mit dem 5 werden die Chinesen seriös.

Die stylishe GWM-Tochter Ora nimmt einen neuen Anlauf in Europa und bringt nach dem eher kuriosen als kompetenten 03 mit dem Gesicht des VW Käfer und dem 07 mit der Silhouette des Porsche Panamera jetzt bald den Ora 5 an den Start. Zwar immer noch mit Inspirationen aus der VW- und Porsche-Chronik gezeichnet, wird er nicht nur 20 Zentimeter größer als der 03 und steigt so vom Pärchen- zum Familienauto auf. Sondern er wird auch rundherum seriöser. Und weil es ihn nicht nur rein elektrisch gibt, werden obendrein die Preise attraktiver.

Los geht es in diesem Herbst knapp jenseits von 25.000 Euro für die etwas aufgebockte und mit Dachreling ausgestattete SUV-Variante. Die soll gegen Spießer wie den VW T-Roc oder bunte Hunde wie den Mini Aceman und den Kia Seltos antreten. Für den kleineren Ora 03 mit Akku-Antrieb muss man etwa das Anderthalbfache bezahlen.

Viel Platz für Kinder und Koffer

Dafür gibt es einen kompakten Fünftürer von 4,47 Metern, der bei 2,72 Metern Radstand auch in der zweiten Reihe erstaunlich viel Platz bietet und auch beim Gepäckraum Familientauglichkeit beweist. Schließlich passen je nach Antriebskonfiguration 422 Liter hinter die elektrisch aufschwingende Klappe und bei umgelegter Rückbank fast dreimal so viel.

ora 5 hinten
Gewisse optische Anleihen bei anderen lassen sich bei dem chinesischen Modell nicht abstreiten. (Foto: Thoams Geiger/dpa-tmn)

Außen erinnert er mit kullerrunden Augen und hoch aufragenden Kotflügeln zwar wieder an frühe VW und aktuelle Porsche und geht aus mancher Perspektive sogar als Mini-Macan durch. Doch drinnen haben die Chinesen eine ganz eigene Mischung aus Retro und digitalem Lebensstil gefunden.

Touchscreen trifft Kippschalter

Offenbar inspiriert vom Mini haben sie für Klima & Co zum Beispiel eine nostalgische Leiste mit Kippschaltern in die Mittelkonsole gezimmert. Kein Wunder, denn die Ora-Mutter Great Wall Motors hat den Mini zumindest in der aktuellen E-Version gemeinsam mit BMW entwickelt und produziert ihn für die Bayern auch. Doch drumherum flimmern wie in jedem Auto aus China riesige Bildschirme, auf denen Grafiken von bestechender Schärfe laufen.

Ora 5 Cockpit
Ein bisschen aus beiden Welten: analoge Bedienelemente und Bildschirme finden sich im Ora 5. (Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn)

Dazu gibt es eine Materialanmutung, die selbst den angeblich auch so noblen Mini ziemlich preiswert aussehen lässt. Weich unterschäumte Kunststoffe, wo man auch hinfasst, hübsch abgesetzte Applikationen im nostalgischen Messing-Look und überall ein Funkeln und Glitzern - so wird der Ora 5 zum Schmuckkästchen auf Rädern.

Für jeden der richtige Antrieb

Retro trifft Zeitgeist, das gilt auch beim Blick unter die Haube. Während Ora den 03 ausschließlich elektrisch anbietet, haben die Chinesen beim großen Bruder auf die etwas erkaltete Euphorie für Akku-Autos reagiert und die Palette erweitert. Ja, natürlich gibt es auch einen Stromer, der mit 150 kW/204 PS bis zur 170 km/h schnell fährt und einen 58 kWh großen Akku für etwa 430 Kilometer Normreichweite bekommt. Doch mit einem Preis von vermutlich dann eher 30.000 Euro ist er schon nicht mehr ganz so attraktiv, und mit einer Ladeleistung von 11 kW am Wechsel- und 120 kW am Gleichstrom im Konkurrenzumfeld ohnehin ziemlich abgeschlagen.

Viel interessanter ist deshalb der Verbrenner: Den gibt es mit einem 1,5 Liter großen Vierzylinder-Turbo von 118 kW/160 PS und 270 Nm, der im Zusammenspiel mit einer siebenstufigen Doppelkupplung vernünftige Fahrleistungen ermöglicht. Von 0 auf 100 schafft es der Ora 5 dann in 9,3 Sekunden und das Spitzentempo liegt bei 190 km/h.

Von der gemütlichen Sorte

Daheim in China ist das allerdings egal, schließlich darf man nirgends im Land schneller als 120 km/h fahren. Und zumindest mit der aktuellen Abstimmung ist das auch gut so. Bei der Jungfernfahrt am Stammsitz Baoding jedenfalls erweist sich der Ora als eher gleichmütiger Geselle, der wenig präzise lenkt und butterweich abgestimmt ist.

Ora 5
Mit den runden Augen wirkt der Ora 5 geradezu niedlich. (Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn)

Speziell bei flotter Fahrt auf verwinkelten Straßen schürt diese Abstimmung nicht unbedingt ein unerschütterliches Vertrauen, genauso wenig wie das Quietschen der Reifen und das wilde Flackern der ESP-Leuchte im Kampf gegen das Untersteuern.

Aber das ist nichts, was man auf dem Weg nach Europa nicht noch austreiben könnte. Vielleicht reicht es ihm nicht zum Kurven-König, und ein Stimmungsmacher wie der Mini wird der Fünfer sicher nicht werden. Aber die Veranlagung zur vernünftigen Familienkutsche hat er allemal.

Viel Auswahl bei Antrieb und Aufbau

Apropos Vernunft: Als Kompromiss zwischen E-Version und Verbrenner bietet GWM übrigens auch noch eine Hybrid-Variante an. Dafür spannen sie den Benziner mit einer E-Maschine im Getriebe zusammen, kommen so auf 164 kW/223 PS und fahren im Stadtverkehr häufig elektrisch, selbst wenn der Pufferspeicher gerade mal eine gute Kilowattstunde Kapazität hat.

Das senkt nicht nur den Verbrauch, sondern schafft auch Ruhe an Bord, zumal der Vierzylinder sonst relativ kratzig und rau klingt. Viel Auswahl bieten die Chinesen nicht unter der Motorhaube, sondern sie haben auch drei Karosserievarianten in petto.

Neben dem Erstling, den etwas mehr Bodenfreiheit, etwas breitere Radläufe und die Dachreling zum SUV stempeln, gibt es noch einen normalen Fünftürer mit Steilheck im Stil des VW Golf und einen Kombi haben sie auch noch in Planung.

Fazit: Jetzt mal ganz im Ernst

Der verspielte 03 und der fast peinliche Panamera-Klon 07 – so richtig ernst konnte man Ora bislang nicht nehmen. Doch mit dem Fünfer machen die Chinesen zum ersten Mal ein seriöses Angebot.

Ja, das Design ist immer noch stark inspiriert von VW und Porsche, doch immer mehr findet die Tochter von Great Wall Motors ihren eigenen Charakter, bietet ein schmuckes Interieur und mehr Auswahl unter der Haube als die meisten Konkurrenten. Und das zu einem ausgesprochen aggressiven Preis. So langsam meinen sie es also tatsächlich ernst.

Datenblatt: Ora 5 Hybrid 

Motor und Antrieb: Vierzylinder-Benziner und ein E-Motor 

Hubraum: 1.499 ccm

Max. Leistung: 164 kW/223 PS 

Max. Drehmoment: 475 Nm 

Antrieb: Frontantrieb

Getriebe: Zweigang-Hybridgetriebe

Maße und Gewichte

Länge: 4.471 mm

Breite: 1.831 mm

Höhe: 1.641 mm

Radstand: 2.720 mm

Leergewicht: 1.660 kg

Zuladung: 360 kg

Kofferraumvolumen: 390-1.088 Liter

Fahrdaten

Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h: 7,7 s

Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter/100 km

Reichweite: k.A.

CO2-Emission: 117 g/km

Kraftstoff: Super

Schadstoffklasse: EU6

Energieeffizienzklasse: B

Quelle: ntv.de, Thomas Geiger, dpa

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