"Transportgeschichte geschrieben"Reisebus fährt elektrisch von Kopenhagen nach Berlin - ohne Stop

Busreisen sind beliebt, doch ohne durstige Dieselmotoren läuft in der Branche nicht viel. Nun fuhr einer der ersten elektrischen Reisebusse von Dänemark nach Berlin - mit einer Akkufüllung. Und es waren sogar noch 39 Prozent drin.
Dicke Abgaswolken bläst so ein tonnenschwerer Omnibus gerne mal in die Luft, doch dieser Personentransporter fährt (lokal) emissionsfrei: Einer der ersten elektrischen Reisebusse hat Berlin erreicht. Der batteriebetriebene Bus des chinesischen Herstellers Yutong war in Kopenhagen gestartet und erreichte die rund 450 Kilometer entfernte deutsche Hauptstadt mit einer Akkufüllung, also ohne Zwischenladen. Mit der elektrischen Gruppenreise sei "Transportgeschichte geschrieben" worden, hieß nach der Ankunft des E-Busses vor der dänischen Botschaft.
Der Bus gehört zur Flotte von Vikingbus, dem größten Reisebus-Unternehmen in Dänemark. 1.100 Busse hat Vikingbus im Fuhrpark und steuert damit regional und europaweit Ziele an. Inzwischen unterhalte man auch 17 vollelektrische Fahrzeuge, sagte Vikingbus-Geschäftsführer Thomas Wandahl.
Akku reichte noch für Stadtrundfahrten
Der E-Bus von Yutong hat eine Reichweite von 600 bis 700 Kilometern. Mit fast vollem Akku in Kopenhagen gestartet, sei das Fahrzeug mit einem Akkustand von 39 Prozent in Berlin angekommen, so Wandahl. So blieb noch genug Reichweite für einige Sightseeing-Touren durch die Stadt.
Nachladen kann der Yutong die insgesamt 630 Kilowattstunden große Antriebsbatterie relativ schnell. Ladeanschlüsse gibt es zwei am Fahrzeug, die Ladeleistung liegt bei jeweils bis zu 300 Kilowatt. Eine Herausforderung sei noch die Ladeinfrastruktur, sagte Wandahl. Derzeit gebe es in Europa noch zu wenig öffentliche Ladeparks für Lkw und große Omnibusse.
In Deutschland bislang kein E-Reisebus im Einsatz
Dies ist ein Grund, warum die Elektrifizierung bei Omnibussen sehr schleppend verläuft, bei Reisebussen ganz besonders. In Deutschland sei bislang kein einziger E-Reisebus auf den Straßen im Einsatz, erklärte der Internationale Bustouristik Verbands (RDA) auf Anfrage. Mit der Präsentation des ersten batteriebetriebenen Reisebusses von MAN habe die Industrie ihre technische Einsatzbereitschaft allerdings "unter Beweis gestellt".
Den vollelektrischen Lion's Coach E mit maximal 650 Kilometern Reichweite hatte MAN im vergangenen Jahr präsentiert. Die Serienproduktion des Dreiachsers für bis zu 61 Fahrgäste soll 2026 starten.
E-Reisebusse auch in Österreich unterwegs
In Nachbarländern wie Dänemark oder auch Österreich tut sich da schon mehr. So hat die österreichische Dr. Richard Gruppe - eines der größten privaten Busunternehmen im deutschsprachigen Raum - kürzlich ihre ersten elektrischen Reisebusse in Betrieb genommen.
Die drei Busse von China-Hersteller Yutong sollen auf eine Reichweite von 380 Kilometern kommen und rund um Wien und Salzburg für Tagesfahrten und Shuttledienste eingesetzt werden, wie das Magazin "Electrive" berichtete.
Neben der noch lückenhaften Ladeinfrastruktur dürfte der hohe Anschaffungspreis der Fahrzeuge für viele Busunternehmen eine Hürde sein. So kostete der E-Reisebus von Yutong, der die dänische Reisegruppe nach Berlin brachte, 400.000 Euro. Ein konventioneller Diesel-Reisebus koste etwa die Hälfte, so Vikingbus-Chef Wandahl.