Könnte auch nach Europa passenRenault Grand Koleos - cooles Platzmonster mit sanftem Antrieb
Von Patrick Broich, Busan
Renault ist in viel größerem Maße international aufgestellt, als es auf den ersten Blick scheint. Das manifestiert sich in etlichen globalen Modellen, die auch in Europa Anklang finden könnten. ntv.de hat den Renault Koleos im südkoreanischen Busan bewegt.
Dass ein und dasselbe Automodell nicht in jeder Region der Welt auf das gleiche Maß an Gegenliebe stößt, ist eine Binsenweisheit. Dazu muss man gar nicht mal allzu weit hinaus. In Süditalien wird man mehr Fiat Panda sehen als in der Hamburger Innenstadt. Und die Volvo-Kombi-Dichte wird in Stockholmer Vororten dichter sein als an der portugiesischen Atlantikküste.
Global sind die Unterschiede noch drastischer. Und zwar so drastisch, dass die Autohersteller für ganze Regionen unterschiedliche Modellprogramme fahren. Doch warum ist das so? Und würden nicht manche globalen Fahrzeuge wunderbar nach Europa passen, die es hier aber leider gar nicht gibt?
Manchmal denken Hersteller durchaus um, Hyundai beispielsweise hat seinen kleinen, eigentlich für den Heimatmarkt vorbehaltenen Casper kurzerhand im Radstand verlängert und als Inster nach Europa gebracht - mit sichtbarem Erfolg auf der Straße.
Auch Renault hat einen solchen Kandidaten im Köcher - der Grand Koleos wäre ein Kandidat, den auch Europäer ganz sicher attraktiv finden würden. Insbesondere in der anthrazitgrauen Mattlackierung kommt das 4,78 Meter lange SUV stylish rüber.
Passend dazu haben die Designer der Esprit-Alpine-Line markante blaue Akzentteile verpasst; zudem gibt es prägnante LED-Tagfahrlichter und einen Kühlergrill mit kleinen Mini-Rauten, der im Gedächtnis bleibt. Hier findet sich der blaue Akzentton außerdem ebenfalls wieder. Aber Renault sieht seine europäischen Kunden mit Komfortambitionen dann doch lieber im etwas langweiligeren Espace oder im deutlich spacigeren Rafale mit Fließheck.
Renault Grand Koleos ist ein Platzmonster
Dabei ist der Grand Koleos so richtig praxistauglich. Bei voller Besatzung erlaubt sein hinteres Abteil die Mitnahme von über 600 Litern Gepäckäquivalent, was locker reichen würde für einen ausgiebigen Familienurlaub. Und wenn es auf einer weiten Reise langweilig werden sollte, hilft das Infotainment-Angebot weiter, und zwar auch auf der Beifahrerseite. So weit nämlich reicht das Display-Geschehen bei den europäischen Modellen bisher nicht.
Und in der zweiten Reihe geht es im Grand Koleos ziemlich luftig zu - die Kniefreiheit ist wahrlich üppig. Immerhin schaffen 2,82 Meter Radstand dafür gute Voraussetzungen. Und wer technisch interessiert ist, sollte der intern "AR1" genannten Baureihe durchaus einmal unter das Blech sehen.
Stutzig machen dürfte spätestens das 1,5 Liter große Benzintriebwerk (144 PS) des Hybridstrangs. Dabei handelt es sich nämlich um einen Vertreter der Volvo Engine Architecture - und es gibt die kleine Hubraumvariante sowohl mit drei als auch mit vier Zylindern. Immerhin reichen Ausläufer dieser Motorenfamilie bis zum berühmten Jaguar-Hypercar-Concept CX-75.
Und das Aggregat gibt einen dezenten Hinweis darauf, dass unter der Grand-Koleos-Haut Geely-Technik steckt. Er baut nämlich auf der "Compact Modular Platform" des chinesischen Konzerns auf und ist somit verwandt mit etlichen Baureihen der Marken Geely, Lynk & Co, Polestar sowie Volvo. Und gefertigt wird er im südkoreanischen Busan, wo auch der Polestar 4 entsteht, zum Beispiel für den Export nach Nordamerika. Das ist multinationale (Auto-)Konzernkooperation in Reinform.
Souveräner Antrieb
Bleibt die Frage, wie der Grand Koleos überhaupt fährt. Obwohl Renault statt öffentlicher Straße nur einen Testtrack zur Verfügung gestellt hatte, war die Souveränität des komplexen Hybrid schnell auszumachen. Kein Wunder, schließlich begleiten den Vierzylinder-Otto zwei Elektroaggregate mit 136 respektive 82 PS, um gemeinsam 245 PS zu produzieren.
Und auch die Drehmomente sind beträchtlich - 230 Newtonmeter liefert der Verbrenner, während die beiden E-Maschinen mit 320 sowie 180 Newtonmetern ackern. Als Strompuffer dient eine 1,64 kWh große Hochvoltbatterie. Sämtliche Triebwerke konzentrieren ihre Power in einer Getriebeeinheit mit drei verschiedenen Übersetzungen. Angefahren wird immer elektrisch. Entsprechend geschmeidig setzt sich das SUV in Bewegung.
Doch wie stehen die Chancen, dass der Grand Koleos überhaupt nach Deutschland kommt? Wohl eher schlecht. Europäische Kunden sieht der Konzern einfach lieber im fast genauso langen Espace (4,75 Meter) oder im unkonventionellen Rafale. Der ist als Plug-in-Hybrid-Ausgabe sogar potenter mit satten 300 PS. Und stylishe Mattlackierungen gibt es für den hiesigen Franzosen natürlich ebenfalls. Das französisch-chinesisch-koreanische Kooperationsmodell mit dem europäisch-traditionellen Namen - einen Renault Koleos gab es hierzulande immerhin bis 2023 - wird dagegen nicht nur in Ostasien angeboten. Auch in den Emiraten und etlichen Staaten Lateinamerikas ist der Koleos erhältlich. Ein echtes Weltauto eben.