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Skandinavisches Design von 1956Volvo Amazon - ein Auto, wie es vorher noch keins gab

23.08.2026, 10:20 Uhr
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Volvo fürs schwedische Familienidyll: Der Amazon startete vor 70 Jahren und verankerte Volvo auch in Deutschland als Synonym für Sicherheit, Robustheit und skandinavisches Design. (Foto: Volvo)

Der Amazon sollte Volvo verjüngen, vor allem aber machte er die schwedische Marke durch skandinavisches Design und lebensrettende Sicherheitstechniken weltweit bekannt. Mit dem 1956 vorgestellten Amazon brachte Volvo Wertvorstellungen in die Premium-Mittelklasse, die heute noch den neuen, elektrischen Volvo EX60 prägen.

Vor 70 Jahren revolutionierte Ikea den Möbelversand mit flach verpackten Paketen, eroberten Bullerbü- und Pippi-Langstrumpf-Bücher von Astrid Lindgren auch deutsche Kinderzimmer - und Volvo verblüffte die Autowelt mit einem Fahrzeug, wie es noch keins gab. Der im August 1956 vorgestellte Volvo Amazon machte die schwedische Automarke weltweit zum Synonym für skandinavisches Design, Sicherheit und nachhaltige Langlebigkeit. Anderthalb Jahrzehnte lang verkörperte der Volvo Amazon das Bild zeitlos eleganter und fast unzerstörbar robuster Mittelklasse-Limousinen und Kombis fürs Familienidyll, aber auch als schickes Firmenauto, Taxi oder Einsatzfahrzeug von Polizei und Rettungsdiensten.

In einer Ära, die weltweit von modischer Schnelllebigkeit bestimmt war - Mercedes präsentierte während der Laufzeit des Volvo Amazon drei Generationen seiner mittleren Baureihe, Opel sogar sechs neue Rekord-Modelle - vermittelte der Schwede verlässliche Kontinuität.

Mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt auf Weg zu Vision Zero

Verlässlich war dieser Volvo in jeder Hinsicht: Seine berühmten B16- bis B20-Motoren boten das Potenzial zum Kilometer-Millionär, und seine Sicherheitstechnik steht für einen frühen Schritt auf dem Weg zur Vision Zero (Unfalltote). Denn ab 1959 verfügte der Amazon als erster Viertürer über den lebensrettenden Dreipunkt-Sicherheitsgurt - und Volvo setzte ein damals spektakuläres Zeichen gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, indem das Gurt-Patent auch anderen Herstellern zur Nutzung freigegeben wurde. Längst ist der Amazon historisches Kulturgut, aber seine Gene hat er weitergegeben: Heute ist es der vollelektrische EX60, mit dem Volvo die Premium-Mittelklasse aufmischen will.

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Ein Volvo, der die Welt sichtbar veränderte: Mit dem Amazon brachten die Schweden ab 1956 neue Formen, Farben und Wertvorstellungen auch in die Modemetropole Paris. (Foto: Volvo)

Auf den flüchtigen Blick macht das Kompakt-SUV Volvo EX60 alles anders, doch bei genauem Hinsehen wird die Abstammung vom Urahnen Volvo Amazon deutlich. Dies visualisiert der 1962 lancierte, schicke Amazon Kombi P220, der mit seiner geteilten Hecktür und einer raffinierten Komfort-Ausstattung mit dem rustikalen Lieferwagen-Charakter damaliger Kombi-Konkurrenten brach und die Basis für stylishe Fünftürer legte, so wie sie heute vorwiegend in SUV-Form à la EX60 angesagt sind.

Schwedisches Kulturgut

Auch die Eröffnung des Werks Torslanda für den Volvo Amazon im Jahr 1964 als bis dahin größte schwedische Industrieinvestition war ein historischer Meilenstein, ähnlich wie heute der Umbau der Torslanda-Fabrik mit Batteriemontage und Megacasting für den Volvo EX60. Investitionen, die von Politik und schwedischem Königshaus gewürdigt wurden, weil sie in Volvo-Modelle flossen, die jeweils zu ihrer Zeit den wichtigsten Exportgütern des nordischen Landes zählen.

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Mit dem Amazon baute Volvo einen fast unzerstörbaren Gebrauchsklassiker, der auch in Filmen, Popmusik und Kinderzimmern angesagt war. (Foto: Volvo)

Der nach den Kriegerinnen der griechischen Mythologie benannte Amazon eroberte als erster Volvo alle Kontinente, wurde sogar in Nordamerika, Südafrika, Chile, Malaysia und Belgien gebaut, auch wenn er außerhalb Skandinaviens schlicht Volvo 121, 122 S (ab 1958 mit Zweifachvergaser), 123 GT (sportiver Spitzentyp, ab 1966) oder 221 (Kombi, ab 1962) hieß, weil die Markenschutzrechte dort beim deutschen Zweiradhersteller Kreidler und beim Landmaschinenhersteller Amazone lagen.

Ab 1958 Niederlassung in Deutschland

Erst 1958 eröffnete Volvo eine Dependenz in Deutschland, und an die ersten Handelspartner zwischen Flensburg und Füssen wurde die Devise ausgegeben "Mit Vollgas auf den Markt". Wie in Nordamerika sollten die Volvo Amazon - beziehungsweise 121 und 122 S - und der parallel angebotene, betagte Buckel-Volvo PV444/544 am Sonntag Rundstreckensiege erzielen und am Montag Verkaufserfolge einfahren. Eine Strategie, die hierzulande nicht aufging, obwohl die werksseitig unterstützten Wikinger bei Flugplatzrennen den favorisierten Borgward, BMW oder Alfa Romeo kaum eine Chance ließen.

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Für die 1960er Jahre ergänzte Volvo die viertürige Limousine um einen sportiven Zweitürer und einen vielseitigen Kombi mit geteilter Heckklappe. (Foto: Volvo)

Verkauft wurden die Volvo-Modelle trotzdem nur in homöopathischer Dosis, sie waren schlicht zu teuer. Erst 1965 wurden die Zulassungszahlen vierstellig, denn nun kam der Amazon aus neuem Werk im belgischen Gent und damit zollgünstig aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Plötzlich bezahlten deutsche Käufer für einen Amazon nicht mehr als für einen Mercedes oder BMW, und der Slogan "Sicherheit aus Schwedenstahl" polierte den Volvo mit Premiumglanz.

Sicherheit als Verkaufsargument

Tatsächlich gelang es Volvo als erstem Hersteller, Sicherheit als Verkaufsargument erfolgreich zu nutzen. Während in Politik und Medien noch über Vor- und Nachteile des Sicherheitsgurts diskutiert wurde, präsentierte Volvo 1967 knallharte Fakten: Eine Analyse von 28.000 Unfällen bewies nicht nur die lebensrettende Wirkung des Gurtes, sondern auch, dass das Verletzungsrisiko für angegurtete Passagiere um 60 Prozent sank. Hinzu kam, dass der Volvo Amazon inzwischen bereits über Gurte auf den Fondsitzen verfügte, eine Phalanx weiterer potenzieller Lebensretter wie eine sich bei Kollisionen teilende Lenksäule, unfallsichere Türverriegelungen oder die Zweikreis-Bremsanlage und ein früher, optionaler Kindersitz kamen 1967 hinzu.

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Ab 1959 verkaufte Volvo den Amazon mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt und gab das Patent für den Gurt auch anderen Autobauern zur Nutzung frei. (Foto: Volvo)

Damals befand sich der Volvo Amazon bereits im reifen Alter von elf Jahren, von seinen frühen Rivalen wie Mercedes 180 (Ponton), Peugeot 403 oder Borgward Isabella hatte praktisch keiner überlebt, und sein designierter Nachfolger, die Volvo-Reihe 140, hatte schon den viertürigen Amazon abgelöst. Dennoch setzte sich der Amazon 1967 noch einmal auf Platz eins der schwedischen Neuzulassungen und sogar in den USA und in Deutschland pushte der Oldie die Volvo-Absatzzahlen auf ein frisches Allzeithoch.

Vorreiterrolle im Umweltschutz

Ende der 1960er sprach noch kaum jemand über Umweltschutz, obwohl bisweilen dichte Smog-Glocken über den Industrie- und Ballungsräum hingen: Wieder übernahm Volvo eine Vorreiterrolle und führte beim Amazon mit B20-Motor eine frühe Abgasreinigungsanlage ein. Erst am 3. Juli 1970 fuhr der 667.323ste und letzte Volvo Amazon direkt vom Werk Torslanda ins Volvo-Museum. Das Straßenbild seiner größten Absatzmärkte bestimmte dieser Publikumsliebling aber noch über Jahrzehnte, eine offizielle schwedische Statistik bescheinigte dem soliden Amazon sogar das Doppelte der üblichen Pkw-Lebenserwartung. Wobei der Antrieb des Amazon im Alltag sogar gut war für mehrere Millionen Meilen, wie ein Volvo 1800 S mit B18-Motor bewies, der sich so einen entsprechenden Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde sicherte.

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Zeitenwende: Kultdesigner Jan Wilsgaard verabschiedete sich mit dem Amazon (l.) von den Vorkriegsformen des Buckel-Volvo (r.), der aber noch bis 1965 gebaut wurde. (Foto: Volvo)

Gefällige Linienführung überzeugte Stars und Royals

Zum Erfolgsgeheimnis des Amazon zählte zudem die fast zeitlos gefällige Linienführung von Limousine und Kombi, realisiert vom langjährigen Volvo-Chefdesigner Jan Wilsgaard. Die stilprägenden Konturen des Amazon überzeugten sogar Celebrities wie die dänische Thronfolgerin Prinzessin Margrethe, die dreifache Oscar-Preisträgerin Ingrid Bergman, den Starregisseur Ingmar Bergman oder Björn Ulvaeus, Gründungsmitglied von ABBA.

Kein Wunder, dass der Volvo Amazon als frühes Beispiel für skandinavisches Autodesign auch in rund 800 TV- und Kinofilmen, nicht zuletzt in Nordic-Noire-Krimis, auftrat und am Ende zum schwedischen Kulturgut avancierte, ähnlich wie Ikea oder ABBA. Eine automobile Erfolgsstory, die von den nachfolgenden Volvo-Modellen 140 und 240, aber auch vom SUV XC60 übertroffen wurde: heute für den Volvo EX60 eine hohe Messlatte.

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Schwedens erster großer automobiler Exportbestseller: Der Volvo Amazon wurde nicht nur auf allen Kontinenten verkauft, sondern auch in vielen Werken gebaut. (Foto: Volvo)

Chronik

1950: Volvo gründet seine erste Designabteilung unter der Leitung von Edward Lindberg. Lindberg engagiert im selben Jahr den erst 20-jährigen Nachwuchsdesigner Jan Wilsgaard, der in Göteborg einem Kunststudium nachging, zu seinem Nachfolger als Chefdesigner

1954: Volvo sucht einen Nachfolger für den alternden "Buckel-Volvo" PV444 und entwickelt unter dem Code P179 einen Prototyp namens Margaret Rose. Allerdings lieferte dieses zweitürige Fastbackmodell nicht die Basis für kostengünstig zu realisierende Viertürer- und Kombivarianten. So entscheidet sich Volvo für die Finalisierung des Amazon durch Designer Jan Wilsgaard

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Machte Volvo zur Kombi-Marke: Der fünftürige Amazon vereinte Nutzwert, Sicherheitstechniken, Zuverlässigkeit und schickes Design auf bahnbrechende Art. (Foto: Volvo)

1956: Im Februar kündigt Volvo die neue Amazon-Baureihe an; im April fährt der Prototyp X1 Langstreckentests in Norwegen. Am 3. August enthüllt Volvo den P120/Amason (Schreibweise "Amazon" mit "z" erst ab Ende des Jahres) mit B16-Vierzylinder (1,6 Liter Hubraum) im schwedischen Skövde bei einer Händlerveranstaltung. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um den rechtsgelenkten Prototyp X2. Der Amazon kostet ab 12.500 Kronen (SEK), und ist damit um gut ein Drittel teurer als der Buckel-Volvo PV444 (Preise ab 9.275 Kronen). Produktionsvorbereitung für den Amazon im Werk Lundby. Erste öffentliche Präsentation am 1. September im schwedischen Örebro; internationale Premiere des Amazon auf der Londoner Earls Court Motorshow im Oktober. Als erster Automobilhersteller gründet Volvo eine Unternehmensdivision, die sich auf den Vertrieb an Diplomaten, Militärangehörige und Touristen konzentriert, um so den weltweiten Export zu forcieren

1957: Im Februar beginnt die Auslieferung des viertürigen Amazon (Länge 4,31 Meter, Breite 1,61 Meter, Radstand 2,60 Meter, Wendekreis nur 9,60 Meter), dies vorläufig grundsätzlich nur in drei Farbvarianten (in rot bzw. schwarz mit hellgrauem Dach oder in hellgrau mit schwarzem Dach). Auf Sonderwunsch entstehen einige wenige einfarbige Amazon

1958: Dank des Amazon avanciert Volvo zur volumenstärksten Automarke in Schweden; eine Nummer-eins-Platzierung, die sich Volvo bis heute sichert. Als 100.000ster für den Export bestimmter Volvo wird ein Amazon mit der MS Timmerland nach Griechenland verschifft. Der deutsche Mopedhersteller Kreidler reklamiert Markenschutz für den Namen "Amazone", den ein Moped trägt, und im Zuge eines Vergleichs nutzt Volvo den Namen Amazon nur noch in Skandinavien, in anderen Ländern heißt das Mittelklassemodell Volvo 121 mit Standardmotor bzw. 122 S mit Sportmotor. Jetzt auch dunkelblaue Lackierung mit hellgrauem Dach für den Amazon im Angebot. Der Amazon 122 S Sport wird auch von der schwedischen Polizei bestellt. Volvo Deutschland geht an den Start. Im November wird das Volvo-Markenzeichen beim Deutschen Patentamt eingetragen, schon am 1. Juni wurden die Firmenschilder Volvo GmbH am ersten Hauptsitz angebracht in Frankfurt, Bockenheimer Landstraße 83. Erste Modelle im Programm sind die Typen Volvo PV444 und Volvo P120 Amazon, die vor allem an in Deutschland stationierte US-Soldaten verkauft werden

1959: Zum Modelljahr 1959 werden alle Volvo-Modelle P120/Amazon und PV544 als weltweit erste Automobile serienmäßig mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten vorn und mit optionalen Zweipunktgurten hinten ausgestattet. Auf der New York Autoshow startet der Vertrieb des Volvo Amazon in Nordamerika. Zwei Volvo Amazon P122 S starten bei der Rallye Monte Carlo und belegen beim Zieleinlauf die Plätze 28 und 44

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Mit Erfolgen im Motorsport wie Rallyes und Tourenwagenchampionaten bewies Volvo die Zuverlässigkeit des Amazon. (Foto: Autodrom)

1961: Ab Oktober ist der Amazon auch als Zweitürer lieferbar, anfangs jedoch nur in Skandinavien. Zum neuen Modelljahr gibt es eine neue Motorengeneration B18 aus dem Sportcoupé P1800

1962: Am 12. Februar liefert Volvo den 100.000sten Amazon aus. Der Export nach Malaysia startet. Im Februar debütiert der Volvo P220/Amazon Combi. Die Auslieferung beginnt als P221 (Einfachvergaser) und P222 (Zweifachvergaser)

1963: Auf dem schwedischen Heimatmarkt löst der Volvo Amazon den Buckel-Volvo PV544 als meistverkauftes Fahrzeugmodell ab. Der belgische Karossier Jacques Coune präsentiert im Januar auf dem Brüsseler Salon ein Amazon Cabrio, das in Kleinserie geht. Am 11. September verlässt der erste in Kanada montierte Amazon das neue Werk Dartmouth/Nova Scotia

1964: Am 24. April eröffnet der schwedische König Gustav VI. Adolf das neue Volvo-Werk Torslanda in Hisingen bei Göteborg. Volvo benötigt dank des Amazon-Absatzerfolges Produktionskapazitäten von bis zu 200.000 Einheiten pro Jahr. Amazon-Modellpflege im August mit neuem Kühlergrill, modifiziertem Interieur und Ausstattung aller Versionen mit vorderen Scheibenbremsen

1965: Volvo-Werksfahrer Carl-Magnus Skogh gewinnt mit dem Amazon 122 S die Rallye Akropolis. In Belgien nimmt das Montagewerk Gent den Betrieb auf. Leichter Leistungszuwachs bei den Motoren durch höhere Verdichtung und modifizierte Nockenwelle. Der Volvo P120/Amazon erzielt mit 119.000 Einheiten sein bestes Verkaufsjahr. Produktionsende für den "Buckel-Volvo" PV544. Als Nachfolger des PV544 wird der zweitürige P121/Amazon Favorit mit einfacher Ausstattung eingeführt. In Peru, Chile, Nigeria und Griechenland wird der P122/Amazon als Polizeifahrzeug ausgeliefert. Die neu eingerichtete nationale schwedische Fahrzeugüberwachung ermittelt, dass Volvo-Modelle mit einem Durchschnittsalter von 13,3 Jahren die höchste Lebenserwartung aller geprüften Typen erzielen

Kanten-statt-Kurven-Der-Volvo-144-links-startete-1966-als-designierter-Nachfolger-des-noch-bis-1970-gebauten-Volvo-Amazon-rechts-in-frischen-ebenfalls-ikonischen-Konturen
Kanten statt Kurven: Der Volvo 144 (l.) startete 1966 als designierter Nachfolger des noch bis 1970 gebauten Volvo Amazon (r.) in frischen, ebenfalls ikonischen Konturen. (Foto: Volvo)

1966: Der einmillionste Volvo, ein zweitüriges Exemplar der Serie 120, rollt vom Band. Im August rollt der Volvo 144 an den Start, der designierte Nachfolger des P120/Amazon. Im selben Monat startet aber auch der 123 GT mit dem Triebwerk aus dem Sportcoupé P1800. Die Auflage beträgt rund 1.500 Einheiten. Facelift für alle Amazon, erkennbar an modifiziertem Grill und neuen Rückleuchten. Bei der Safari-Rallye belegt Vorjahressieger (mit Volvo PV544) Joginder Singh auf Amazon den dritten Rang. In Gent/Belgien wird ein Volvo-Pkw-Werk für den EU-Markt eröffnet

1967: Rallyestar Singh siegt auf Volvo Amazon bei der Safari-Rallye. Die US-Exportversionen mit Zweifach-Vergaser erhalten ein Abgasreinigungssystem. In Schweden belegt der Amazon mit 19.252 Einheiten Platz eins der Zulassungsstatistik (vor Volvo 142/144), allerdings wird im Dezember die Produktion des viertürigen Amazon eingestellt. In den USA verkauft Volvo 33.189 Einheiten, was einem Zuwachs von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die letzten Gurt-Skeptiker überzeugt Volvo in diesem Jahr mit einem "28.000 Unfälle-Report". Die Untersuchung basiert auf den Daten aller Unfälle eines Jahres in Schweden und belegt, dass der Sicherheitsgurt Leben rettet und die Zahl der Verletzungen um bis zu 60 Prozent reduziert. Markteinführung des Volvo 145, der sowohl Amazon Kombi als auch den Volvo Duett ersetzen soll. Neu ist außerdem der zweitürige Volvo 142 als designierter Nachfolger des zweitürigen Volvo Amazon. Sicherheitsgurte für die Rücksitze werden lieferbar und der erste Kindersitz mit Beckengurt als Zubehör für den Volvo Amazon und den neuen Volvo 144

Scharfer-Schwede-Der-Volvo-Amazon-123-GT-scheuchte-mit-bis-zu-128-PS-starkem-Sportmotor-auch-BMW-Neue-Klasse-Typen-von-der-linken-Spur
Der Volvo Amazon 123 GT scheuchte mit bis zu 128 PS starkem Sportmotor auch BMW-Neue-Klasse-Typen von der linken Spur. (Foto: Volvo)

1968: Im August werden Amazon Kombi und Zweitürer mit auf 2,0-Liter-Hubraum vergrößertem B20-Motor und Abgasreinigungssystem (wie in den USA) lieferbar. In Deutschland wird der Werbeslogan "Sicherheit aus Schwedenstahl" eingeführt

1969: Im August Produktionsauslauf für den Kombi. Kopfstützen vorn und Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen werden beim Zweitürer Standard

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Skulpturale Eleganz: Der Volvo Amazon überlebte fast alle zeitgleich eingeführten Konkurrenten und mutierte mit Produktionsende 1970 zum Klassiker. (Foto: Volvo)

1970: Am 3. Juli 1970 läuft im schwedischen Werk Torslanda der letzte Amazon vom Band. In Südafrika läuft die Montage des 122 S bis November

1993: Als sich der frühere US-Außenminister Colin Powell von seiner Position als Vorsitzender des amerikanischen Generalstabs zurückzieht, schenkt ihm US-Präsident Bill Clinton einen restaurierungsbedürftigen Volvo P120 Amazon, denn Powell ist Amazon-Fan seit er einen P220 Amazon Kombi des Jahrgangs 1966 besaß

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Alles anders und doch wie der Amazon: Der neue Volvo EX60 ist für Schwedens Volkswirtschaft ein Meilenstein und soll als vollelektrischer SUV Familien und Firmen überzeugen.

2008: Ein Ingenieur beim schwedischen Hypercar-Spezialisten Koenigsegg installiert erfolgreich einen auf 600 PS erstarken Volvo-V90-Motor in einen Amazon Kombi P220, der so Kultstatus gewinnt

2020: Volvo teilt mit, dass immer noch acht Prozent aller gebauten Amazon zugelassen sind

2026: Knapp zehn Prozent aller in Schweden verkauften Volvo Amazon existieren bis heute. Volvo und die Community feiern das Jubiläum "70 Jahre Amazon" bei verschiedenen Events. Der vollelektrische Volvo EX60 feiert seinen Marktstart und steht in der Tradition des ersten Premium-Mittelklassemodells von Volvo, des Volvo Amazon

Skandinavisches-Design-und-Sicherheit-neu-interpretiert-Der-Volvo-EX60-soll-wie-sein-Urahn-Amazon-Massstaebe-setzen
Skandinavisches Design und Sicherheit neu interpretiert: Der Volvo EX60 soll wie sein Urahn Amazon Maßstäbe setzen. (Foto: Volvo)

Produktionszahlen

Volvo Amazon insgesamt 667.323 Einheiten (1956-1970), davon

als viertürige Limousine

  • Volvo Amazon P1200 (1956/57) 249 Einheiten;

  • Volvo Amazon P1200 V/H (1957/58) 4.935 Einheiten;

  • Volvo Amazon P1200 VB/HB (1958) 6.898 Einheiten;

  • Volvo Amazon P12204, P12206 VB/HB, P12104 (1958) 2.918 Einheiten;

  • Volvo Amazon P12104, P12106UVB/P12206 (1958/59) 39.398 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VD/HD (1960/61) 29.900 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VE/HE (1961/62) 28.500 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VF/HF (1962/63) 27.200 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VG/HG (1963/64) 26.400 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VK/HK (1964/65) 27.400 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VL/HL (1965/66) 31.250 Einheiten;

  • Volvo Amazon P120 VM/HM (1966/67) 9.160 Einheiten.

als zweitürige Limousine

  • Volvo Amazon P130 VA/HA (1961/62) 10.500 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 VB/HB (1962/63) 29.500 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 VD/HD (1963/64) 44.600 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 VE/HE (1964/65) 59.800 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 VF/HF (1965/66) 72.550 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 M (1966/67) 62.950 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 P (1967/68) 32.600 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 S (1968/69) 27.500 Einheiten;

  • Volvo Amazon P130 T (1969/70) 19.918 Einheiten.

als viertüriger Kombi

  • Volvo Amazon P220 VA/HA (1962) 1.399 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 VB/HB (1962/63) 6.875 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 VD/HD (1963/64) 9.675 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 VE/HE (1964/65) 11.450 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 VF/HF (1965/66) 15.200 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 M (1966/67) 17.200 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 P (1967/68) 8.500 Einheiten;

  • Volvo Amazon P220 S (1968/69) 2.897 Einheiten.

Wichtige Motorisierungen

  • Volvo P1200/P120/Amazon Viertürer (1956-1961) mit 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner (44 kW/60 PS bzw. mit 63 kW/85 PS);

  • Volvo P120/Amazon Viertürer (1961-1967) mit 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner (55 kW/75 PS bzw. mit 66 kW/90 PS bzw. mit 70 kW/95 PS);

  • Volvo P130/Amazon Zweitürer (1961-1970) mit 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner (55 kW/75 PS bzw. mit 63 kW/85 PS bzw. mit 66 kW/90 PS bzw. mit 70 kW/95 PS bzw. 74 kW/100 PS bzw. 76 kW/103 PS bzw. mit 85 kW/115 PS bzw. mit 87 kW/118 PS);

  • Volvo P220/Amazon Combi (1962-1969) mit 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner (55 kW/75 PS bzw. mit 63 kW/85 PS bzw. mit 66 kW/90 PS bzw. 74 kW/100 PS).

Quelle: ntv.de, Wolfram Nickel, sp-x

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