Basis-Version ziemlich günstigCitroën ë-C3 - auch ein Kleinwagen funktioniert als Allrounder
Von Patrick Broich
Beim Autokauf stellt sich neben der Außenwirkung oft die Frage, wie viel Auto der Mensch eigentlich braucht. Und wie viel Elektroauto. Genau dieser Frage ist ntv.de nachgegangen und hat einen Citroën ë-C3 unter die Lupe genommen. Und zwar die Basis.
Aufmerksame Leser mögen kurz aufgehorcht haben beim Begriff "Basis". Richtig, es gibt neuerdings den Citroën ë-C3 in der sogenannten Urban-Range-Ausführung mit winzigem 30-kWh-Akku und verlockenden 20.140 Euro Einstandspreis. ntv.de hat sich aber diesmal für den etwas größeren LFP-Stromspeicher (44 kWh) entschieden, um aufzuzeigen, wie ein vielfältiger Alltag mit einem elektrischen Kleinwagen aussehen kann - womöglich auch für Menschen, die nicht zu Hause laden können. Und auch diese Version ist mit 23.450 Euro immer noch vergleichsweise günstig - allerdings lange nicht so erschwinglich wie der Basisverbrenner mit 101 PS und 16.290 Euro Einstiegspreis.
Und jetzt zum Thema Basis. Als "You" - das ist die absolute Grundausstattung - merkt man dem C3 die Einfachheit rasch an. Aber auf eine coole Art. Er besticht beispielsweise trotz des einfachen Interieurs durch eine stylish-verspielte Architektur und gibt hier stilistisch klar den Europäer.
Das geht schon los mit dem simplen (wenige Tasten), aber geometrisch ausgefallen gestalteten Lenkrad samt coolem Retro-Logo auf dem Pralltopf. Dazu kommen viele klaren Linien sowie gekonnt platzierte, in einem markanten Blau durchgefärbte Elemente im Bereich der Armaturen, die je nach Lichteinfall wirken wie Ambientelicht. Sozusagen die sparsame Ausgabe von Ambientelicht. Dass jetzt nicht Materialien wie bei einer S-Klasse zum Einsatz kommen und auch nicht jedes Detail haptisch aus dem Vollen schöpft - geschenkt. Aber auf eine heute zentrale Sache verzichtet dieser Kleinwagen: den Bildschirm.
Braucht man nicht, denkt sich der Hersteller. Denn jeder Kunde hat heutzutage ein Smartphone. Und das kann man praktischerweise per speziellem Klemmhalter an die Armaturentafel heften. Und zack, hat man die ganze Klaviatur vom Navigationssystem über den Messenger bis hin zu Social Media. Außerdem ist man die Gefahr los, von der Polizei beim Tippen am Handy erwischt zu werden, denn sobald das Endgerät in der Vorrichtung steckt, darf man sich austoben.
Ach ja, natürlich gibt es eine Freisprecheinrichtung per Bluetooth, sodass Telefonieren möglich ist. Wenn die Basis so aussieht, ist sie okay. Aber lass über weitere Fahrzeug-Skills und auch Nicht-Skills sprechen. Polster sowie Platzangebot gehen schon in Ordnung. Wobei - die Beinfreiheit hinten in dem nur 4,02 Meter langen Auto mit 2,54 Metern Radstand könnte vielleicht einen Hauch üppiger ausfallen, geht aber für das Segment in Ordnung.
Ach ja, die Fenster hier werden gekurbelt, das ist herrlich nostalgisch und stört kaum. Geht also auch in Ordnung. Sehr in Ordnung sogar gehen die Stühle selbst. Die sind immerhin so bequem, dass man selbst mehrere Hundert Kilometer plus Ladepause in ihnen verweilen kann, ohne Gefahr zu laufen, einen knirschenden Rücken zu bekommen. Passt.
Das Laden ist ein Knackpunkt
Apropos Laden, das ist ein spannendes Feld vor allem beim rein elektrisch angetriebenen Kleinwagen. Hierzu muss man wissen, dass bei jeder Unterhaltung über dieses Thema sofort mit dem Argument um sich geworfen wird, mit einem typischen Cityflitzer lege man ohnehin keine langen Strecken zurück. Ach ja, und was ist mit der budgetbegrenzten Familie, die alle paar Monate die Oma besuchen fährt? Was mit den Studierenden, die im Sommer gern Festivals besuchen? Und der Single erst, der mit Freunden auf einen Wochenendtrip geht? Nein, auch ein batterieelektrischer Kleinwagen sollte universal einzusetzen sein. Mit einem Saxo oder Visa ging es doch auch, um einmal historische Kleinwagenmodelle der Marke zu bemühen.
Und hey, wer sagt denn überhaupt, dass es nicht geht? Es geht, aber mit Berücksichtigung ein paar wichtiger Dinge. Mit dem ë-C3 bei Kälte eine längere Reise zu absolvieren, ist eine lehrreiche, spannende und herrlich entschleunigende, aber keineswegs unmögliche Sache. Bei strengem Frost und 120 km/h Autobahn-Tempo kann die Reichweite auch mal auf unter 200 Kilometer fallen, so viel Wahrheit gehört dazu, wenn die Energie-Mitnahmekapazität begrenzt ist. Im Falle milderer Temperaturen sind knapp 300 Kilometer realistisch.
Doch wie schnell kann man nachfassen? Nicht irre schnell, nüchtern gesagt. Aber auch hier gilt: Für Kleinwagen-Verhältnisse geht es keineswegs unzumutbar langsam. Zumal von einer Vorkonditionierung keine Rede ist. Es dauert in der Praxis rund 30 Minuten, um von 20 auf 80 Prozent zu laden, und man strandet dank des dichtem DC-Ladenetzwerks in ganz Europa auch nicht.
Elektro-Kleinwagen deutlich teurer als Benziner
Nun kommt jedoch das große Aber. Wer in diesem preissensiblen Segment zwingend elektrisch fahren möchte, muss mit zwei großen Minus- und einem Pluspunkt umgehen. Großer Pluspunkt ist sicher der ansatzlose Antrieb. Leise und stark (125 Newtonmeter) bringt das 113 PS leistende Elektroaggregat den 1,5 Tonnen schweren Fronttriebler auf Tempo. Der Strang muss keine Übersetzungen wechseln, die Maschine dreht nicht krakeelig hoch, und es gibt keine Zugkraftunterbrechungen. Zudem darf sich der Passagier über ein niedriges Geräuschlevel freuen.
Eine Hemmschwelle sind die 7160 Euro Aufpreis gegenüber der Ottoversion durchaus schon - selbst derzeit teurer Sprit gleicht das bei mittleren Kilometerfahrleistungen nicht so schnell aus. Und der Benziner ist auf der Langstrecke eben binnen drei Minuten vollgetankt.
Andererseits lautet die Botschaft: Wer im Kleinwagensegment explizit elektrisch fahren möchte, kann das tun - in der Praxis ohne Probleme, allerdings mit ein bisschen Planung. Selbst Strecken von 600 Kilometern pro Tag lassen sich realisieren, nur man braucht dann eben acht statt sechs Stunden. Und ein bisschen Pause schadet sicherlich nicht der Verkehrssicherheit.
Nachbessern muss Citroën indes beim Thema Ladepraxis. Dass der C3 sich nicht klimatisieren lässt während des Ladevorgangs, stört den Komfort doch empfindlich. Selbst wenn man unterwegs bloß 20 Minuten pausiert - bei niedrigen Temperaturen wird der Innenraum ganz schnell zum ungemütlichen Aufenthaltsort. Das muss doch wirklich nicht sein und lässt sich bestimmt abstellen. Kleiner Gruß an die Entwicklungsabteilung.
Zum Schluss noch schnell den Blick darauf gerichtet, was der "You" bietet. Mit Einparkhilfe, manueller Klimaanlage und Tempomat eigentlich alles, was man wirklich braucht. Und die Variante mit dem größeren Akku bietet gar die komfortablen Dämpfer mit hydraulischem Anschlag. Somit geht der Federungskomfort klar - immer bedacht, um welche Fahrzeugklasse es sich handelt.
Fazit: Im Kleinwagensegment ist rein elektrisches Fahren immer noch deutlich teurer als ein Verbrenner-Antrieb, das sieht man am Beispiel des Citroën C3 bestens. Aber wenn man wirklich elektrisch fahren möchte, lässt sich das realisieren. Auf der Langstrecke bremst die Elektrovariante diejenigen Reisenden aus, die schnell an ihr Ziel kommen möchten. Aber weite Entfernungen legt man in dieser Klasse ohnehin selten zurück. Und wenn doch, plant man eben etwas mehr Zeit ein. Die Basis "You" bringt keine großartigen Einbußen mit sich. Wer allerdings auf üppige Displays steht - keine Chance. Dann muss die höhere Ausstattungsvariante her, was mit 2200 Euro Aufpreis verbunden ist. Allerdings ist es auch mal ganz erfrischend, zu schauen, ob man in Zeiten von Komfort- und Techniküberfluss auch noch minimalistisch unterwegs sein kann. Überraschung: Man kann.
Datenblatt Citroën ë-C3 Elektromotor 113 Standard-Range
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4,02 / 1,81 / 1,58 m
Radstand: 2,54 m
Leergewicht (DIN): 1491 kg
Sitzplätze: 5
Gepäckraumvolumen: 310 l
Motorart: eine Elektromaschine
Getriebe: eine Übersetzung, fest
Systemleistung: 113 PS (84 kW)
Antrieb: Vorderradantrieb
max. Drehmoment: 125 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h: 11 s
Höchstgeschwindigkeit: 132 km/h
Akkukapazität: 44 kWh
Ladezeit 20 bis 80 Prozent: 26 Minuten
Maximale Ladeleistung (Gleichstrom): 100 kW
Ladeleistung (Wechselstrom): 7,4 kW
Verbrauch (kombiniert): 16,7 bis 17,3 kWh
kombinierte WLTP-Reichweite: 310 bis 322 km
CO₂-Emission kombiniert: 0 g/km
Grundpreis: ab 23.450 Euro