"Einführung mächtiger Werkzeuge"Deutscher erhält erstmals Mathematik-"Nobelpreis"

Erstmals erhält ein Deutscher den prestigeträchtigen Abelpreis, oft als Nobelpreis der Mathematik bezeichnet. Gerd Faltings wird mit dem Abelpreis prämiert. Es ist nicht die erste historische Premiere für den Bonner Forscher.
Als erster Deutscher erhält Gerd Faltings vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn in diesem Jahr den renommierten Abelpreis für Mathematik. Der Preis werde Faltings "für die Einführung mächtiger Werkzeuge in der arithmetischen Geometrie" verliehen, teilte die Norwegische Akademie der Wissenschaften mit. Der heute 71-jährige Faltings war 1986 bereits mit der Fields-Medaille ausgezeichnet worden, womit er nun Träger der beiden bedeutendsten Preise in Welt der Mathematik ist.
Der Abelpreis zählt zu den hochrangigsten Mathematikpreisen - einen echten Nobelpreis für Mathematik gibt es nicht. Gestiftet wurde er anlässlich des 200. Geburtstages des norwegischen Mathematikers Niels Henrik Abel (1802 bis 1829) von der norwegischen Regierung. Er ist mit 7,5 Millionen norwegischen Kronen (etwa 670.000 Euro) dotiert.
Die Norwegische Akademie würdigte Faltings als "eine herausragende Persönlichkeit" in der arithmetischen Geometrie: "Seine Ideen und Ergebnisse haben dieses Gebiet geprägt." Faltings habe "nicht nur wichtige, seit langem bestehende Vermutungen bewiesen, sondern auch neue Methoden etabliert, die nachfolgende Arbeiten über Jahrzehnte beeinflusst haben", würdigte die Akademie seine "außergewöhnlichen Leistungen".
Mordellsche Vermutung bewiesen
Die Grundlagen von Faltings Ruhm liegen im Jahr 1983. Damals ging er mit 28 Jahren in Bonn mit einer Erkenntnis an die Öffentlichkeit, die international für Aufsehen sorgte: Faltings lieferte den Beweis für die Mordellsche Vermutung aus dem Jahr 1922 - eine der großen, bis dahin unbewiesenen Thesen der algebraischen Geometrie.
Sechs Jahrzehnte lang hatten sich Mathematiker erfolglos am Beweis der Vermutung des US-britischen Mathematikers Louis Joel Mordell versucht. Faltings konnte das Problem lösen. Er legte dazu eine 17 Seiten umfassende Abhandlung vor und wurde mit einem Schlag berühmt. Auch jenseits der Mathematik interessierten sich die Menschen plötzlich für den damals als Professor an der Universität Wuppertal lehrenden Faltings.
Hartnäckige Rätsel gelöst
Nach dem Beweis der Mordell-Vermutung habe Faltings zahlreiche weitere mathematische Probleme "wie Perlen auf einer Schnur" gelöst und außerdem Faltings' Produktsatz entwickelt, würdigten die Verantwortlichen des Abelpreises den deutschen Mathematiker. Mit diesem Werkzeug habe er als weiteres hartnäckiges Rätsel die Mordell-Lang-Vermutung gelöst, was mit zu seinen "großen Leistungen" zu zählen sei.
Faltings habe als einer der prominentesten Mathematiker Deutschlands viele begabte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an das Max-Planck-Institut in Bonn gelockt und dieses so zu einem weltweit führenden Zentrum für arithmetische algebraische Geometrie gemacht, würdigten die Verantwortlichen des Abelpreis den deutschen Forscher. Seit 2023 ist Faltings emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut und emeritierter Professor an der Universität Bonn und forscht weiterhin.