"Von hier an blind" geht viralAlter Song von Wir sind Helden stürmt in die Top Ten

Anfang des Jahrtausends zählten Wir sind Helden zu den bekanntesten deutschen Rockbands. Alben wie "Die Reklamation" drückten die Gefühle einer ganzen Generation aus. Nun wird die Gruppe dank Tiktok von einer neuen Generation entdeckt - und stürmt erneut die Charts.
"Ich weiß nicht weiter, ich weiß nicht, wo wir sind": Der Song "Von hier an blind" der Band Wir sind Helden erlebt dank Social-Media-Clips ein kaum zu glaubendes Revival. Seit einigen Wochen tauchen auf TikTok und Co. immer mehr Coverversionen und Tanzclips mit dem Lied auf. Warum? Das weiß niemand so genau.
In den aktuellen Offiziellen Deutschen Charts ist das Lied inzwischen in den Top Ten: "Der derzeit viral gehende, 21 Jahre alte Song 'Von hier an blind' von Wir sind Helden klettert weiter von Rang zwölf auf sechs", heißt es in einer Mitteilung der Chartsermittler von GfK Entertainment in Baden-Baden. Der Song ist damit mehr als 20 Jahre nach Erscheinen so hoch platziert wie noch nie.
Am 17. Oktober 2005 platzierte sich das Lied erstmals unter den Singles: damals auf Platz 43. Eine Woche später stieg das Lied um einen Platz auf Rang 42. Danach ging es bergab: auf Platz 46, dann Platz 53, Platz 58, Platz 66, Platz 70, Platz 75 und Platz 82 (am 9. Dezember 2005). Dann verschwand der Song fast 21 Jahre lang aus den Single-Charts. Am 21. August 2026 kam das eingängige Lied auf Platz 59 zurück in die Charts, eine Woche später stürmte es schon auf den zwölften Platz. Nun also Platz sechs.
Frontfrau Holofernes ist gerührt
Die Band Wir sind Helden war in den Nullerjahren sehr erfolgreich mit Hits wie "Gekommen um zu bleiben", "Denkmal", "Guten Tag" oder "Aurélie". Auch die Alben "Die Reklamation" (2003), "Von hier an blind" (2005), "Soundso" (2007) und "Bring mich nach Hause" (2010) waren sehr erfolgreich, belegten teils sogar die Chartspitze.
Die ehemalige Frontfrau der Band, Judith Holofernes, zeigte sich gerührt, als der Song wieder in die Charts einstieg: "Vielen, vielen Dank für die vielen wunderschönen Cover-Versionen. Und die Tänzchen und alles, die Hommagen, es erfreut mich extrem", sagte sie in einem Beitrag auf TikTok.
Holofernes, die nach dem Ende der Band auch als Solokünstlerin erfolgreich war, erklärt den Song so: "Ich hab’ den Text damals geschrieben, als ich sehr jung das Gefühl hatte, meine kühnsten Träume eigentlich schon verwirklicht zu haben und sozusagen auf einer Bergspitze zu stehen und zu denken: 'Und jetzt? Was passiert jetzt?' Ich wollte über dieses Gefühl schreiben, die Zukunft wirklich überhaupt nicht sehen zu können und trotzdem reinzuspringen." Deswegen freue sie sich, dass dieser Song jetzt offensichtlich auch eine neue Generation anspreche.
Die Sängerin, die im November 50 Jahre alt wird, hatte kürzlich allerdings berichtet, dass sie nicht mehr singen könne. Hintergrund sei vermutlich eine neurologische Stimmstörung, die sie 2017 entwickelt habe. Es sei ungeklärt, ob diese mit einer Hirnhautentzündung zusammenhängt, die sie wahrscheinlich im selben Jahr gehabt habe. Holofernes ist inzwischen vor allem als Autorin tätig.
