Unterhaltung

"Das mit dem Sex wird besser" Barbara Schöneberger gibt Auskunft

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Erzählt viel, sagt aber bestimmt nicht alles: Barbara Schöneberger.

(Foto: imago/Future Image)

Jetzt singt sie auch wieder. Nach fünf Jahren Musikpause hat sich Allroundtalent Barbara Schöneberger für ihr viertes Album "Eine Frau gibt Auskunft" mit dem Songschreiber- und Produzentenduo Peter Plate und Ulf Leo Sommer (Rosenstolz, Sarah Connor, Max Raabe) zusammengetan und eine erfreulich unklamaukige Songsammlung aufgenommen. Die Platte ist dem Chanson näher als dem Schlager, textlich behandelt die 44-jährige Münchnerin, die mit Mann und zwei - 2010 und 2013 geborenen - Kindern in Berlin lebt, zwölf verschiedene Facetten des Frau-Seins. Wir sprachen mit Barbara Schöneberger im Büro ihrer Berliner Plattenfirma.

n-tv.de: Barbara, wie bist du an die Songschreiber und Produzenten Peter Plate und Ulf Leo Sommer geraten?

Barbara Schöneberger: Ich habe Peter bei einer Veranstaltung gnadenlos angehauen. Am Anfang wollten wir nur zwei, drei Songs zusammen machen, dann haben wir uns so gut verstanden, dass ein ganzes Album daraus geworden ist. Das finde ich super. Die Platte klingt für mich wie aus einem Guss.

Du machst diesmal mehr Chanson als Happy-Pop und Klamauk.

Ja, einige Lieder sind ernster und melancholischer. Aber trotzdem auch positiv.

Wie persönlich ist "Eine Frau gibt Auskunft"?

Ich singe über Themen, die mir überwiegend nicht fremd sind, die aber größtenteils gerade nicht viel mit meinem Leben zu tun haben. Ich bin ja nicht die typische Singer-Songwriterin, die sich jetzt über ihren Liebeskummer ausheult.

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Warum eigentlich nicht?

Erstens habe ich gar keinen Liebeskummer. Und zweitens denke ich schnell: "Jetzt wird es aber lächerlich", wenn es zu emotional und gefühlig wird. Deshalb haben wir uns lange ziemlich schwergetan, eine Herangehensweise an dieses Album zu finden und uns Lieder zu überlegen, die glaubwürdig genug sind, damit die Hörerin sich angesprochen fühlt. Schließlich hatten wir die Idee, zwölf Frauentypen zu entwickeln, von denen jede komplett anders, aber jede auch nachvollziehbar ist.

Hättest du gerne mehr Liebeskummer, damit du darüber singen kannst?

Ich glaube tatsächlich, dass man sich leichter damit tut, poetisch zu sein, wenn man sich in emotional total entrückten Verhältnissen befindet, also entweder in der totalen Liebeseuphorie oder in der totalen Liebesdepression.

Wo befindest du dich denn auf der Liebesskala?

Im oberen Drittel. Kurz unterhalb der Euphorie. Das ist wahrscheinlich der unproduktivste Bereich, in dem man sich aufhalten kann.

Für die Kunst schwierig, für dich selber toll.

Eben. Deshalb mussten wir zu diesen Tricks greifen. Bei vielen Themen kann ich einfach nicht mitreden. Und ich kann in meinem Alter nicht mehr im Ernst ein Album machen, auf dem ich singe: "Ich finde dich geil, wie kriege ich dich ins Bett?". Das ist einfach nicht Teil meiner Lebenswelt. Ich bin halt keine 23 mehr.

Würdest du denn gerne nochmal Mitte 20 sein?

Nein. Ich weiß, wo ich hingehöre. Und ich lebe das Leben, das ich leben will. Ich glaube, Frauen tun sich insgesamt leichter damit, zu wissen, wie alt sie sind. Und auch zum Beispiel zu ahnen, dass es schwierig ist, mit jemandem zusammen zu sein, der 28 ist, wenn man selber 44 ist.

Du schließt also aus, einen deutlich jüngeren Partner zu haben?

Mit dem einen würde man es vielleicht noch hinkriegen. Aber wenn der seine Freunde mitbringt und die haben alle so schief sitzende Baseballkappen auf, dann wird es für mich problematisch. Männer sind anders, die können über so was hinwegsehen, die fühlen sich gehoben, wenn sie mit Ende 40 noch mit 25-Jährigen abhängen.

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Welche unvorteilhafte Seite?

(Foto: imago/Future Image)

Im Song "Happy Patchwork Family" freut sich die Frau darüber, wie glücklich ihr Ex-Mann mit seiner 23-jährigen Freundin ist.

Ja, die hat ein großes Herz. Sie fragt sich nur, warum er jetzt diese komischen Hosen trägt, die er vorher immer doof fand oder so einen Hipster-Bart. Und die Neue hat einen Super-Instagram-Account, da kann man richtig neidisch werden.

Wie ist denn dein Instagram-Account?

Mehr als abwechslungsreich! Ich nutze Instagram auch dazu, mich von meiner unvorteilhaften Seite zu zeigen, weil diese Seite in Medien wie dem Fernsehen sonst zu kurz kommt. Viele verbinden die sozialen Medien nicht mit Augenzwinkern. Dabei kannst du mit Humor dort wirklich viel reißen.

Humor ist insgesamt wichtig für deine Arbeit, oder?

Klar. Ich habe mich relativ früh gegen Information und für Unterhaltung entschieden. Damit bin ich glücklich. Ich merke, dass der Gradmesser meines Lebens der Spaß daran ist. Ich komme jeden Abend nach Hause und sage: "Heute war es wieder superlustig." Für mein familiäres Umfeld ist das höchst ermüdend, aber es reicht ja, wenn einer in der Familie einen normalen Job macht. Ich bin tatsächlich ausgeglichen und glücklich bei dem, was ich tue.

So deutlich hört man diesen Satz selten.

Ich weiß das auch wirklich zu schätzen, dass ich unter so einer rosaroten Glocke lebe. Ich nehme das nicht selbstverständlich, es ist mir total bewusst, und ich bin dafür auch extrem dankbar.

Hast du dir diese rosarote Glocke selbst gebaut oder ist sie dir übergestülpt worden?

Ich bin schon ein wahnsinniges Glückskind. Auf der einen Seite ist mir tatsächlich noch nie etwas Schlimmes widerfahren. Dafür kann ich nichts, da hat es das Schicksal gut mit mir gemeint. Andererseits habe ich diese unfassbare Teflon-Veranlagung, wodurch mir Dinge, die anderen nahegehen würden, gar nicht so sehr auffallen.

Du giltst als sehr fleißig und umtriebig - TV-Shows, Galas, Firmenevents. Bist du mehr zu Hause, als die Öffentlichkeit glaubt?

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Zwischen 40 und 50 - die besten Jahre.

(Foto: imago/APress)

Ja, viel mehr. Alles, was ich mache und sage, wird nach außen breitgetreten. Und dann wirkt es so, als sei ich permanent irgendwo. Ich bin keine Schauspielerin, die sechs Wochen auf Madagaskar dreht. Trotzdem werde ich immer in diese Ecke gedrängt von wegen: "Oh, Sie sind ja immer im Fernsehen, wie machen Sie das eigentlich mit den Kindern?". Also: Es ist nun wirklich für niemanden leichter als für mich, das zu organisieren. Menschen mit einem normalen Job haben mehr Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen.

Im Text deiner Single "Du willst es doch auch" will das Paar auch noch den Beischlaf in seinen streng getakteten Alltag integrieren - und scheitert.

Ja, mein Gott, angeblich hat das Durchschnittspaar zwei Mal pro Woche Sex, ich kann mir das nicht vorstellen. Man denkt sich ja ab und zu, "Mensch, heute passiert es aber mal wieder so richtig", so, und dann bist du am Abend hundemüde, dein Mann auch und du schläfst beim Fernsehgucken ein. Das kennt wirklich jeder. Früher sang man halt über viel Sex. Heute singt man über gar keinen Sex. Aber ich glaube, auch das ist nur eine Phase.

Aha?

Ja, das mit dem Sex wird später wieder besser. Man muss sich halt nur auch ein bisschen anstrengen.

In "Vielleicht wird's ja schöner" gibst du sowieso einen sehr optimistischen Ausblick aufs Alter.

Bisher ging mein Leben nur bergauf. Ich weiß natürlich nicht, ob das so bleibt, doch vielleicht ist das Leben so gnädig, dass man mit 70 sagt: "So gut wie jetzt war es noch nie." Meine Mutter hat mir gesagt, zwischen 40 und 50 war ihre beste Zeit. Jetzt habe ich noch sechs gute Jahre. Die nehme ich voll mit.

Also keine Angst vor zu viel Stress oder gar einem Burnout?

Das ist eher ein Männerproblem, wenn ich das mal sagen darf. Ich kriege oft mit, dass Männer sich beklagen, wie schwer es ist, erst mit dem Vorstand zu telefonieren und dann zu Hause die Windeln zu wechseln. Ich denke dann nur: Nee, ist es eigentlich nicht. Das ist das Leben. Es ist gesund, seine Eitelkeiten beiseite zu lassen und zu merken, dass sich zu Hause keine Sau für deinen Job interessiert. Dort heißt es stattdessen nur: "Hast du die Autoreifen gewechselt?"

Beeindruckt dich die glamouröse Welt, in der du dich bewegst, überhaupt nicht?

Eigentlich nicht. Ich habe eine Freundin, wenn die sich Schuhe kauft, stellt sie die an ihr Bett und guckt sie sich beim Aufwachen an. So was mache ich nicht. Um meinen Glamour kümmert sich mein Stylist. Privat ist es mir wurscht, wie ich herumlaufe.

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Sie steht mehr in der Küche als auf der Bühne.

(Foto: imago/APress)

Bekommen deine Kinder mit, was du beruflich so treibst?

Was ich im TV mache, verfolgen die gar nicht. Diese CD ist jetzt wirklich das erste, was sie als Produkt meiner Arbeit voll wahrnehmen. Sie singen alles mit, ohne es zu verstehen. Und wenn andere Kinder bei uns zu Besuch sind, müssen die sich das immer anhören. Die sind schon ein bisschen genervt und fragen ihre Mütter, wann die denn eine Platte machen. Alles in allem aber ist meine Arbeit bei uns zu Hause kein großes Thema. Weil ich es auch nicht zum Thema mache.

Weshalb nicht?

Ich genieße die Privilegien meines Lebens. Ich verdiene auch wirklich sehr gerne Geld, was viele sich ja nicht trauen, zuzugeben. Aber weißt Du, worauf es mir wirklich ankommt im Leben? Mit Freunden um einen großen Tisch zu sitzen, mit ganz viel Essen auf diesem Tisch. Ich bin wirklich sehr häuslich - was mir extrem hilft in meinem gesamten Leben.

Wie das?

Ich war noch nie ein Party-Girl, sondern immer schon gerne daheim, deshalb war es überhaupt kein Schock und keine Umstellung für mich, Kinder zu kriegen. Partys interessieren mich nicht, Alkohol interessiert mich nicht. Mein Job ist nur ein Job. Ich mache den leidenschaftlich, aber wenn er vorbei ist, dann gehe ich heim.

Du moderierst am Samstag wieder die deutsche ESC-Party in Hamburg. Was bedeutet dir der ESC?

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Keine Angst vor Verkleidungen jeglicher Art.

(Foto: dpa)

Das ist jedes Jahr sehr lustig. Ich finde es toll, dass es solche Events gibt. Das ist ein europäisches Großereignis. Je mehr wir in Krisen schlittern, um so schöner finde ich, dass wir Veranstaltungen haben, bei denen alle Nationen miteinander feiern. Ich drücke Michael Schulte die Daumen.

Du hast jahrelang den Echo moderiert. Bist du froh, dass er abgeschafft wurde?

Unter diesen Voraussetzungen: ja. Ich muss ehrlich sagen, bei meiner Mitwirkung an dieser Sendung wären keine Schwachköpfe mit Gaspistolen und Sturmmasken auf die Bühne gekommen. Ich hätte spätestens bei der Probe gesagt: "Sehr gerne, aber ich bin nicht dabei." Interessanter als die Diskussion um den Echo finde ich allerdings, dass Kollegah und Farid Bang ihre Musik bei einem großen Plattenlabel verlegen dürfen. Warum liest sich das dort keiner vorher durch und sagt: "Das geht zu weit."

Was ist eigentlich dein Blick auf die MeToo-Debatte?

Ich finde es indiskutabel, wie hier sexuelle Gewalt gegen Frauen und Unterdrückung von Frauen gleichgesetzt werden mit "Darf ich im Büro einer Frau noch sagen, dass sie schöne Beine hat?" Natürlich verachte ich sexuelle Gewalt, aber ich bin auch bereit, einem Mann vier Mal zu sagen, dass ich nicht mit ihm einen Kaffee trinken gehen möchte, ohne dass ich mich dadurch belästigt fühle. Im Gegenteil: Jetzt mit 44 freue ich mich über jeden, der fragt.

Mit Barbara Schöneberger sprach Steffen Rüth

Barbara Schöneberger ist im März 2019 live zu erleben: Hamburg (7.3.), Hannover (8.3.), Bremen (9.3.), Essen (11.3.), Frankfurt (12.3.), München (13.3.), Berlin (17.3.), Leipzig (18.3.), Chemnitz (19.3.), Köln (20.3.)

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Quelle: n-tv.de

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