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VIP VIP, Hurra!Bonnie Tyler, Ikkimel und Berlins Bürgermeister

10.07.2026, 17:11 Uhr Bildschirmfoto 2026-02-21 um 21.32.44Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Verstummt, aber die unvergessliche Stimme bleibt: Bonnie Tyler, hier im Jahre 1985. (Foto: picture alliance / Photo12)

Prinz Harry sorgt für neues Royal-Chaos, Bonnie Tyler verstummt für immer und Ralph Siegel kämpft um seine Gesundheit. Die Promi-Woche zwischen Empörung, Boulevard und bewegenden Abschieden.

Die Mittagssonne brannte auf Opas Kopf mit dem schlohweißen Resthaar. Er hatte eine Leiter an den Baum gelehnt und war bereit zur Kirschenernte, als meine Großmutter im Kittel und mit Fluppe in der Gusche wie ein Blitz durch den Garten schoss und Opa in letzter Sekunde davon abhielt, in die Baumkrone zu steigen. Denn Opa hatte sich nach dem schweren Mittagessen zwei Schnäpse genehmigt. Für den Magen, sagte er dann immer. Wobei wir alle wussten: Wenn der Tatendrang wieder zu groß wurde, war es meistens nicht bei zwei Schnäpsen geblieben.

Während ich diese Kolumne schreibe, zeigt die Uhr 12.45 Uhr. Und ich überlege kurz, es meinem Opa gleichzutun und mir schon mittags einen einzuschenken. Denn bei manchen Nachrichten ist einem wirklich nur noch nach Saufen zumute. Stattdessen koche ich mir den dritten Kaffee an diesem schönen Julitag, an dem die deutsche Medienlandschaft mindestens so aufgeheizt ist wie das Wetter.

Es wird gezankt, moralisiert und jede Empörungswelle geritten, solange sie Klicks bringt. Jeden Tag ein neuer Skandal. Manche davon sind laue Lüftchen, andere so unangenehm, dass man sich fragt: Moment mal, gibt es in der Politik eigentlich noch Rücktritte? So erfuhr der Leser in dieser Woche, dass sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner nicht der Frage entziehen kann, wann er während des großen Stromausfalls im Winter mit wem telefoniert hat.

Was zunächst wie eine Petitesse klang, entwickelte sich zur Charakterfrage. Denn wer in einer Krise öffentlich erklärt, bereits um 8.08 Uhr mit Krisenstäben, der Bundesregierung und dem Bundesinnenminister telefoniert zu haben, obwohl sich später herausstellt, dass es diese Telefonate am Vormittag gar nicht gab, der hat kein Kommunikationsproblem mehr, sondern ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und siehe da: Ja, es gibt in der Politik noch Rücktritte - oder zumindest den Verzicht auf eine Spitzenkandidatur, zu dem sich Wegner nun schlussendlich dann doch durchgerungen hat.

"Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt"

Lieber Leser, könnten Sie ad hoc ein paar ehemalige Berliner Bürgermeister aufzählen? Einer von ihnen, Ernst Reuter, sagte einst den berühmten Satz: "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt." Nun ja, natürlich schaut man heute immer noch auf Berlin. Allerdings nicht wegen historischer Größe, sondern wegen Pannen und jeder Menge Peinlichkeiten, an die man sich über die Jahre leider zunehmend gewöhnt hat. Wie wird man sich an Kai Wegner erinnern? Seine Krisenkommunikation jedenfalls war "ganz großes Tennis".

Irgendwie trifft diese Beschreibung auch auf die britischen Royals zu, auch wenn die wohl eher Polo als Tennis spielen. Keine Woche vergeht ohne Drama im Boulevard. Und damit sind dieses Mal gar nicht die üblen Geschichten rund um Prinz Andrew gemeint, denn auch Prinz Harry und seine Meghan liefern regelmäßig Schlagzeilen. Thema in dieser Woche: Wo pennt "der Abtrünnige"? Erst angeblich im Buckingham-Palast. Dann plötzlich doch nicht. Erst Einladung, dann keine Einladung, dann war die Einladung da, aber die Antwort zu spät, dann wieder große Enttäuschung.

Am Ende weiß man nach diesem Kuddelmuddel weniger als vorher, obwohl tagelang pausenlos darüber berichtet wurde. Oder mit anderen Worten: maximale Aufmerksamkeit bei minimalem Erkenntnisgewinn. Lieber König Charles, möchte man den Sohn der verstorbenen Queen allzu gerne fragen: Kann es vielleicht sein, dass Sie und Prinz Harry beschlossen haben, den Boulevard kollektiv in den Wahnsinn zu treiben?

Ein weiterer Aufreger der Woche ist Ikkimels Auftritt im ZDF-"Morgenmagazin". How dare she? … am frühen Morgen in kurzen Höschen sexy und lasziv vor einem Publikum singen, in dem auch Kinder sitzen, obschon man das mit dem Singen ja so oder so sehen kann. Der "Auftritt aus der Hölle" ist morgen auch schon wieder Schnee von gestern. Was davon bleibt, ist allerdings, dass heute offenbar rotzige Lyrics über "Fußballmänner, alles Penner" auch schon mal feministisch hochgejazzt werden. Hach ja, wir leben wirklich in verrückten Zeiten!

Abschied von Bonnie Tyler, Sorge um Ralph Siegel

Da kann man fast froh sein, dass in diesem schnelllebigen Medienbetrieb überhaupt noch die Zeit bleibt, um wenigstens mal kurz von der Überholspur auf den Seitenstreifen zu fahren und einen Augenblick innezuhalten. Die britische Rockröhre Bonnie Tyler ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Wie ihre Angehörigen mitteilten, erlag die Musikerin in dieser Woche in einem Krankenhaus im portugiesischen Faro den Folgen einer schweren Erkrankung. Anfang Mai war sie dort nach einem medizinischen Notfall operiert worden und hatte anschließend mehrere Wochen im künstlichen Koma gelegen.

Wer kennt nicht ihre Welthits: "Total Eclipse of the Heart" oder "Holding Out for a Hero"? Und so möchte ich ganz ohne bittere Ironie einfach einmal festhalten, dass es in diesen Tagen alles andere als selbstverständlich ist, wenn in den Redaktionen (noch) Zeit für einen würdevollen Nachruf bleibt.

Auch für die Familie von Ralph Siegel sind es schwere Tage. Deutschlands erfolgreichster ESC-Komponist kämpft derzeit um seine Gesundheit. Nach einer schweren Lungenentzündung wird er in einem Münchner Krankenhaus intensivmedizinisch versorgt und liegt ebenfalls im künstlichen Koma. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung. Der Musiker kann inzwischen wieder eigenständig atmen und reagiert auf Musik. Seine Ehefrau spielt ihm am Krankenbett seine größten Erfolge vor. "Ein bisschen Frieden", "Dschinghis Khan". Selbst im künstlichen Koma scheint seine Leidenschaft noch immer einen Weg zu ihm zu finden.

Und ich? Bleibe doch lieber beim dritten Kaffee. Opa hätte darüber wahrscheinlich nur gelacht, aber manche Nachrichten lassen sich selbst mit zwei Schnäpsen nicht mehr schöntrinken.

Quelle: ntv.de

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