Brisante E-Mails über AndrewDruck auf König Charles wächst

Neue Enthüllungen zu den Geschäften des früheren Prinzen Andrew setzen König Charles unter Zugzwang. Möglicherweise wusste der Monarch bereits 2019 von möglichen Verstrickungen seines Bruders. Die Forderung nach Offenlegung und Transparenz wird immer lauter.
Nachdem am Sonntag öffentlich geworden ist, dass König Charles III. bereits 2019 vor problematischen Geschäftsverbindungen seines Bruders Andrew gewarnt worden war, wächst nun der Druck auf den Monarchen. Neue Enthüllungen der "Daily Mail" und der "Mail on Sunday" verschärfen die Debatte und mehren die Forderungen, Charles müsse offenlegen, was er wusste - und wann.
Andrew Mountbatten-Windsor war am Donnerstag an seinem 66. Geburtstag wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt festgenommen worden. Er war einst als britischer Sonderbeauftragter für internationalen Handel und Investitionen tätig. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit seinen Geschäftsaktivitäten und der anhaltenden Affäre um seine engen Kontakte zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Wie die "Mail on Sunday" berichtete, erhielt Charles bereits im August 2019 - damals noch als Prince of Wales - eine brisante Whistleblower-Mail. Sie ging ihm über die Kanzlei Farrer & Co zu, die auch seine Mutter vertrat, die 2022 verstorbene Königin Elisabeth II. In der Mail sei gewarnt worden, dass der Name der Royal Family durch Andrews geschäftliche Beziehungen "missbraucht" werde. Konkret ging es um mutmaßlich geheime finanzielle Verbindungen zu dem umstrittenen Millionär und Finanzier David Rowland.
"Namen der royalen Familie missbraucht"
In der E-Mail heißt es: "Die Handlungen Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs von York legen nahe, dass Seine Königliche Hoheit seine Beziehung zu David Rowland für wichtiger hält als die zu seiner Familie." In einer weiteren Nachricht wird Rowland direkt vorgeworfen: "Die vorgelegten Beweise belegen eindeutig, dass Sie den Namen der royalen Familie missbraucht haben."
Demnach soll Andrew Rowland faktisch in offizielle Aufgaben eingebunden haben. Laut den vorliegenden Nachrichten habe er ihm Einblicke in dienstliche Abläufe gewährt, ihn zu Treffen im Buckingham-Palast eingeladen und ihm Informationen im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Handelsgesandter zugänglich gemacht. Zudem wird behauptet, Rowland habe Andrew dabei geholfen, eine Luxemburger Banklizenz für dessen Privatbank zu beschaffen. In der Whistleblower-Mail war sogar von angeblichen Kontodaten Andrews die Rede.
Brisant ist auch, dass Andrew Epstein gegenüber Rowland als seinen "vertrauenswürdigen Geldmann" bezeichnet haben soll. Über mehrere Jahre hinweg habe er Rowland auf Geschäftsmöglichkeiten aufmerksam gemacht, die sich aus seiner offiziellen Tätigkeit ergaben. Rowland habe im Gegenzug Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson mit 40.000 Pfund zur Schuldentilgung unterstützt und 2017 ein Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Pfund für Andrew übernommen.
Angesichts dieser Details fordern Experten nun mehr Transparenz vom König. Der Royal-Biograf Andrew Lownie sagte der "Daily Mail": "Ich denke, es wird sehr schädlich sein, wenn sich herausstellt, dass König Charles davon wusste. Und ich denke, er muss offenlegen, was er wusste, wann er es wusste und was er dagegen unternommen hat. Denn wenn er das vertuscht hat, dann wird seine Position sehr schwierig werden." Er gehe davon aus, "dass wir in den kommenden Monaten weitere Anklagen gegen Andrew sehen könnten".
"Schockierend, aber nicht überraschend"
Politiker fordern ebenfalls Konsequenzen. Der britische Schatten-Innenminister Chris Philp nannte die neuen Enthüllungen "schockierend, aber nicht überraschend". Er forderte die Polizei auf, sie umgehend zu untersuchen. "Andrew hat sich schändlich verhalten und verdient nichts Geringeres, als sich wegen seiner Geschäfte vor Gericht zu verantworten - etwas, das Epsteins Opfern viel zu lange verwehrt blieb. Niemand steht über dem Gesetz."
Auch international wächst der Druck. Die US-Anwältin Gloria Allred, die bereits mehrere Epstein-Opfer vertreten hat, erklärte gegenüber der BBC: "König Charles und alle Mitglieder der Royal Family haben gesagt, dass sie die Opfer unterstützen. Der beste Weg ist, ebenfalls Interviews mit der Polizei zu führen, falls sie darum gebeten werden. Oder sie könnten sich freiwillig dazu bereit erklären. Ich würde respektvoll darum bitten, dass sie sich dazu äußern, was Andrew ihnen möglicherweise über seine Rolle im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein erzählt hat."
Charles selbst hatte nach der Festnahme seines Bruders erklärt, die Nachrichten über den Verdacht auf dessen Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt "mit größter Sorge" zur Kenntnis genommen zu haben. Nun folge ein "vollständiger, fairer und ordnungsgemäßer Prozess, mit dem diese Angelegenheit auf angemessene Weise und durch die zuständigen Behörden untersucht wird. Dabei haben sie, wie ich bereits zuvor sagte, unsere volle und uneingeschränkte Unterstützung und Kooperation. Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen." Ein Statement, das angesichts der neuen Erkenntnisse zumindest erklärungsbedürftig ist.