Unterhaltung

Kein Glamour fürs Streamen Cannes kickt Netflix

imago78707714h.jpg

In diesem Jahr gibt es für Netflix keinen roten Teppich in Cannes mehr.

(Foto: imago/Independent Photo Agency)

Es war so schick gewesen - als Streaming-Dienst durfte Netflix bei den renommierten Filmfestspielen in Cannes Premieren abhalten. Doch schon ein Jahr später ist Schluss. Kino und Internet passen nach Ansicht des Veranstalters doch nicht zusammen.

Netflix gilt als Vorreiter unter den Streamingdiensten. Doch das US-Unternehmen wird in naher Zukunft keine Chance mehr haben, für seine Eigenproduktionen einen der begehrtesten Preise der Filmbranche abzusahnen: die Goldene Palme von Cannes. Festival-Chef Thierry Frémaux bestätigte laut "The Hollywood Reporter", dass der Konzern ab sofort offiziell von dem Wettbewerb ausgeschlossen wird.

Die Filmfestspiele von Cannes mussten im vergangenen Jahr viel Kritik dafür einstecken, dass zwei Netflix-Produktionen bei der Preisverleihung zugelassen waren. "Okja" von Regisseur Bong Joon-ho mit Jake Gyllenhaal und Tilda Swinton in den Hauptrollen und "The Meyerowitz Stories" von Noah Baumbach mit Adam Sandler, Ben Stiller und Dustin Hoffman waren 2017 beim Wettbewerb an der Côte d'Azur vertreten.

"Im vergangenen Jahr, als ich die beiden Filme auswählte, dachte ich, ich könnte Netflix überzeugen, sie auch im Kino zu zeigen. Das wurde abgelehnt", wird Frémaux zitiert. "Die Netflix-Leute lieben den roten Teppich und wären gerne mit anderen Filmen präsent. Aber sie verstehen, dass die Unnachgiebigkeit ihres eigenen Geschäftsmodells unserem Modell widerspricht."

Kino vs. Internet

Zwar nehme Cannes die Streamingdienste als neue mächtige Filmproduzenten ernst und hinterfrage sich selbst ständig, sagte Frémaux. Aber "die Geschichte des Kinos und die Geschichte des Internets sind zwei völlig unterschiedliche Dinge". Netflix hat sich bislang nicht zu den neuen Regeln der Filmfestspiele in Cannes geäußert.

Der Status von Filmen, die online veröffentlicht werden, ist in der Branche umstritten. Kultregisseur Steven Spielberg äußerte sich jüngst etwa abwertend über Film-Releases auf Streaming-Plattformen. "Wenn man sich auf ein Fernsehformat einlässt, hat man einen Fernsehfilm", sagte er in einem Interview mit dem Sender "ITV News". Wäre das Produkt gut, verdiene es einen Emmy, aber "mit Sicherheit keinen Oscar".

Quelle: ntv.de, ame/spot