Unterhaltung

"Wir sind momentan sprachlos" City-Schlagzeuger Klaus Selmke ist tot

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Klaus Selmke wurde 70 Jahre alt.

(Foto: imago/Karina Hessland)

Er saß gerne barfuß auf der Bühne und gab 48 Jahre bei der DDR-Rockband City den Takt vor: Klaus Selmke. Der Schlagzeuger ist nun in einem Berliner Krankenhaus gestorben. Seine Weggefährten sind geschockt.

Klaus Selmke, Schlagzeuger der Berliner Band City, ist tot. Das bestätigte seine Band auf Facebook. "Unser Drummer Klaus Selmke ist heute um 14 Uhr verstorben", erklärte City-Sänger Toni Krahl zudem der "Bild"-Zeitung. Dem Bericht zufolge soll Selmke in einem Berliner Krankenhaus gestorben sein; seine Ehefrau sei bei ihm gewesen.

"Mit großer Bestürzung haben wir soeben vom Tod unseres lieben Kollegen und Freundes Klaus Selmke erfahren", schrieb die Band Karat bei Facebook. In Gedanken sei man bei seiner Frau, seiner Familie und den City-Mitgliedern. "Mach's gut, Klaus, du wirst fehlen." Dieter Birr, ehemals Sänger der mit City befreundeten Puhdys, sagte: "Mich hat die Nachricht natürlich total geschockt." Er selbst habe die traurige Mitteilung vom City-Gitarristen Fritz Puppel erhalten.

City zählte zu den erfolgreichsten Rockgruppen in der DDR und ist immer noch aktiv. Die Internetseite der Musiker war am Abend komplett schwarz. Auf der Facebookseite stand mit weißer Schrift auf schwarzem Untergrund: "Klaus Selmke - 21.4.1950 - 22.5.2020". Der Drummer, der gerne barfuß auf der Bühne saß, starb rund einen Monat nach seinem 70. Geburtstag.

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Die Musiker von City 2017 (v.l.): Manfred Hennig (Keyboard), Fritz Puppel (Gitarre), Georgi Gogow (Geige), Toni Krahl (Gesang) und Klaus Selmke (Schlagzeug).

(Foto: picture alliance / Jens Büttner/)

Selmke hatte City vor 48 Jahren mit Puppel im Prenzlauer Berg in Berlin gegründet. In einem Kulturhaus in Köpenick hatte im Frühjahr 1972 alles begonnen: Dort stand die City Rock Band, wie sie ursprünglich hieß, das erste Mal auf einer Bühne - und Klaus Selmke saß am Schlagzeug. Die Band sollte einen fünfstündigen Jugendtanz-Abend musikalisch untermalen. Sie spielte Songs von Santana, den Rolling Stones und Jimi Hendrix nach. Zehn Jahre später pilgerten dann schon 10.000 Fans zum Open-Air-Konzert in den Berliner Plänterwald.

Kritische Texte am Rande des Erlaubten

Die fünf Glatzköpfe, die einst mit dem Slogan "Ohne Bass und ohne Haare - mit City durch die 80er Jahre!" für sich warben, befanden sich mit ihren kritischen Texten im sozialistischen Staat oft am Rande des Erlaubten. Zwei Jahre vor dem Mauerfall thematisierten sie etwa in "Wand an Wand" und "Halb und Halb" die deutsche Teilung. Zu den größten Hits zählte das Lied "Am Fenster", das als einer der großen Klassiker des DDR-Rock gilt.

Sänger Toni Krahl war 1968 als Abiturient wegen seines Protestes gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verhaftet worden. "Wir sind momentan noch sprachlos", zitierte ihn nun die "Bild"-Zeitung. Dieter Birr sagte: "Ich wusste schon, dass Klaus krank war. Er hat sich aber immer bedeckt darüber gehalten." Dem Zeitungsbericht zufolge starb Selmke an Krebs.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/spot