Unterhaltung

Lürsen und Stedefreund in "Blut" Der Bremer "Tatort" im Schnellcheck

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Das Geheimnis der Hardings ist mindestens so düster wie ihre Wohnungseinrichtung.

(Foto: Radio Bremen/Christine Schröder)

Wird Stedefreund zum Vampir? Ist Inga Lürsen dann der weibliche Van Helsing? Und wo bestellt man eigentlich Rinderblut? Ein "Tatort", der es mit den Antworten nicht so genau nimmt, aber schockintensives Gänsehaut-Entertainment bietet.

Das Szenario

Vater und Tochter Harding haben schon bessere, vor allem hellere Tage gesehen. Nora (Lilith Stangenberg) ist blass, hat wenig Appetit und verlässt nur nachts das Haus. Papa Wolf (Cornelius Obonya) geht am Stock, ist todkrank und sorgt dafür, dass in der heimischen Bude immer schön die Vorhänge geschlossen sind. Überhaupt das Haus: Ein dunkelbrauner Trauerklotz mit Blümchentapete von 1981, durchgesessenem Sofa, von dem aus wohl schon "Klimbim" und "Percy Stuart" in der Erstausstrahlung geguckt wurden, in der Küche Tongeschirr aus der Zeit von Zauberwürfel, Bols blau und Peter Illmann - ein finsteres Haus, dessen Bewohner noch dunklere Geheimnisse in sich tragen. Eines davon liegt des nachts plötzlich tot und mit Bisswunden am Hals im Park. Als Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen) den Fall um das ermordete, übelst zugerichtete Mädchen übernehmen, dauert es ein wenig, bis sie die Spur zu den Hardings führt. Bis dahin flirtet Stedefreund mit Vampirismus, zweifelt Inga Lürsen an ihrem Verstand, hat Stedefreund am Ende gar einen Pflock in der Hand und stolpert die bleiche Nora schließlich selbst in den Tod.

Die eigentliche Botschaft

Von wem stammte noch der Spruch "Wer eine Botschaft hat, der möge Briefe schreiben"? Von Gunter Gabriel? Peter Maffay? Wie dem auch sei - Autor und Regisseur Philip Koch dürfte der Merksatz in diesem Fall aus der Seele sprechen. Mit früheren Filmen, wie etwa dem kontroversen Knast-Drama "Picco", hat der Münchner schon einiges an Tiefgang und Tragik im Portfolio, dieser "Tatort" jedoch geht vornehmlich auf einen alten Satz von Robbie Williams zurück: "Let Me Entertain You". Mission accomplished, wie es so schön heißt.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Vielleicht darüber, wie oft man am Vorabend vor Schreck von der Couch gefallen ist. Da waren schon ein paar superbe Überraschungsmomente dabei. Gekonnt gefilmt waren auch die aus dem Dunkel plötzlich nach vorn preschenden Entrées der Blutsaugerin Nora und die Alptraum-Sequenzen Stedefreunds zwischen Neonlicht und Blutpfützen.

Der Plausibilitätsfaktor

Machen wir es kurz: Fehlanzeige.

Die Bewertung

8 von 10 Punkten. "Tatort" raus, Gruselklassiker rein. Logik, Fragen nach dem Alibi, Krimikonventionen, alles nix für Philip Koch. Aber ausgesprochen kurzweilig und unterhaltsam war es.

Quelle: ntv.de