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Grusel-"Tatort" aus Frankfurt Die Akte Brix, passend zu Halloween

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Luise Befort als Merle Schlien in bester "Scream"- Manier ...

(Foto: HR/Benjamin Dernbecher)

Ein Skelett auf dem Dachboden, ein Opa mit Benzinkanister, dazu ein Fluch aus dem letzten Jahrhundert - der Frankfurter "Tatort" gönnt sich eine Auszeit von der Realität und schickt seine Kommissare in den Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit.

Man muss schon ziemlich tief im Fundus der "Tatort"-Historie stöbern, um in Sachen Übersinnliches fündig zu werden. So experimentell sich der Sonntagsklassiker in den letzten Jahren gegeben hat - mit Shakespeare-Adaptionen und Verkehrsstau-Drama, Drehbuch-Verzicht und Porno-Business - klassische Gruselthemen scheuen die Macher wie der Vampir den Knoblauch.

Dezente Ausnahmen gab es dennoch: Ulrich Tukurs Murot bekam es 2011 in "Das Dorf" mit einer an olle Edgar-Wallace-Schinken gemahnenden Dorfgemeinschaft zu tun und erhielt dafür eine Grimme-Preis-Nominierung. Die Münsteraner, ohnehin gern mit losem Händchen Zucker an willfährige Affen verteilend, mussten sich ein Jahr zuvor mit dem "Fluch der Mumie" auseinandersetzen, auch das ein zitatreicher Bilderbogen, irgendwo zwischen drei Fragezeichen und "Jäger des verlorenen Schatzes" im Hosentaschen-Format.

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Fürchtet euch! Fanny (Zazie de Paris, links) und Anna Jannecke (Margarita Broich).

(Foto: HR/Benjamin Dernbecher)

Nun also, passenderweise kurz vor Halloween, schickt Das Erste die Frankfurter Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) in den Kampf gegen die Wesen aus dem Schattenreich. "Fürchte Dich" heißt der mittlerweile sechste Fall des Duos und das Böse erwischt den guten Brix in seinen eigenen vier Wänden, als eines Nachts ein alter Mann im Nachthemd ins Haus eindringt. Otto Schlien (Axel Werner), ist aus einem Seniorenheim entwischt und will die Bude von Brix und seiner Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris) anzünden, was gerade noch verhindert werden kann. Bevor der Mann schließlich das Bewusstsein verliert, stammelt er kaum Verständliches und weist immer wieder Richtung Dachboden. Dort schließlich findet Brix ein fast zerfallenes Kinderskelett, dessen Geheimnis es aufzuklären gilt.

Autor Christian Mackrodt und Regisseur und Ko-Autor Andy Fetscher dürften einiges an alten und neueren Horrorfilmen gesehen und studiert haben, denn ihre "Haunted House"-Charade lässt so ziemlich alles von der Leine, was das Genre hergibt: Einen alten Fluch gibt es ebenso wie ein ein altes Gemäuer - das "Haus der Barmherzigkeit" - mit enstprechend düsterer Vorgeschichte. Die Nebel wallen, die Dielen knarren, es gibt alte Schaukelstühle, grausliche Flashbacks, tiefe Stimmen und hohe Schreie. Es wird gespeit, geraunt, geschrien und gestorben.

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Wenn die Nebel wallen ... Bürgermeister Gerhard (Hans Uwe Bauer).

(Foto: HR/Benjamin Dernbecher)

Das Ergebnis ist ein zweischneidiges Schwert. Den sonst mit beiden Beinen im Hier und Jetzt stehenden Kommissaren mal eben ein Gruselmärchen klassischer Prägung ins Stammbuch zu schreiben, ist per se natürlich vollends überkonstruiert, lässt bisherige Story-Entwicklungen, realistische Figuren-Hintergründe und die Welt als solches schlicht links liegen. Dennoch - hat man sich über die ersten Kopfkratz-Momente hinweggerettet, dann entwickelt der Fall eine durchaus eigene, eine unterhaltsame Energie. Es gibt eine Handvoll knalliger Schreckensmomente, der bassdröhnende Score von Steven Schwalbe und Tobias Wagner würde jedem Genre-Verwandten made in USA bestens zu Gesicht stehen, böse Blicke gibt es im Dutzend und auch die Sache mit der Schwarzwälder Kirschtorte ist angemessen eklig.

"Fürchte Dich" dürfte wieder mal ein "Tatort" werden, der sein Publikum polarisiert. Die einen schalten weg, die anderen genießen die Gänsehaut, mit der Wolldecke bis unters Kinn gezogen und zerbissener Unterlippe.

Seltsam? Aber so steht es geschrieben.

Quelle: n-tv.de

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