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Marco Ramirez' "The Defenders" Die Anti-Superhelden

Vier Einzelgänger müssen einsehen, dass die Welt nur im Team gerettet werden kann: Marvels "The Defenders" ist das unpädagogischste Charakterlehrstück auf dem Serienmarkt. Mit n-tv.de hat Showrunner Marco Ramirez über seine Liebe zu den bockigen Helden gesprochen und darüber, was die Gruppe von den berühmten Avengers unterscheidet.

n-tv.de: "The Defenders" ist nicht die erste Gruppe Superhelden, die Marvel ins Rennen schickt. Um einen Vergleich mit den Avengers kommt man kaum herum. Worin unterscheiden sich die beiden Teams?

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Serien-Macher und Fan: Marco Ramirez hat erst für "Daredevil" gearbeitet und ist jetzt für "The Defenders" verantwortlich.

(Foto: Eric Charbonneau)

Marco Ramirez: Die Avengers haben ein Hauptquartier, ein ganzes Gebäude. Sie haben finanzielle Rückendeckung, die die Defenders nicht haben. Das ist der Hauptunterschied - und auch ein Grund, wieso "The Defenders" so viel Spaß macht. Es gibt keinen Tony Stark (Iron Man; Anm. d. Red.). Es gibt keine speziellen Anzüge, keine Düsenantriebe.

Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist sind tatsächlich nicht so auf Hochglanz poliert. Und sie sind alle sehr unterschiedliche und vor allem unabhängige Charaktere. Wie haben Sie aus ihnen ein Team geformt?

Auf eine Art habe ich es ihnen selbst überlassen. Die Figuren haben entschieden, wie und wann das passiert. Sie sind alle so stark, sie hätten nie in Erwägung gezogen, Teil eines Super-Teams zu werden. Sie haben in der Vergangenheit nie um Hilfe gebeten oder überhaupt welche gewollt. Es hat Spaß gemacht, diese widerwilligen Charaktere gemeinsam an einen Tisch zu setzen und sie realisieren zu lassen: "Wir würden das alle gern allein lösen. Aber wir müssen das tatsächlich zusammen durchziehen. Hierfür brauchen wir Freunde!"

Sie mussten vier Charakteren gleichermaßen gerecht werden. Vor "The Defenders" haben Sie an "Daredevil" gearbeitet. Ist es da nicht schwer, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen?

*Datenschutz

Es ist schon schwer, nicht immer zuerst an Daredevil zu denken. Gleichzeitig konnte ich mit der zweiten Staffel "Daredevil" schon mal für "The Defenders" üben. Daredevil trifft darin auf Elektra und Frank Castle. Daher hatte ich schon Erfahrung damit, wie es ist, wenn mehrere wichtige Figuren gleichzeitig vorkommen - das ist besonders bei den Kampfszenen wichtig.

Sie haben mit der Arbeit an "The Defenders" begonnen, bevor "Luke Cage" und "The Iron Fist" erschienen sind. Da ist es doch sicherlich schwierig, die Handlung zu entwickeln ...

Ich glaube, die Dreharbeiten zu "Luke Cage" hatten schon begonnen, als es bei uns mit dem Schreibprozess losging. Aber "The Iron Fist" war noch weit vom Drehstart entfernt. Es gab vermutlich ein paar Konzepte, aber wir wussten nicht, was genau in der Serie passieren würde. Da war es hilfreich, dass alle Formate im gleichen Gebäude geschrieben werden. Ich konnte zum Beispiel einfach zu Cheo Coker, dem Macher von "Luke Cage", rüberlaufen und sagen: "Hey, kannst du mir sagen, wie sich Luke Cage in dieser Situation verhalten würde?"

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie und die Macher der anderen Serien manchmal unterschiedliche Visionen für Ihre Figuren hatten. Gab es da Konflikte?

Tatsächlich gar nicht. Mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht. Melissa Rosenberg (Macherin von "Jessica Jones"; Anm. d. Red.) kannte ich schon vorher. Sie war so nett zu mir, als feststand, dass ich "The Defenders" schreiben würde. Cheo Coker ist ein guter Kumpel geworden. Ich wünschte, es gäbe eine coole, dramatische Story. Aber ich glaube, schon anhand der ersten Konzepte, der ersten Skripte konnten die Kollegen erkennen: "Oh, dieser Typ liebt meine Figur!" Ich habe vielleicht nicht zwei Staffeln von "Luke Cage" geschrieben, aber ich liebe ihn trotzdem. Ich liebe Jessica Jones und ich liebe Danny Rand (The Iron Fist; Anm. d. Red.).

Mit Marco Ramirez sprach Anna Meinecke.

"The Defenders" ist ab dem 18. August abrufbar über Netflix.

Quelle: n-tv.de

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