Unterhaltung

Antisemitismuslüge bis TotschlagDie lange Gerichtsakte der Dschungelcamper

22.01.2026, 13:28 Uhr
00:00 / 07:45
FotoJet (8)
Gina-Lisa Lohfink, Gil Ofarim, Melanie Müller und Günther Kaufmann (v.l.) mussten sich alle vor Gericht verantworten. (Foto: picture alliance / Collage ntv.de)

Mit Gil Ofarim zieht ein Promi ins RTL-Dschungelcamp, hinter dem ein aufsehenerregender Gerichtsprozess liegt. Er ist allerdings nicht der erste Teilnehmer, der Ärger mit der Justiz hatte.

Am Freitag erschallt wieder der Ruf "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" durch den australischen Busch. Einer der diesjährigen Teilnehmer steht bereits vor dem offiziellen Start der 19. Staffel des RTL-Dschungelcamps im Fokus der Öffentlichkeit: Sänger Gil Ofarim. Seine Antisemitismuslüge wollen ihm viele Zuschauerinnen und Zuschauer nicht vergeben. Auch einige Dschungelcamper äußerten sich kritisch zu seiner Teilnahme.

Ofarim möchte "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" für einen Neuanfang nutzen. "Ich kann nicht in die Vergangenheit gehen und Dinge ungeschehen machen (...). Was ich nur machen kann, ist aufstehen und von vorne anfangen", erklärte er vorab in einem RTL-Interview. Er hoffe, dass die Zuschauer "dann selbst entscheiden", so der Musiker.

Ofarim ist nicht der erste Dschungelcamper, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. In der Vergangenheit machte sogar schon eine wegen Totschlags verurteilte Schauspielerin bei der Sendung mit - und wurde Dschungelkönigin. Wir blicken mal zurück.

Einreiseprobleme wegen Vorstrafen

Der jüdische Ofarim hatte im Oktober 2021 ein viel beachtetes Video in den sozialen Medien geteilt, in dem er einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels beschuldigte, sich ihm gegenüber antisemitisch verhalten zu haben. Der Mann habe ihn aufgefordert, seine Kette mit Davidstern verschwinden zu lassen, damit er einchecken könne. Ofarim erstattete Anzeige. Der Hotelmitarbeiter bestritt die Vorwürfe jedoch vehement und zeigte den Musiker wegen Verleumdung an. Im November 2023 begann der Prozess, in dem Ofarim schließlich zugab, gelogen zu haben. Das Landgericht Leipzig stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage von 10.000 Euro ein. Der Musiker ist nicht vorbestraft.

Im Gegensatz zu einem eigentlich bereits gesetzten Dschungelcamper, der dann aber an den strengen Einreiseregularien in Australien scheiterte. Schauspieler Martin Semmelrogge durfte 2023 nämlich wegen seiner Vorstrafen gar nicht erst einreisen und war bereits raus, bevor irgendwer "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" sagen konnte. Der TV-Star war unter anderem wegen Verkehrsdelikten, Urkundenfälschung, Drogenbesitz und Diebstahl verurteilt worden. Ersatzkandidatin Djamila Rowe kam zum Zuge und wurde prompt zur Dschungelkönigin gekrönt.

Der 2017 verstorbene Sänger Gunter Gabriel schaffte es 2016 trotz umfangreichem Vorstrafen-Register ins Dschungelcamp. Mehr als 20 Mal wurde er verurteilt, unter anderem wegen Körperverletzung, Betrug und Beamtenbeleidigung.

Mallorca-Auswanderer Jens Büchner, der 2017 ein Jahr vor seinem Tod dabei war, brachte aus seiner Zeit als Versicherungsvertreter eine sechsmonatige Freiheitsstrafe wegen Anlagebetrugs mit, die 2014 zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurde.

Totschlag und Erpressung mit Todesfolge

2009 saßen in der vierten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" gleich zwei verurteilte Schauspieler gemeinsam am Lagerfeuer. Ingrid van Bergen war wegen Totschlags an ihrem Lebensgefährten zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. In der Nacht auf den 3. Februar 1977 hatte sie den Finanzmakler Klaus Knaths unter Alkoholeinfluss erschossen. Wegen guter Führung wurde sie nach rund fünf Jahren Haft vorzeitig entlassen. Im Dschungel konnte sich die 2025 verstorbene van Bergen rehabilitieren und sogar die Dschungelkrone holen.

Ingrid-van-Bergen-vor-der-Urteilsverkuendung-Die-Schauspielerin-muss-sich-vor-dem-Muenchener-Schwurgericht-II-fuer-den-Tod-ihres-Geliebten-Klaus-Knaths-verantworten-Sie-hatte-in-der-Nacht-zum-03-02-1977-den-33jaehrigen-Finanzmakler-mit-zwei-Schuessen-toedlich-verletzt-Am-27-07-1977-wurde-sie-wegen-Todschlags-zu-sieben-Jahren-Freiheitsstrafe-verurteilt
Ingrid van Bergen 1977 vor der Urteilsverkündung. (Foto: picture-alliance / Istvan Bajzat)

Ihr Schauspielkollege Günther Kaufmann wurde 2002 nach dem Tod seines Steuerberaters wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach Aufdeckung der wahren Täter widerrief er sein Geständnis und wurde 2005 freigesprochen. Er musste aber erneut vor Gericht, weil er durch seine Falschaussage zwei unschuldige Männer belastet hatte. Er wurde schließlich wegen Freiheitsberaubung verurteilt und gestand später, dass das ursprüngliche Geständnis ein Fehler war, er wollte seine schwer kranke Frau decken, die drei Männer zu der Tat angestiftet hatte.

Gerichtsärger nach dem Dschungel

Einige Dschungelcamper bekamen erst nach ihrer Teilnahme an der RTL-Show Ärger mit dem Gesetz. So wie die noch amtierende Dschungelkönigin Lilly Becker. Nach ihrem Dschungelsieg 2025 musste sich die 49-Jährige vor Gericht wegen Geldzahlungen verantworten, die sie als Schenkungen bezeichnete. Die Gegenseite, ein ehemaliger Freund von Becker, sprach hingegen von einem Darlehen, das er zurückforderte. Das Münchner Landgericht verurteilte Becker zur Rückzahlung, sie geht gegen das Urteil vor, hat Berufung eingelegt.

Auch die Dschungelkönigin von 2014, Melanie Müller, sorgte für juristisches Aufsehen. Die Schlagersängerin und frühere Porno-Darstellerin ist wegen Hitlergruß-Vorwürfen und des Besitzes von Drogen aktuell gerade auch in zweiter Instanz verurteilt worden. Das Gericht verurteilte die 37-Jährige wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen sowie wegen Drogenbesitzes zu einer Gesamtstrafe von 70 Tagessätzen à 50 Euro - insgesamt 3500 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen 90 Tagessätze à 80 Euro und somit summa summarum 7200 Euro gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bei der ehemaligen "Germany's next Topmodel"-Kandidatin Gina-Lisa Lohfink ging nach dem Dschungel 2017 direkt ein Prozess in die nächste Runde. Nach ihrer Verurteilung im August 2016 wegen falscher Vergewaltigungsverdächtigung und einer Geldstrafe von 20.000 Euro war sie in Revision gegangen. Das Kammergericht in Berlin bestätigte im Februar 2017 den Schuldspruch.

Ex-Torhüter Eike Immel zog 2008 ins Dschungelcamp ein. 17 Jahre später wurde er im August 2025 wegen Betrugs in 107 Fällen zu einer Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Das Urteil ficht er an.

Für die aktuellen "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!"-Promis gilt ab Freitag nun aber erst einmal das Gesetz des Dschungels. Dann startet nämlich um 20.15 Uhr die 19. Dschungelcamp-Staffel bei RTL und auf RTL+ im Livestream.

Quelle: ntv.de, csp/spot

RTLplusRTLProzesseDschungelcampTVReality-TV