Dschungelcamp - Tag 2"Das Volk gegen Gil Ofarim"
Von Verena Maria Dittrich
Ariel schwingt sich selbst zur moralischen Instanz des Camps auf, Ofarim hüllt sich weiter in nebulöse Sätze und Eva gibt Fehler zu. Es ist erst Tag 2 im Dschungel, doch die Camper glühen bereits ordentlich vor und packen schon jetzt die traurigsten Geschichten aus. Was erzählen sie an Tag 10? Leute, verschießt nicht gleich all eure Munition!
"Ich muss auch Rechnungen bezahlen", sagt "Gil Schweiger", und können wir an dieser Stelle bitte gleich mal festhalten, dass all die Andeutungen und Halbsätze von Ofarim immer mysteriöser werden? Das ist alles weder Fleisch noch Fisch. Aber von vorn.
Dieser Satz steht am Anfang eines Abends, an dem persönliche Schicksalsschläge schneller auf dem Tisch liegen als Reis und Bohnen. Denn schon an Tag zwei werden im Dschungel die schweren Geschichten ausgepackt. Richtige Kaliber sind darunter, wie etwa die Panikattacken von Mirja du Mont, diverse zerbrochene Beziehungen und die Beichte über zu viel Suff, den der einstige "Pegeltrinker" Hardy Krüger jr. in einer Suchtklinik behandeln musste.
Unsere Ariel hat sich jedoch ratzfatz und erstaunlich mühelos selbst zur moralischen Instanz des Camps hochgeschwungen. Eine Rolle, die sie mit bemerkenswert wenig Zweifel ausfüllt. Eva Benetatou gegenüber tritt sie auf, als hätte sie den Generalschlüssel zur Wahrheit in der Hosentasche, spricht von Widerlichkeit und zu wenig Einsicht. Eva wiederum, die fast schon verzweifelt versucht, "mehr zu sein als diese eine Geschichte", wehrt sich dagegen, von der 22-Jährigen so in die Mangel genommen zu werden.
Und ja, man darf das ruhig einmal festhalten: Eine Frau, die mit einem verheirateten Mann schläft, zerstört keine Ehe. Ehen gehen kaputt, weil sie vorher schon Risse hatten. Tatsächlich ist Benetatou nicht die einzige Frau, mit der Serkan seine Ex-Frau Samira betrogen hat. Und sie räumt mehrfach ein, Fehler gemacht zu haben.
Blind für die eigene Inszenierung
Ariel, aufgewachsen mit Instagram und schon weit entfernt von Natürlichkeit, erklärt derweil anderen gerne die Welt und vergibt "Chancen". Das wäre alles nur halb so unangenehm, wenn sie nicht gleichzeitig so auffällig blind für die eigene Inszenierung wäre. Während sich hier moralische Fronten verhärten, läuft der Camp-Alltag unbeirrt weiter.
Nebenbei spült Patrick Romer Geschirr und sein Image gleich mit. Er erzählt Eva, dass ihm immer nachgesagt werde, er mache Frauen klein, dabei wolle er doch eigentlich nur "eine Powerfrau", am liebsten Helene Fischer. Um Gottes willen, bei diesem Gedanken rauscht man ja gleich atemlos durch die Nacht!
Dann erzählt er von seiner Ex-Freundin Antonia, von ihrer zu "offensiven Liebe" und wie sehr sie ständig um ihn gebuhlt habe. Auch von ihrer "Übergriffigkeit" spricht er. Hat er wirklich dieses Wort benutzt? Ja, hat er. Irgendwann sei die ganze Chose dann "eskaliert" und na ja: "Wir haben einfach nicht zusammengepasst." Und Eva? Die hat ganz offensichtlich sehr viele Fragezeichen im Kopf.
Doch schnell geht der Fokus zurück zu dem Mann, um den sich ohnehin alles dreht: Gil Ofarim, der nichts sagen darf oder nichts sagen kann, je nachdem, wen man fragt.
"Reden kann man viel"
Auch bei dem gefallenen 43-jährigen Musiker lässt Moral-Trainerin Ariel nicht locker, hakt und bohrt immer wieder nach. Und sie hat durchaus einen Punkt, wenn sie von einer Opferrolle und fehlender Aufklärung spricht. Denn "ganz Deutschland" wünsche sich endlich mal eine Erklärung. Das Argument der Verschwiegenheitserklärung hält sie für gelogen. Tatsächlich aber bestätigen nicht nur Ofarims Manager, sondern auch sein Anwalt, dass dem nicht so ist.
Schließlich fragt Gil, der wie Eva nicht "auf eine Geschichte" reduziert werden möchte: "Ja Mäusele, wie alt bist du eigentlich?" Okay, die "Mäusele"-Nummer ist daneben. Gut, dass sie ihm das auch direkt so sagt. Gegenüber Mirja meint Ariel schließlich: "Der ist hier, weil er Geld braucht. Da denke ich mir, du chillst gerade deine Eier, damit du dein Geld nimmst, nach Hause gehst und keinen Menschen, der das hier guckt, aufklärst, was du für eine Scheiße gebaut hast."
Wenn Gil spricht, dann von seinen Kindern, davon, dass er nur noch für sie da sei, dass er alles verloren und gesoffen habe "wie ein Loch". Es ist dieses gefühlt permanente Ich, ich, ich. Und genau an diesem Punkt beginnt die Ungeduld.
Das alles ist, man kann es nicht anders sagen, für "ganz Deutschland" nicht nur unbefriedigend, sondern auch ziemlich unerquicklich. Am liebsten würde man ihm sagen: "Hör mal zu, Keule, du musst ja nicht ins Detail gehen, wenn du nicht darfst, aber dieses rätselhafte Geraune macht es nur schlimmer! Die Leute wachen nicht morgens auf und haben keine Fragen mehr, bloß weil du dich im Camp in nebulöse Sätze hüllst!"
Oder wie Umut sagen würde: Hä? Der 28-Jährige findet, es wäre schön, wenn man bei Ofarim so etwas wie Reue wahrnehmen würde. Denn: "Reden kann man viel, Taten müssen bewiesen werden." Doch der Musiker beharrt darauf, dass vieles rund um seine Person durch "Clickbait und Auflagen" beeinflusst sei. Und währenddessen dreht sich das emotionale Karussell im Camp weiter.
Seitensprünge und geschwollene Hälse
Ein bisschen fragt man sich, wieso die Camper schon so früh vorglühen und die traurigsten Geschichten auspacken. Das alles hat schon ein bisschen was von Selbsthilfegruppe, aber wir alle wissen: Der Dschungel saugt einen auf, den einen früher, den anderen später. Wer so eng beieinander hockt, vergisst schnell die Kameras.
Und so erzählt auch Samira unter Tränen, wie traurig sie sei, dass ihr Ex-Mann Serkan so viele Seitensprünge gehabt habe: "Rückblickend tut das extrem weh, dass man nicht ausgereicht hat, zu gar keinem Zeitpunkt".
Doch die Realität des Formats holt alle schnell wieder ein. Tag 2 ist nämlich auch der Tag, an dem die getrennten Camper wieder aufeinandertreffen. Eva umarmt Samira, und natürlich ist es verständlich, dass diese sich dabei nicht ganz wohlfühlt. Aber ehe die beiden später miteinander reden wollen, ist schon wieder Ariel zur Stelle und träufelt Samira ins Ohr, wie sie sich Eva zur Brust genommen habe. Heraus kommen, wie das bei der Insta-Generation oft der Fall ist, jede Menge Verknappungen, die man sehr schnell in den falschen Hals kriegen kann.
Apropos Hals: Der schwillt bei der Dschungelprüfung nicht nur den Moderatoren. Hubert und Ariel erwartet eine stinkende Urwald-Müllhalde. Die beiden müssen auf der Suche nach den Sternen unter Tage. Und da kreucht und fleucht natürlich alles, was der Dschungel so hergibt. Das Schweizer Schnabelschnütchen brüllt ob der Krabbeltiere, die sie umschwirren, ohne Unterlass. Teamwork? Unmöglich. Hubert hat keine Chance. Sie klammert sich nur an die Leiter und schreit wie am Spieß. Macht am Ende: null von zwölf Sternen.
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