Unterhaltung

Rotwein, Baguette und Fahrrad Ex-"Tatort"-Kommissar Jochen Senf ist tot

100826913.jpg

Jochen Senf starb in der Nacht zum Sonntag in Berlin.

(Foto: dpa)

Als Kommissar Max Palu aus dem Saarbrücker Tatort wird Jochen Senf wohl in Erinnerung bleiben - immerhin spielt er die Rolle des schrulligen Ermittlers ganze 17 Jahre lang. Jetzt ist Jochen Senf im Alter von 76 Jahren gestorben.

Er kochte gerne, trank gerne Rotwein und nahm sein Rennrad auch mit ins Büro: Jochen Senf ging 17 Jahre lang als "Tatort"-Kommissar Max Palu im Saarland auf Verbrecherjagd. 18 Folgen drehte er in dem kleinen Bundesland an der Grenze zu Frankreich. Nun ist der Schauspieler nach Angaben seines Bruders Gerhard im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben.

"Salü Palu" hieß Senfs erste "Tatort"-Folge am 24. Januar 1985 - es ging um Mädchenhandel und Prostitution im Grenzgebiet. Der glatzköpfige Max Palu (gesprochen: Palü) war unter den ARD-Kommissaren eine echte Type. Auch privat war Senf ein Gourmet und radelte gerne. "Ich spiele den Kommissar so, wie ich selbst bin", sagte er, als er mit 45 Jahren mit dem "Tatort" anfing. Palu war seine erste große Fernsehrolle. "Ich weiß nicht mal, wie man eine Pistole hält", gestand er vor den Dreharbeiten.

Doch Jochen Senf war nicht nur der Kommissar, er hatte auch andere Seiten und Rollen. So war er Hörspieldramaturg und Krimiautor, gründete ein Kinder- und Jugendtheater, spielte Theater, führte Regie und war in Kinoproduktionen zu sehen, etwa 2015 in "Unser letzter Sommer". Zudem engagierte sich Senf für Terre des Femmes als Schirmherr einer Kampagne gegen häusliche Gewalt gegen Frauen.

Das Saarland war lange seine Heimat. Als Kind kam der gebürtige Frankfurter nach Saarbrücken. Sein Vater Paul war in den 50er Jahren parteiloser Minister im Landeskabinett von Johannes Hoffmann. In Saarbrücken studierte Senf Germanistik und Romanistik und besuchte die Schauspielschule.

"Zuverlässig, engagiert und kumpelig"

Das Aus als "Tatort"-Kommissar kam 2005 - lange, bevor der große Hype und die Krimiflut im Fernsehen einsetzten. Danach wurde es ruhiger um Senf, der zwei Kinder hinterlässt. "Heiraten ist für mich nicht wichtig, eine Ehe reicht. Der einzige Grund zum Heiraten sind Kinder", sagte er einmal der "Berliner Morgenpost". Die "Süddeutsche Zeitung" fand, im Umgang mit Menschen sei Senf wie sein Palu: "auf eine manchmal nicht unbedingt diplomatische Weise ehrlich, dafür zuverlässig, engagiert und kumpelig."

Einige Jahre war der Schauspieler mit Margret Lafontaine, der Ex-Frau des einstigen saarländischen Ministerpräsidenten, zusammen. Zuletzt lebte Senf in Berlin, wo er vor einigen Jahren in der Komödie am Kurfürstendamm zu sehen war. Vor zwei Jahren hatte ihn die "Bild"-Zeitung in einem Pflegeheim besucht und mit den Worten zitiert "Es geht mir scheiße". Über seine Krankheit wollte er damals nichts Genaueres verraten, doch das Laufen falle ihm schwer.

Der Saarländische Rundfunk, sein langjähriger Heimatsender, würdigte Senf unter anderem in einem Tweet: "Rotwein, Baguette und Fahrrad: 17 Jahre lang verkörperte Jochen Senf den 'schrulligen' Tatort-Kommissar Max Palu. Au revoir!"

Quelle: ntv.de, Caroline Bock, dpa