Unterhaltung

Lindholm-"Tatort" Flop Gun

1_Tatort_Spielverderber.jpg

Finden sich gut: Oberst Friedrichs und Charlotte Lindholm

(Foto: NDR/Frederic Batier)

Ein Eifersuchtsdrama auf einer Luftwaffenbasis? Wer da misstrauisch eine Augenbraue hebt, liegt goldrichtig. Nicht mal ein herzlos in der Leichenhalle rumliegender Kai Diekmann kann diesen Fall retten.

6_Tatort_Spielverderber.jpg

Spielt seine Rolle sehr überzeugend: Kai Diekmann (im Hintergrund)

(Foto: NDR/Frederic Batier)

So ein Fliegerhorst hat ja schon etwas Wildromantisches: durchtrainierte Typen in schicken Uniformen, die für Gott und Vaterland auf ihren Höllenmaschinen durchs Feindesland reiten und feurige Blicke durch die Gegend werfen - als Frau kann man da ja fast gar nicht anders, als umgehend schwach zu werden. "Ich liebe es, wenn die Maschinen nachts hier runterdonnern, mit Höllenlärm, die Erde bebt. Dafür lebe ich", schnurrt dann auch noch der kernige Oberst - und um die sonst so eisenharte Charlotte Lindholm ist es geschehen.

Klingt kitschig? Ist es auch - und das passt ja nun irgendwie so gar nicht zu den Fällen, in denen die toughe Lindholm (Maria Furtwängler) sonst so ermittelt. Aber "Spielverderber" ist eben nicht wie die anderen Fälle - sondern all das, was ein "Tatort" eigentlich nicht sein will: vorhersehbar, klischeebeladen und unglaublich langatmig.

"Somewhere over the rainbow", ein Rekrutierungssong?

Die Geschichte geht so: Eine junge Fliegergattin wird auf dem Dachboden ihres einsamen Hauses fernab der Zivilisation erschlagen aufgefunden. Vor ihrem abrupten Ende hatte sich die Tote allerdings durch die halbe Kaserne gevögelt, weshalb der gewalttätige Ehemann auch dringend tatverdächtig ist. "Spielverderber" ist also ein klassisches Eifersuchtsdrama, das enervierend fad vor sich hin plätschert.

Die Bundeswehr selbst darf dabei lediglich als Kulisse herhalten: Zwar fallen von Bankrottarmee bis zu Einsatzorten wie Mali oder Afghanistan immer mal wieder die in dem Zusammenhang erwartbaren Schlagworte - viel wichtiger ist es der NDR-Episode allerdings, Klischees zu bedienen, weswegen natürlich fast alle Piloten Pilotenbrillen tragen und immer eine ordentliche Prise Pathos in ihre Sätze rühren. Beispiel gefällig? Gerne doch: "Sie kennen doch den Song 'Somewhere over the rainbow'. Da wollte ich immer hin, somewhere over the rainbow. Deshalb bin ich zur Luftwaffe gegangen."

Es ist, als hätte Hartmut Schoen, Drehbuchschreiber und Regisseur in Personalunion, diesen "Tatort" nach einer Überdosis "Top Gun" zu Papier und auf die Leinwand gebracht. Nur eben in schlecht. Daran kann selbst Kai Diekmann nichts ändern, der irgendwann im Verlauf der Story als ausgeweidete Leiche in der Pathologie liegt. Ohne Herz, wie witzig. Immerhin: Wer tatsächlich 90 Minuten durchhält, wird mit einem Twist belohnt, der nicht nur überraschend kommt, sondern auch noch unglaublich trashig produziert ist - und das ist dann schon fast wieder gut.

Quelle: ntv.de