Unterhaltung

Fragen im Johnny-Depp-Prozess Geschworene bitten Richterin um Hilfe

1823f5c0c560942e0c651170a905507a.jpg

Waren 15 Monate verheiratet: Johnny Depp und Amber Heard.

(Foto: imago images/Future Image International)

Eine siebenköpfige Jury entscheidet derzeit über den Ausgang des Verleumdungsprozesses zwischen Johnny Depp und Amber Heard. Für ihre Beratung haben die Geschworenen von der Richterin einen Fragebogen erhalten, den es zu berücksichtigen gilt. Doch der sorgt offenbar für Verwirrung.

Nach sieben langen Wochen im Verleumdungsprozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard haben sich die sieben Geschworenen für ihre Urteilsverkündung zurückgezogen. Doch ganz so leicht ist das offenbar nicht. Wie mehrere US-Medien berichten, kehrten die Geschworenen am Dienstag zum Gericht zurück, weil sie den Anweisungen von Richterin Penney Azcarate nicht ganz folgen konnten.

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein Kommentar von Heard für die "Washington Post" aus dem Jahr 2018 mit dem Titel: "Ich habe mich gegen sexuelle Gewalt ausgesprochen - und mich dem Zorn unserer Kultur gestellt." Die 36-Jährige bezeichnet sich darin als Opfer häuslicher Gewalt. Obwohl sie Depps Namen nicht explizit nennt, verklagte Depp seine Ex-Frau daraufhin auf 50 Millionen Dollar. Er behauptet, der Beitrag habe seine Karriere und seinen Ruf ruiniert.

Von der Richterin haben die Geschworenen einen "besonderen Urteilsbogen" mit 42 Fragen erhalten, die sie für ihr Urteil berücksichtigen sollen. Eine Frage zu Heards Kommentar sorgte aber offenbar für Verwirrung. Medienberichten zufolge seien sich die Geschworenen nicht sicher gewesen, was genau sie prüfen sollten: ob nur die Überschrift oder der gesamte Artikel verleumderisch sei. Bei einem gemeinsamen Treffen habe Richterin Azcarate ihnen dann mitgeteilt, dass sie für besagte Frage nur die Überschrift berücksichtigen sollten "und nicht den gesamten Kommentar". Dafür gehen andere Fragen im Bogen näher auf weitere Details in Heards Meinungsbeitrag ein. Von den insgesamt 42 Fragen beziehen sich 24 auf Depps Klage, die restlichen 18 auf Heards Gegenklage.

Darum geht es in dem Fragebogen

Der "Daily Mail" zufolge, die das Gerichtsdokument eingesehen haben will, haben die Geschworenen eine riesige Menge an Details zu berücksichtigen. Das zehnseitige Formular deckt demnach eine Reihe von Fragen ab, hauptsächlich zu den Einzelheiten der Verleumdungsvorwürfe, aber auch zur Höhe der Entschädigung, die an die siegende Partei ausgezahlt werden soll. Die ersten Seiten beziehen sich auf Depps Vorwürfe gegen Heard, auch die Eingangsfrage konzentriert sich auf die Überschrift des Kommentars. Die Geschworenen sollen darin entscheiden, ob Depp alle Elemente seiner Verleumdungsvorwürfe bewiesen hat.

Wird die Frage mit "Ja" beantwortet, gehen sieben weitere Fragen auf die Details dieser Ansicht ein. So müssen die Geschworenen angeben, ob sie glauben, dass die Verleumdung von Heards Seite beabsichtigt war. Es wird auch gefragt, ob Depp "tatsächliche Bosheit" bewiesen hat. Dabei handelt es sich um einen US-amerikanischen Rechtsbegriff, der besagt, dass eine Aussage unter bewusster und rücksichtsloser Missachtung der Wahrheit gemacht wurde.

Eine anschließende Reihe von Fragen fordert die Geschworenen auf, über den vielleicht wichtigsten Satz in Heards Kommentar nachzudenken. Darin heißt es, dass Heard, als sie ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt "vor zwei Jahren" öffentlich machte, "die volle Wucht des Zorns unserer Kultur auf Frauen, die sich zu Wort melden", gespürt habe. Depps Anwälte haben argumentiert, dass sich aus dem Satz auch ohne die Nennung seines Namens schlussfolgern lasse, dass er auf Johnny Depp abziele. Die Geschworenen sollen angeben, ob bewiesen werden kann, dass der Satz diffamierend ist, und wenn ja, warum.

Urteil wird diese Woche erwartet

Weiter sollen die Geschworenen laut "Daily Mail" beantworten, ob die Behauptungen von Depps Scheidungsanwalt Adam Waldman, auf die Heards Gegenklage abzielt, in Depps Auftrag getätigt wurden. Waldman hatte in mehreren Statements unter anderem gesagt, Heard habe "falsche" Anschuldigungen gegen den Hollywood-Star erhoben. Depp streitet ab, dass sein Anwalt auf seine Anweisungen hin handelte. Sollten die Geschworenen dies anders sehen, müssen sie tiefergehende Fragen beantworten, darunter auch, ob die Äußerungen mit "tatsächlicher Bosheit" erfolgt seien.

Wie lange die Geschworenen beraten werden, ist unklar. Ein Urteil wird jedoch noch diese Woche erwartet. Johnny Depp und Amber Heard begannen ihre Beziehung Ende 2011. Kennengelernt hatten sie sich zuvor am Set von "The Rum Diary". 2015 heirateten die Hollywood-Stars, die Ehe hielt aber nur 15 Monate. Einen Verleumdungsprozess gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien hat der Schauspieler 2020 verloren. Das Blatt hatte Depp in einem Artikel als "Ehefrauenschläger" bezeichnet.

Quelle: ntv.de, lpe

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen