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Erste Sponsoren springen ab Hallo Echo?? Hallo??

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Jeannine Michaelsen ist vorbereitet.

(Foto: dpa)

Jetzt geht's ans Eingemachte: Der erste Sponsor des Echo ist abgesprungen, andere stehen in den Startlöchern. Und die Frage danach, warum sich Preisträger wie Helene Fischer, Mark Forster und andere Echo-Gäste noch nicht geäußert haben, wird unüberhörbar.

Keine gute Zeit für den Echo: Nun ist mit dem Safthersteller Voelkel der erste Sponsor für die Veranstaltung abgesprungen. Der Antisemitismus-Skandal rund um den Echo 2018 hat die deutsche Musikpreisverleihung in eine Krise gestürzt. Nachdem Stars wie Marius Müller-Westernhagen aus Protest ihre Trophäen zurückgegeben haben, ist nun auch der erste Sponsor des Events abgesprungen. Die Naturkostsafterei Voelkel wird in Zukunft nicht mehr involviert sein. In einem Statement teilte das Unternehmen mit: "Nach der Preisvergabe des Echos an das Rapper-Duo Kollegah und Farid Bang, das in einem prämierten Song auf beschämende Weise Vergleiche zu Opfern des Holocausts zieht, stellt das Unternehmen das Sponsoring der Veranstaltung ein."

"Schmerzhafte Grenzüberschreitung"

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Ja, ist blöd, wie gewonnen so verronnen, aber kann man sich denn echt freuen über einen Preis unter diesen schlechten Sternen?

(Foto: imago/APress)

Man distanziere sich so von den künstlerischen Inhalten der umstrittenen Preisträger ebenso wie vom Prozedere der Preisvergabe. Es folgen harte Worte: "Auch wenn die antisemitische Provokation nach Aussagen der Künstler als solche nicht gemeint sei und nur als Stilmittel zur Erzeugung effizienter Battle-Rap Zeilen zum Einsatz kam, wurde aus künstlerischer Freiheit und schlichter Geschmacklosigkeit hier eine schmerzhafte Grenzüberschreitung."

Man befürworte allerdings die vom Bundesverband der deutschen Musikindustrie angekündigten Neuerungen, was die Vergabe des Echos anbelangt. Unions-Fraktionschef Kauder kritisierte im Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung" die deutsche Musikindustrie scharf. "Schon die Echo-Preisverleihung an diese Rapper war eine unfassbare Fehlentscheidung, die jede historische Sensibilität vermissen ließ. Angesichts des wachsenden Antisemitismus hätte der Preis nie an Künstler gehen dürfen, die mit dem Holocaust in ihren Texten spielen und offensichtlich auch völlig uneinsichtig sind." Kauder sagte: "Man sollte diesen Preis abschaffen."

Die Plattenfirma BMG stellte sich jedoch hinter das umstrittene Album: '"Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht", teilte die Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann in Berlin mit.

Weitere große Sponsoren der Veranstaltung sind die Biermarke Köstritzer, Autohersteller Škoda und Amazon Music. Köstritzer-Chef Stefan Didt sagte der "Bild"-Zeitung: "Von jeglichen antisemitischen Äußerungen distanzieren wir uns ganz deutlich. Wir begrüßen sehr, dass die Veranstalter die Preisverleihung überarbeiten werden." Škoda verfährt ähnlich: "Sollte uns das Ergebnis nicht überzeugen, werden wir den bestehenden Vertrag auf jeden Fall nicht fortführen", wird ein Sprecher zitiert.

Mark? Helene?

Auch die Stimmen werden lauter, die danach fragen, was sich die jüngere Riege der Echo-Ausgezeichneten momentan für Gedanken macht. Der langjährige Musikmoderator Peter Illmann ("Formel Eins") zum Beispiel. Er zeigte sich über die Auszeichnung für Kollegah und Farid Bang "entsetzt". Er hätte den Preis den Musikern vor die Füße geworfen, so Illmann. "Ich fordere auch die jüngeren Künstler wie Helene Fischer oder Mark Forster auf, sich wie Maffay und Westernhagen von Texten, die Gewalt verherrlichen oder antisemitisch sind, zu distanzieren." Illmann rief zudem dazu auf, das umstrittene Album zu boykottieren.

Ja, warum äußert sich nur die Riege der "Älteren" - warum schaffen es nur Typen wie Udo Lindenberg, Peter Maffay, Campino, Westernhagen und Co. konkret zu werden? Wann hören wir etwas von Mark Forster, Helene Fischer, Wincent Weiss, Robin Schulz und den anderen Preisträgern - und Gästen - des diesjährigen Echos? Es wird Frühling in Deutschland - aber die Atmosphäre bleibt unangenehm fröstelig, solange nicht mehr an einem Strang gezogen wird, am Strang der Solidarität.

Quelle: n-tv.de, soe/spot/dpa

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