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Gericht beendet Beweisaufnahme Heard berichtet von Morddrohungen gegen ihr Baby

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Amber Heard trat ein letztes Mal in den Zeugenstand.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Am Freitag ziehen sich die Geschworenen des Verleumdungsprozesses von Johnny Depp und Amber Heard für ihre Beratungen zurück. Vorher hören sie die letzten Zeugenaussagen. Auch die "Aquaman"-Darstellerin wird noch einmal emotional.

Am vorletzten Tag des Verleumdungsprozesses, in dem Johnny Depp und Amber Heard sich gegenseitig der häuslichen Gewalt bezichtigen, wurden am Donnerstag die letzten Zeugen Ex-Paares verhört, die die Anschuldigungen der jeweiligen Gegenseite entkräften sollen. Auch Heard sagte in dem Gericht in Fairfax County im US-Bundesstaat Virginia noch einmal unter Tränen aus und wiederholte die Anschuldigungen gegen ihren Ex-Mann.

Während Depp während des Prozesses Grimassen gezogen und Witze gemacht habe, sei sie "jeden Tag belästigt, gedemütigt und bedroht" worden, sagte Heard. "Die Menschen machen sich lustig über meine Aussagen, dass ich missbraucht worden bin." Sie erhalte täglich Morddrohungen, auch sei ihr gedroht worden, man werde ihr Baby "in die Mikrowelle" legen. Ihr Privatleben leide ebenfalls unter der Gewalt, die ihr in ihrer Ehe mit dem Hollywoodstar widerfahren sei. Demnach wache Heard manchmal schreiend auf und beginne zu zittern. Für ihre Freunde, Intimpartner und Ärzte gälten bestimmte "unausgesprochene Regeln", wann und wie sie die Schauspielerin anfassen dürften, um sie nicht zu erschrecken und zu triggern.

Der Umgang der Öffentlichkeit mit ihr sei "demütigend" und sie verdiene ihn nicht, sagte die 36-Jährige unter Tränen. "Und vielleicht ist es einfach zu vergessen, aber ich bin ein Mensch." Depp habe ihr "genug von meiner Stimme genommen", doch sie habe "das Recht, meine Geschichte zu erzählen". Später wiederholte Heard ihre Vorwürfe, von ihrem Ex verbal, körperlich und emotional missbraucht worden zu sein. "Johnny hat mir versprochen, dass er mich ruinieren würde, der Tod sei der einzige Ausweg", sagte sie.

"Wenn Sie die Wahrheit sagen würden, wüssten Sie es"

Im Anschluss lieferten sich Heard und Depps Anwältin Camille Vásquez ein hitziges Kreuzverhör. In Bezug auf ein Beweisfoto unterstellte ihr die Anwältin inkonsistente Aussagen zu einem vermeintlichen Streit des Ex-Paares. Als Heard sagte, man müsse nur in den Metadaten nach dem Datum sehen, entgegnete Vásquez: "Wenn Sie die Wahrheit sagen würden, wüssten Sie es." Heard bestritt zudem die Anschuldigung, im Mai 2016 Paparazzi zum Gerichtsgebäude bestellt zu haben, als sie die einstweilige Verfügung gegen Depp eingereicht habe. Ein ehemaliger Angestellter des Promiportals TMZ hatte am Mittwoch ausgesagt, einen Hinweis darauf bekommen zu haben, dass Heard sich dort befinden würde und sie Verletzungen im Gesicht habe. Die meisten Tipps kämen von Menschen aus dem engeren Kreis der Prominenten oder der Promis selbst, sagte er zudem.

Darauf angesprochen, dass viele Zeugen Heards Versionen verschiedener Ereignisse nicht bestätigten könnten, antwortete die "Aquaman"-Darstellerin: "Ich habe viele Leute gehört, die eine Menge Dinge sagen, um an der Johnny-Depp-Show beteiligt zu sein." Die Zeugen hätten einfach nicht gesehen, was sie gesehen habe. Auf die Frage, ob sie überrascht sei, wie viele Menschen erschienen seien, um für Depp auszusagen - einschließlich Kate Moss - sagte sie, dass viele Leute für Aufmerksamkeit "aus ihren Löchern kriechen" würden.

"Doktor Curry scheint verwirrt zu sein"

Zuvor hatten die letzten Zeugen der beiden Seiten ausgesagt. So bestätigte Depps Orthopäde Richard Gilbert mit Verweis auf Krankenakten, dass Depps abgetrennte Fingerkuppe tatsächlich durch eine geworfene Wodkaflasche entstanden sein könnte. Es sei seine professionelle Meinung, dass die Wunde durch eine "scharfe Schnittwunde" verursacht wurde. Depp macht dafür seine Ex-Frau bei einem Streit 2015 verantwortlich. Heards Beschreibung der Ursache - Depp habe sich den Finger selbst zerschmettert, indem er ein Telefon mehrmals gegen die Wand schlug - sei dagegen "höchst unwahrscheinlich", sagte Gilbert. Der Orthopäde widersprach auch Schlussfolgerungen von Heards chirurgischem Experten Richard Moore, der Anfang der Woche ausgesagt hatte, dass es "unmöglich" sei, die Richtung zu bestimmen, in der die Verletzung aufgetreten sei.

Heards erster Zeuge, der Experte für forensische Bilder Julian Ackert, wurde geladen, um die Aussagen des Sachverständigen für Metadaten, Norbert Neumeister, anzuzweifeln, der am Mittwoch für Depp ausgesagt hatte. Neumeister war zu dem Schluss gekommen, dass die Fotos von Heards Verletzungen nachträglich in Farbe und Ton bearbeitet worden seien. Ackert widersprach diesem Bericht und behauptete, für jedes der Fotos, über die Depps Zeuge ausgesagt hatte, ein gleichwertiges Foto gefunden zu haben, das er als Original identifizieren könne. Im Kreuzverhör wurde ihm später vorgeworfen, schon seit 20 Jahren mit der von Heard engagierten Anwaltskanzlei zusammenzuarbeiten und sich nicht alle Beweismaterialien angeguckt zu haben, die im Prozess verwendet wurden.

Auch die Psychologin Dawn Hughes betrat den Zeugenstand erneut, um die die Aussage von Depps Rechtspsychologin Shannon Curry zu diskreditieren. Laut Hughes leidet Heard an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die durch die häusliche Gewalt in ihrer Ehe verursacht worden sein soll. Curry hatte diese Diagnose vor Gericht mit der Begründung angefochten, dass Hughes' Aussagen auf Einschätzungen basiere, die "nicht für forensische Zwecke geeignet" seien. Außerdem habe sie ihre eigene Meinung und Heards Selbstberichte als Fakten dargestellt. Als Erklärung dafür, warum die Analyse von Curry zu ungenauen Schlussfolgerungen geführt habe, sagte Hughes nun: "Doktor Curry scheint verwirrt zu sein."

Geschworene ziehen sich für Beratung zurück

Die Beweissammlung in dem Verleumdungsprozess ist nun abgeschlossen. Nach den Abschlussplädoyers am morgigen Freitag beginnen die Geschworenen mit ihren Beratungen. Durch den US-Feiertag Memorial Day am kommenden Montag haben sie ein langes Wochenende frei, bevor sie die Beratungen am 31. Mai wieder aufnehmen.

Johnny Depp verklagt Amber Heard wegen eines Beitrags, den sie 2018 in der "Washington Post" veröffentlichte, auf 50 Millionen Dollar. Darin behauptete sie, Opfer von häuslicher Gewalt zu sein. Ihren Ex-Mann hat sie nicht namentlich erwähnt, Depp behauptet aber, der Beitrag habe dennoch seine Karriere ruiniert, seinen Ruf beschädigt und dadurch viel Geld gekostet. Heard reichte eine Gegenklage gegen Depp in Höhe von 100 Millionen Dollar ein. Sie wirft ihm und seinem Scheidungsanwalt Adam Waldman vor, sie als Lügnerin verleumdet und damit ebenfalls ihrer Karriere geschadet zu haben.

Depp und Heard begannen ihre Beziehung Ende 2011. Kennengelernt hatten sie sich zuvor am Set von "The Rum Diary". 2015 heirateten die Hollywoodstars, die Ehe hielt aber nur 15 Monate. Einen Verleumdungsprozess gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien hat der Schauspieler 2020 verloren. Das Blatt hatte Depp in einem Artikel als "Ehefrauenschläger" bezeichnet. Depp weist alle Anschuldigungen der häuslichen Gewalt zurück.

Quelle: ntv.de, lpe

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