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Wurde Depp "reingelegt"? Amber Heard soll "Tatort" manipuliert haben

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Heard habe mindestens eine Filmrolle verloren, weil der Anwalt ihres Ex-Manns für schlechte Presse gesorgt habe, sagt ihre Anwältin.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Amber Heard wirft Johnny Depp und seinem Scheidungsanwalt Adam Waldman vor, eine Schmutzkampagne gegen sie orchestriert zu haben. In dem Verleumdungsprozess wird Waldman als Zeuge vorgeladen. Erneut bezichtigt er die Ex-Frau seines Mandanten der Lüge.

In dem laufenden Verleumdungsprozess, in dem sich Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard gegenseitig der häuslichen Gewalt bezichtigen, sind am Donnerstag mehrere ehemalige Wegbegleiter von Depp in den Zeugenstand in Fairfax County im US-Bundesstaat Virginia getreten, um gegen den "Fluch der Karibik"-Star auszusagen. Sie stützen Heards Anschuldigungen zu seinem eifersüchtigen Verhalten und Alkohol- und Drogenkonsum. Nur Depps Anwalt Adam Waldman erschien unter Vorladung durch Heards Anwälte und warf der 36-Jährigen Lügen vor.

Waldman, der in einer vorab aufgezeichneten Videoaussage gezeigt wurde, hatte Depp ab 2016 in seiner Scheidung von Heard vertreten. Er wurde jedoch von dem zuständigen Richter aus dem Fall entlassen, weil er der Presse vertrauliche Informationen weitergegeben haben soll. Waldman steht im Mittelpunkt dieses Prozesses, da Amber Heards Gegenklage auf mehreren seiner Aussagen basiert. Er bestätigte, mehrere Statements über Heard abgesetzt zu haben, in denen er ihre Vorwürfe gegen Depp unter anderem als "gefälschte Anschuldigungen", und "Schwindel" bezeichnet.

Über den letzten großen Streit, den Depp und Heard vor ihrer Trennung im Mai 2016 hatten, behauptet Waldman, Heard und ihre Freunde hätten "Depp reingelegt". "Die Beamten kamen zu den Penthäusern, durchsuchten diese gründlich, befragten Zeugen und gingen, nachdem sie keine Schäden an Gesicht oder Eigentum feststellten. Also verschütteten Amber und ihre Freunde ein wenig Wein und verwüsteten die Wohnung, glichen ihre Geschichten unter der Anleitung eines Anwalts und Publizisten ab und tätigten dann einen zweiten Anruf bei der Polizei", hatte Waldman 2020 gesagt.

Polizisten sahen keine Anzeichen für Gewalt

Heard wirft ihrem Ex-Mann vor, bei dem Streit die Wohnung demoliert und sie mit einem Handy beworfen zu haben. In der Öffentlichkeit zeigte sich die 36-Jährige kurz darauf mit einem angeschwollenen Gesicht und einem Bluterguss unter dem Auge. Danach habe sie sich in der Wohnung ihrer Freunde versteckt, die nebenan in einem von Depps Penthäusern lebten. Von dort habe sie ihren Anwalt angerufen, der ihr davon abgeraten habe, mit der Polizei zu kooperieren. Heards Freunde hatten am Mittwoch ausgesagt und bezeugt, dass sie die Wohnung verwüstet vorgefunden hätten. Den Geschworenen wurden Fotos von kaputten Gegenständen gezeigt.

Mehrere Polizeibeamte, die an dem Tag zu unterschiedlichen Uhrzeiten in Depps Penthouse gerufen wurden, haben jedoch ausgesagt, dass es keine Anzeichen für einen physischen Streit gegeben habe - weder durch die Aussagen der Anwesenden noch durch sichtbare Verletzungen in Heards Gesicht oder kaputte Gegenstände in der Wohnung. Eine Anzeige sei damals auf Wunsch von Heard nicht erstattet worden, auch habe die Schauspielerin eine medizinische Behandlung abgelehnt. Sie hätten keine Fotos oder Notizen gemacht, weil dafür keine Notwendigkeit bestanden habe.

Heard wirft den Beamten vor, am vermeintlichen Tatort nicht gründlich gearbeitet und vor Gericht falsche Aussagen gemacht zu haben. Um diese Behauptung zu stützen, wurde Marie Sadagana, die Koordinatorin für häusliche Gewalt bei der Polizei in Los Angeles, in den Zeugenstand gerufen. Sie erklärte die Richtlinien für einen Polizeieinsatz bei häuslicher Gewalt, wonach die Beamten eine Untersuchung durchführen und einen Bericht schreiben müssen, wenn es Anzeichen für häusliche Gewalt gibt oder sie Verletzungen bei einer Person sehen - auch, wenn das mutmaßliche Opfer sich unkooperativ zeigt. Die Dokumentation sei erforderlich, falls die Informationen später nützlich sind.

Waldman schuld an "Aquaman"-Absage?

Waldmans Aussagen sollen laut Heards Agentin Jessica Kovacevic auch dazu geführt haben, dass Heard ihre Rolle in "Aquaman" verlor. Als die Fortsetzung des Blockbusters besprochen wurde, habe sie Heards Vertrag trotz einiger Kommentare aus dem Studio über mangelnde Chemie mit Hauptdarsteller Jason Mamoa erfolgreich neu verhandelt, sagte Kovacevic in ihrer Videoaussage. Es habe im Internet zwar Gerüchte gegeben, dass Heard ersetzt würde, ihre Karriere sei jedoch erst ins Stocken geraten, als Adam Waldman Heard öffentlich diskreditierte. Die 36-Jährige habe mindestens eine Rolle wegen der schlechten Presse verloren, obwohl man in Hollywood nicht sagen würde, dass dies der Grund war, so Kovacevic. "Niemand will, dass jemand, der beschuldigt wurde, zu lügen und Dinge zu erfinden und jemanden missbraucht hat, an seinem Projekt beteiligt ist."

Auch der forensische Experte für soziale Medien Ron Schnell wurde in den Zeugenstand gerufen, um Heards Imageschaden mit Waldmans Äußerungen in Verbindung zu bringen. Schnell berichtete, auf Twitter verschiedene Hashtags im Zusammenhang mit negativen Tweets über Heard analysiert zu haben, die mit Waldmans Aussagen zwischen April 2020 und Januar 2021 korrelieren. Demnach hätte die Mehrheit von rund zwei Millionen Tweets einen von vier "bösen" Hashtags gegen Heard verwendet. Bei vier zufälligen Tests von Tausenden von Tweets über Heard aus dieser Zeit habe er keinen einzigen positiven Tweet über die Schauspielerin finden können.

Unter Heards Zeugen befanden sich auch mehrere Personen, die über Johnny Depps vermeintliches aggressives und eifersüchtiges Verhalten aussagten. Heards ehemalige Anwältin Michelle Mulrooney berichtete von einem Anruf, bei dem er sie offenbar betrunken eine "Schlampe" genannt und gefeuert habe. US-Schauspielerin Ellen Barkin, die 1994 für einige Monate eine "sexuelle Beziehung" mit ihm geführt hatte, erinnerte sich an einen Vorfall in einem Hotelzimmer in Las Vegas, bei dem Depp während eines Streits mit einem Freund eine Weinflasche in Barkins Richtung geworfen habe. Diese habe sie aber nicht getroffen. Außerdem sagte sie aus, dass Depp so "eifersüchtig" war, dass er dachte, ein Kratzer auf ihrem Rücken sei darauf zurückzuführen, dass sie ihn betrogen habe.

Psychiater: Depp ist bipolar

Auch Bruce Witkin, Johnny Depps ehemaliger bester Freund, warf dem 58-Jährigen vor, schon immer "sehr eifersüchtig" gewesen zu sein. Witkins Schwägerin, Lori Ann Allison, war ab 1983 zwei Jahre mit Depp verheiratet gewesen. Depp habe auch auf Heards Karriere Kontrolle ausüben wollen und viele Bemerkungen über ihre männlichen Co-Stars gemacht, sagte der Musiker weiter. Er habe zwar nie gesehen, dass Depp handgreiflich wurde, allerdings seien ihm Blutergüsse an Heards Arm aufgefallen, als wäre sie "gepackt" worden. Depp habe er während einer gemeinsamen Bandprobe ebenfalls mit einer "fetten Lippe" gesehen.

Alan Blaustein, Depps ehemaliger Psychiater, sagte aus, dass Depp "bipolar" sei und "Wutprobleme" habe. Er habe während ihrer 18 Sitzungen Bedenken wegen einiger Medikamente gehabt, die Depp einnahm, insbesondere wenn sie mit Alkohol eingenommen wurden. Depp habe ihm verraten, eine "chaotische" Beziehung zu Heard mit "viel Wut, Enttäuschung und hohem emotionalen Ausdruck" zu haben. Einmal habe er Heard vorgeworfen, sie sei wie "seine Mutter und seine psychotische Schwester". Depps Mutter soll gegenüber ihren Kindern und ihrem Ex-Mann äußerst gewalttätig gewesen sein.

Depps ehemalige Agentin, Tracey Jacobs, sagte ebenfalls über das eifersüchtige Verhalten des Schauspielers aus. Demnach habe er versucht, eine Version des Films "London Fields" zu stoppen, die Nacktszenen von Amber Heard enthielt. Jacobs, deren Aussage ebenfalls vorab aufgezeichnet wurde, hatte Depp bis 2016 30 Jahre lang vertreten und dabei geholfen, ihn zum "größten Star der Welt" zu machen, wie sie sagte. In den letzten zehn Jahren sei die Arbeit mit Depp wegen seines "unprofessionellen Verhaltens" komplizierter geworden, sagte Jacobs weiter. Er sei ständig zu spät zu Dreharbeiten erschienen und habe "grundlegende Probleme mit Wut" gehabt.

"Fluch der Karibik 6" ohne Johnny Depp

Jacobs bestätigte zudem, dass sich in Gesprächen mit Disney-Vertretern niemand verpflichtet habe, Depp für einen weiteren "Fluch der Karibik"-Film einzustellen. Der Schauspieler verklagt Heard auf 50 Millionen Dollar, weil er glaubt, ihr Kommentar in der "Washington Post", in dem sie sich als Opfer häuslicher Gewalt bezeichnet, habe ihn seine Rolle als Captain Jack Sparrow in dem Franchise gekostet. Die Disney-Angestellte Tina Newman sagte nun aber aus, keine Kenntnis von Heards Kommentar gehabt zu haben und dass der Artikel in Diskussionen bei Disney auch nicht erwähnt worden sei. Auf die Frage, ob Depp in einem möglichen sechsten Teil der Filmreihe zu sehen sei, antwortete Newman, diese Entscheidung sei "über meiner Gehaltsklasse". Sie gab aber auch zu, dass sich das Filmprojekt bei Disney bereits in der Entwicklung befinde.

Joel Mandel, Depps ehemaliger Business-Manager, bestätigte ebenfalls, dass der Hollywood-Star ab 2010 "Probleme mit Alkohol und Drogen" gehabt habe, die zu "unberechenbarem Verhalten" geführt hätten. Dies habe seine Arbeit erschwert, da es schwierig gewesen sei, Zeit für Treffen mit Depp über seine finanziellen Angelegenheiten zu machen, die sich ab 2015 in einem zunehmend schlechten Zustand befunden hätten. Depps Rechnungen für verschreibungspflichtige Pillen hätten zeitweise Tausende Dollar pro Monat betragen. Nicht selten habe er zudem Schadenersatz für die Zerstörung von Eigentum in Hotels oder Mietwohnungen zahlen müssen. 2016 sei es schließlich zum Ende ihrer beruflichen Beziehung gekommen. Depp wirft Mandel vor, seine Gelder falsch verwaltet und nicht autorisierte Kredite in Höhe von rund zehn Millionen US-Dollar vergeben zu haben. 2017 reichte er Klage gegen Mandels Talentmanagementfirma ein.

Johnny Depp und Amber Heard hatten sich 2009 am Set von "The Rum Diary" kennengelernt. Anfang Februar 2015 feierten sie Hochzeit, Ende Mai 2016 reichte Heard die Scheidung ein, die Anfang 2017 vollzogen wurde. Nach Depps verlorener Verleumdungsklage in Großbritannien 2021 gegen die Zeitung "The Sun", die ihn als "Ehefrauenschläger" bezeichnet hatte, startete im April der US-Prozess. In der kommenden Woche werden viele weitere Zeugen für Heard aussagen. Am 26. Mai werden die Abschlussplädoyers erwartet.

Quelle: ntv.de, lpe

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