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"The Billion Dollar Code" Hat Google Berlinern "Google Earth" geklaut?

Zwei junge Deutsche entwickeln in den Neunzigern den Vorläufer von "Google Earth". Netflix präsentiert mit "The Billion Dollar Code" deutsches Fernsehen, das nicht besser sein kann. Und spannend, denn die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.

Berlin nach dem Mauerfall. Das einst eingeschlossene West-Berlin und die ehemalige Hauptstadt der DDR wachsen zu einem Magneten für Kreative, Freigeister und Partyleute zusammen. Techno-Beats wummern durch die Straßenschluchten, illegale Clubs sprießen wie Löwenzahn aus jeder Häuserritze und oft weiß man nicht: Ist es gerade Tag oder Nacht? In diesem Klima des Aufbruchs begegnen sich Carsten Schlüter (gespielt von Leonard Scheicher) und Juri Müller (gespielt von Marius Ahrendt). Die beiden jungen Männer vereint ihre Begeisterung für das Computerzeitalter, das in Deutschland in jenen Tagen noch nicht einmal in den Kinderschuhen steckt.

Von klein auf träumt Juri davon, wie "Superman" um den Erdball zu fliegen. Mit der Hilfe seiner Freunde aus dem Chaos Computer Club und einem von ihm entwickelten Algorithmus will er diesem Traum näherkommen. Mit Terravision, so heißt sein Programm, soll jeder Mensch die Welt grenzenlos erforschen können.

"Oscars & Himbeeren"

Immer freitags präsentiert Ronny Rüsch "Oscars & Himbeeren", den ntv-Podcast rund ums Streamen. Diesmal neben der ausführlichen Kritik zu "The Billion Dollar Code": die Serie "The Morning Show" von Apple TV, der Robert-Redford-Klassiker "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" und der neue Film mit Ryan Reynolds. "Oscars & Himbeeren" - Informativ. Unterhaltsam. Kompakt. In der ntv-App, bei Audio Now, Spotify und Apple Podcasts.

Jahre später sitzen Juri und Carsten (als Erwachsene gespielt von Mišel Matičević und Mark Waschke) in einem Gerichtssaal im US-Bundesstaat Delaware den Anwälten von Google gegenüber. Der Tech-Gigant aus Kalifornien will keinerlei Ähnlichkeiten zwischen Terravision und der weltweit beliebten Anwendung "Google Earth" erkennen. Eine Sichtweise, die ein renommierter Software-Gutachter nicht im Geringsten teilt: Der Code sei "identisch".

Die digitale Bräsigkeit der Bundesrepublik

Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg und Regisseur Robert Thalheim haben mit der vierteiligen Netflix-Serie "The Billion Dollar Code" ein deutsches Äquivalent zu Filmen wie "Pirates of Silicon Valley" oder David Finchers Facebook-Film "The Social Network" geschaffen. Es ist die ungewöhnliche Story der Erfolglosigkeit, in einer Welt, in der jeder Traum früher oder später dem Kapitalismus untergeordnet wird. Die Serie bebildert dabei das Erwachen des Internet-Zeitalters als Utopie und dessen Transformation in ein von Konzernen gelenktes Kontrollzentrum, in dem eine App mehr mit ihren Entwicklern, als mit ihren Benutzern kommuniziert.

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Den Verantwortlichen vor und hinter der Kamera gelingt dabei Großes. Selten hat man deutsches Fernsehen auf solch hohem Niveau gesehen. Dass die realen Ereignisse hier und dort dramaturgisch aufgebauscht sind und aus mehreren Personen weniger gemacht wurden, ist der Komplexität und Trockenheit der Materie geschuldet. "The Billion Dollar Code" ist aber auch eine Anklage der deutschen Bräsigkeit. Die Bundesrepublik steht - digital gesehen - in vielen Bereichen immer noch auf dem Abstellgleis. Es sind, man kann das nicht anders sagen, hausgemachte Probleme. Wenn man jetzt nicht endlich innovative und mutige Geister ans Ruder lässt, ist das Dahinsiechen als Internet-Bananenrepublik vorprogrammiert.

Neben der ausführlichen Kritik zu "The Billion Dollar Code" sprechen Ronny Rüsch und Axel Max in der neuen Folge des ntv-Podcasts "Oscars & Himbeeren" auch über die Apple TV-Serie "The Morning Show", über den Robert Redford-Klassiker "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" und über den neuen Film mit Ryan Reynolds.

"Oscars & Himbeeren" - der ntv-Podcast - wo sich jeden Freitag alles rund um Streaming-Dienste wie Netflix, TVNOW, Amazon Prime & Co. dreht.

Quelle: ntv.de

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