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Vorwurf des VölkermordsMinister Schneider verlässt Berlinale-Saal bei propalästinensischer Rede

22.02.2026, 13:42 Uhr
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Abdallah Alkhatib nutzte die Preisverleihung bei der 76. Berlinale für seine politische Erklärung. (Foto: picture alliance / Anadolu)

"Chronicles From the Siege" gewinnt bei der Berlinale als bestes Spielfilmdebüt. Der ausgezeichnete Filmemacher nutzt die Bühne für eine propalästinensische Rede, in der er Deutschland scharf angreift. Der anwesende Umweltminister verlässt sofort den Festsaal.

Bei der Berlinale-Preisverleihung ist es zu einem Eklat gekommen. Als Abdallah Alkhatib für die Auszeichnung auf die Bühne gerufen wurde, nutzte der syrisch-palästinensische Filmemacher die Gelegenheit, entfaltete eine Palästinenser-Flagge und hielt eine propalästinensische Rede, in der er unter anderem der Bundesregierung vorwarf, den "Völkermord im Gazastreifen" zu unterstützen.

Währenddessen verlässt der anwesende Bundesumweltminister Carsten Schneider den Saal. Der SPD-Politiker sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala gewesen, teilte ein Sprecher seines Ministeriums mit. "Bundesminister Schneider hält diese Aussagen für nicht akzeptabel", so der Sprecher weiter.

Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kritisierte das Verhalten des Filmemachers Alkhatib bei der Berlinale. Kontroversen und politische Debatten gehörten ohne Zweifel zur DNA der Berlinale, sagte Weimer der dpa. Aber der Israel-Hass und die Aktivisten-Aggressivität bewussten Missverstehens seien das Gegenteil von humanistischer Toleranz.

Bundesregierung steht an der Seite Israels

Israel bestreitet, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen, und spricht stattdessen von Selbstverteidigung nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023. Die Bundesregierung bekräftigt immer wieder, dass Deutschland fest an der Seite Israels stehe und dessen Recht auf Selbstverteidigung gegen den Terror der Hamas unterstütze. Eine UN-Kommision kam zu dem Schluss, das Vorgehen von Israels Armee im Gazastreifen erfülle vier der fünf Tatbestände eines Genozids und sei damit als Völkermord einzustufen.

Alkhatib betonte während seiner Rede, dass es eines Tages ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben werde. "Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war", sagte er. Sein Ziel sei "ein freies Palästina von jetzt bis ans Ende der Welt". Im Saal waren sowohl Applaus als auch Zwischenrufe zu hören.

Zuvor hatte bereits die libanesische Filmemacherin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm ausgezeichnet wurde, auf der Bühne die israelische Kriegsführung kritisiert, ohne das Massaker am 7. Oktober anzusprechen. Moderatorin Désirée Nosbusch sagte danach, sie sei sich "sicher, dass unsere Herzen bei all den Menschen sind, die leiden, sei es durch Kriege oder durch Terrorismus".

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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