Unterhaltung

Borowski im Haus der Geister Neue Gesichter, alte Gespenster

3_Tatort_Borowski_und_das_Haus_der_Geister.jpg

Borowski und die Neue - wir sind gespannt.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Borowski und die Frauen, das ewige Thema: Während die neue Kollegin gleich mal in den Sack haut, den wortwörtlichen, bekommt es der Kommissar mit drei undurchsichtigen Damen zu tun. Und dann spukt es auch noch.

Nun hat also auch Kiel seinen Gruseltatort, so jedenfalls der Eindruck der Anfangs-Viertelstunde des neuen Falls. Nach der Frankfurter Zitatschlacht "Fürchte Dich" und Lena Odenthals Besuch im Spukhotel, verschlägt es Klaus Borowski (Axel Milberg), etwas ungewohnt im pinkfarbenen Freizeithemd, auf den Landsitz von Frank Voigt (Thomas Loibl). Der passionierte Westenträger hatte mal was mit Borowskis Ex Gabrielle (Heike Trinker), Tochter Grete (Emma Mathilde Floßmann) ist die Patentochter Borowskis, ihr Hilferuf in Form eines Briefes ist es, der den Kieler schließlich hierher führt.

Neben Gretes Schwester Sinja (Mercedes Müller) ist da auch noch Voigts neue Gemahlin Anna (Karoline Schuch), und was die des Nächtens erlebt, stellt dem Zuschauer die Nackenhaare zu Berge. Düstere Figuren umschweben ihr Bett, in Zellophan gewickelte Gruselgestalten huschen über den Flur, ein sirrender Ton durchzieht das Haus, irgendwann steht gar das Bett in Flammen. Borowski sträubt sich zunächst, über Nacht zu bleiben, entscheidet sich spontan anders und ist plötzlich mittendrin in dieser spukhaften Familienaufstellung, zumal da auch noch die Aura eines Mitglieds über allem schwebt, das vor längerer Zeit spurlos verschwand und nie wieder aufgetaucht ist: Die Mutter der Mädchen, Frank Voigts letzte Ehefrau Heike.

14_Tatort_Borowski_und_das_Haus_der_Geister.jpg

Borowski mit Ex-Frau, das hat man auch nicht alle Tage ....

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Als wäre das alles nicht ungewöhnlich genug, bekommt es Borowski auch noch mit einer neuen Kollegin zu tun - Mila Sahin, gespielt von Almila Bagriacik, die zuvor u.a. in "NSU - Die Opfer" und "4 Blocks" zu sehen war. Ihr Profil: Schnell im Bilde, körperlich äußerst fit und mit einer gesunden Portion Arroganz versehen, scheint sie die ideale Nachfolgerin von Sibel Kekilli zu sein. Den guten Borowski weiß sie ziemlich schnell zu nehmen, aus dem Stand ist sie mitten drin im Fall. Da sieht der Chef dann auch darüber hinweg, dass sie als erste Amtshandlung einen Sandsack mit Namen 'Walter' an der Decke ihres Dienstzimmers installiert. Regisseur Elmar Fischer schwärmt von Bagriaciks "unverstellter Art", die "noch einmal ein anderes Licht" auf Borowski wirft. Und den passionierten Stoiker so mit neuem Leben erfüllt, dass der aus dem Stand anfängt zu tanzen - aber … das sollte man sich am besten ganz in Ruhe selbst ansehen.

Was die Wirkung dieses Krimis angeht, ruckelt es leider da und dort. Erklärdialoge finden sich zuhauf, zudem stellenweise so krude reduziert, dass man das Gefühl hat, hier würden Telegramme vorgelesen:

"Wir haben uns gestritten. Er hat mich geschlagen."

"Du warst es."

"Ich wollt's nicht. Ich hab' mich nur gewehrt. Er ist aus dem Fenster gefallen."

Auch dass die Figuren selbst dezidiert mit dem Zaunpfahl winken und George Cukors Klassiker "Gaslight" - wenn man so will, eine Zitatquelle dieses Films - ins Spiel bringen, wirkt unnötig konstruiert.

Demgegenüber stehen Kameramann Philipp Sichlers Bildkompositionen, die der Geschichte einen unheilvollen Grundton geben, ohne dabei mit allzu verschwenderischem Händchen in den historischen Filmfundus zu greifen. Seine Kamerafahrten, untermalt von Matthias Beines atmosphärischem Score, sind superb, beinah poetisch, tänzeln gekonnt zwischen der ländlichen Idylle des Voigtschen Gutes und den vermeintlichen Gespenstern, die zur Heimsuchung der dort Lebenden angetreten sind. Unter dem Strich nicht vollends stimmig, aber ein durchaus unterhaltsames Psycho-Schattenspiel, das selbst den leidenschaftlich linkischen Borowski am Ende auftauen lässt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema