Im Alter von 89 JahrenNorwegischer König Harald V. ist tot
Mehr als drei Jahrzehnte prägt Harald V. die norwegische Monarchie und begleitet sein Land durch bewegende Zeiten. Dabei gewinnt er eine Popularität, die selbst die jüngsten Skandale des Königshauses überdauert. Nun beginnt in Norwegen eine neue Ära.
Norwegens König Harald V. ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Dies teilte das Königshaus mit. "Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass Seine Majestät König Harald heute verstorben ist. König Harald ist am Freitag, dem 28. August, um 06:35 Uhr im Rikshospitalet friedlich eingeschlafen", heißt es in einer Mitteilung.
Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.
Mehr als drei Jahrzehnte saß Harald auf dem norwegischen Thron. In dieser Zeit trat er immer mehr aus dem Schatten seines beliebten Vaters heraus, modernisierte die Monarchie behutsam und galt vielen Norwegern als moralische Instanz. Zuletzt hatte der älteste amtierende Monarch Europas wiederholt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im Jahr 2024 wurde er während eines Urlaubs in Malaysia wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert und erhielt dort einen Herzschrittmacher. Eine Abdankung schloss er jedoch aus und betonte, sein Eid als König gelte auf Lebenszeit.
Sein Tod fällt in eine schwere Zeit für das norwegische Königshaus. Mehrere Krisen haben das Ansehen der Königsfamilie beschädigt. Kronprinzessin Mette-Marit, die Ehefrau von Haralds Sohn und Thronfolger Haakon, wurde wegen ihrer früheren Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein massiv kritisiert. Ihr Sohn Marius Hoiby, der aus einer Beziehung vor ihrer Ehe mit dem Kronprinzen stammt, wurde im Juni wegen Vergewaltigung und häuslicher Gewalt zu vier Jahren Haft verurteilt. In der Folge fiel die Zustimmung zur Monarchie in Norwegen einer Umfrage des Senders NRK zufolge von 70 auf 60 Prozent. Harald selbst blieb jedoch äußerst populär und galt den Norwegern als der würdigste Repräsentant des Königshauses.
Harald, ein Urenkel der britischen Königin Victoria, wurde 1991 gekrönt. In Zeiten der Trauer spendete er der Nation wichtigen Trost. Nach dem rechtsextremen Terroranschlag von Anders Behring Breivik im Jahr 2011, bei dem 77 Menschen getötet wurden, fand der König in einer Fernsehansprache bewegende Worte und erklärte mit zitternder Stimme: "Freiheit ist stärker als Angst." Er war bekannt für seine Volksnähe, besuchte in Gummistiefeln Katastrophengebiete und setzte sich in einer viel beachteten Rede 2016 für Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensweisen, Glaubensrichtungen und sexuellen Orientierungen ein.
Haralds Geburt am 21. Februar 1937 war ein nationales Ereignis, da er der erste seit fast 570 Jahren in Norwegen geborene Thronfolger war. Seine Kindheit war durch die Flucht vor der deutschen Besatzung geprägt, die er mit seiner Mutter und seinen Schwestern im Exil in den USA verbrachte. Nach seiner Rückkehr besuchte er öffentliche Schulen. Als er 1968 die Bürgerliche Sonja Haraldsen heiratete, brach er mit alten Traditionen. Der Ehe war ein neunjähriges Ringen mit seinem Vater, König Olav V., vorausgegangen, das Harald beendete, indem er drohte, lieber unverheiratet zu bleiben, als auf Sonja zu verzichten.
Der sportbegeisterte König war ein erfolgreicher Segler, nahm an mehreren Olympischen Spielen teil und gewann einen Weltmeistertitel. Sein Interesse galt zudem dem Naturschutz. Seinen Witz bewies er, als er auf die Frage nach einer möglichen Abdankung antwortete, dies käme in Norwegen nicht infrage - es sei denn, "man wird komplett verrückt". Sein 53-jähriger Sohn, Kronprinz Haakon, wird ihm auf den Thron folgen.