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VIP VIP, Hurra!"Keiner steht über dem Gesetz"

20.02.2026, 17:11 Uhr Verena-Maria-DittrichDie Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Andrew Mountbatten-Windsor (ehemals Prinz Andrew), Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell nahe Balmoral in Schottland. (Foto: picture alliance / Captital Pictures)

Ex-Prinz Andrew wird kurzfristig festgenommen und wieder freigelassen, aber das ist hoffentlich nur der Anfang. König Charles III. betont, "das Gesetz müsse seinen Lauf nehmen". Ist das so? Steht wirklich niemand über dem Gesetz? Und was sagt dieser Fall tatsächlich über Macht und Rechtsstaatlichkeit?

Wenn man ehrlich ist, hatte man damit fast schon nicht mehr gerechnet, zu lange sind die Mächtigen und Reichen schließlich bis dato fast immer davongekommen. Aber es ist, wie König Charles III. über die Festnahme seines Bruders sagt, nachdem dessen jahrzehntelang gepflegte Nähe zu Jeffrey Epstein zur juristischen Zerreißprobe geworden ist: "Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen."

Ja, das Gesetz muss seinen Lauf nehmen, auch wenn man sich gerade in dieser Causa, die die Welt erschüttert, fragt: Wo war das Gesetz all die Jahre? Wo war die Rechtsstaatlichkeit etwa, als Jeffrey Epstein schon im Jahre 2008 seine bundesstaatliche Verfolgung aushebelte und nach einem höchst umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft quasi davonkam? Dieser Deal gilt bis heute als Symbol für eine Justiz, die gegenüber wohlhabenden und gut vernetzten Tätern eine Milde an den Tag legte, die man sich bei weniger privilegierten Angeklagten kaum vorstellen kann. Wenn einer wie Epstein trotz zahlreicher Hinweise auf ein weitverzweigtes Netzwerk und trotz belastender Aussagen junger Frauen mit Samthandschuhen angefasst wurde, dann zeigt das, dass Geld, Einfluss und die richtigen Kontakte nicht nur Türen öffnen, sondern auch Gefängnistore halb geschlossen halten können.

Insofern machen die Ereignisse am vergangenen Donnerstag zumindest einen Funken Hoffnung, dass jene Netzwerke, die jahrzehntelang unangreifbar schienen, nicht nur infrage gestellt werden, sondern auch reale juristische Konsequenzen haben, auch für jene, die sehr lange für sich beansprucht haben, über den Dingen zu stehen.

Die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor, ehemals Prinz Andrew, ausgerechnet an seinem 66. Geburtstag, markiert in der Tat einen historischen Moment. Und gewiss fängt das Leben mit 66 Jahren nicht an, aber vielleicht endet es zumindest für den Bruder von König Charles mit dem Mythos der Unantastbarkeit. Ja, er hatte bereits seine Privilegien verloren, aber das bedeutet nicht, keine mehr zu haben.

Royals in größter Krise seit Jahrzehnten

Natürlich bringt uns Empörung als Gesellschaft nicht weiter, wenn sie ausnahmslos moralinsauren Zwecken dient, aber es ist vor allem der Empörung des Volkes zu verdanken, dass man zumindest wieder ein kleines bisschen das Gefühl bekam, dass wirklich niemand über dem Gesetz steht und wir uns nicht mehr von Titeln und Glamour blenden lassen wie in den vergangenen Jahrzehnten.

Denn die "Epstein Files" entlarven nicht nur ein Geflecht aus Beziehungen, sondern auch die Mechanismen von Macht und Schutz durch jene, die in einem funktionierenden Rechtsstaat schon vor Jahren genauer hätten hinsehen müssen. Aus dem Schatten eines Milliardärs mit zahllosen Verbindungen in Politik, Wirtschaft und Adel treten nun so viele derart schockierende Geschichten und Namen hervor, dass man auch all jene verstehen kann, die aus Schutz der eigenen Seele nicht weiter graben.

Dass ein Mitglied einer europäischen Königsfamilie in Verbindung gebracht wird mit dem Austausch vertraulicher Informationen an einen verurteilten Sexualstraftäter, nein, das ist nicht nur ein einzelner Skandal. Das ist vor allem ein Beleg für diese ganz unangenehme Chuzpe aus elitärer Arroganz und Selbstüberschätzung, sich alles erlauben zu dürfen. Und niemand kann leider dem Argument widersprechen, dass es den "Reichen und Mächtigen" nicht oft genug gelungen ist und immer noch gelingt.

In diesem Geflecht aus Macht und Missbrauch kann man nur hoffen, dass die vorübergehende Festnahme Andrews nur ein Anfang ist, sich mit den Strukturen dieser Netzwerke auseinanderzusetzen. Aber es wäre auch naiv zu glauben, dass Reichtum und Einfluss nun nicht mehr als Schutzwall dienen. Bankkonten sind nun mal größer als Empathie.

Was Andrews Festnahme wirklich bedeutet

Und es ist auch wichtig zu betonen, dass nicht nur "die bösen Männer" hier das Problem sind. Hinter dieser Geschichte stehen auch Frauen wie die bestens vernetzte superreiche Ghislaine Maxwell, die ihren Einfluss und ihre Macht systematisch missbrauchte. Oder aber Persönlichkeiten wie etwa Sarah Ferguson, die ehemalige Ehefrau Andrews, die als moralische Instanz hätte auftreten können, aber selbst Teil des Spiels wurde. Und es gibt etliche weitere Frauen mit großen Namen, die sich in diesem Skandal später als naive Dummchen ausgaben und behaupteten, "nicht die geringste Ahnung" gehabt zu haben, wer der romantische "Onkel Jeffrey" in Wirklichkeit gewesen sei.

Bei aller berechtigten, längst überfälligen Kritik an den Mächtigen und jenen, die bereitwillig an ihrer Seite agierten, darf man eines nicht vergessen: die wirklichen Leidtragenden. Die Opfer, deren Geschichten oft jahrelang im Verborgenen blieben und deren Stimmen übergangen wurden, weil sie nicht über Titel oder Einfluss verfügten.

Nur wenn diese Stimmen endlich wirklich auf Augenhöhe angehört werden und rechtliche Schritte mehr sind als symbolische Gesten, wird dieser Fall mehr bedeuten als die aktuelle spektakuläre Medienwelle. Ja, Andrew wurde für kurze Zeit festgenommen, aber hier geht es weit mehr als um ihn. Hier geht es darum, wie kritisch wir hinschauen müssen, wenn die Einflussreichen fallen, und wie ehrlich wir sein müssen, wenn es darum geht, die Strukturen zu verändern, die ein solches Ausmaß an Missbrauch überhaupt erst möglich gemacht haben.

Die Epstein-Files, so herausfordernd sie in ihrer Fülle auch sein mögen, sind ein Brennglas. Und es liegt an uns, nicht nur die Skandale zu konsumieren, sondern auch Konsequenzen zu fordern, die echte Gerechtigkeit bringen könnten.

Quelle: ntv.de

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