Große Trauer in OsloRoyals und Staatsgäste verabschieden Harald V.
In Oslo steht der Tag ganz im Zeichen des Abschieds von König Harald V. Zahlreiche europäische Royals und Staatsgäste wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind für die Trauerzeremonie nach Norwegen gereist.
Es war ein Tag der Andacht, der Emotionen und der liebevollen Erinnerungen an ein großes Leben: Angeführt vom neuen König Haakon VIII. und begleitet von hochrangigen internationalen Gästen wie dem britischen Thronfolger Prinz William und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Königreich Norwegen Abschied von seinem langjährigen Staatsoberhaupt König Harald V. genommen.
Zehntausende Menschen säumten den Straßenrand, als der Sarg mit dem Monarchen in den Mittagsstunden im Schritttempo zunächst vom Königsschloss zu einem Trauergottesdienst im Dom der norwegischen Hauptstadt gefahren wurde. Bei der Prozession folgten hinter der norwegischen Königsfamilie einige der höchsten Vertreter anderer Monarchien sowie mehrere Staats- und Regierungschefs, darunter Steinmeier und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
"Wir sind zutiefst dankbar für 35 Jahre mit König Harald als König von Norwegen - aber vor allem für die Art und Weise, wie er das gewesen ist", sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in seiner Trauerrede über den volksnahen Monarchen. Harald habe mit den Norwegern gejubelt, aber auch getrauert - Letzteres etwa nach den rechtsterroristischen Anschlägen im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011.
"König Harald hat alles für Norwegen gegeben", sagte Støre. "Im Namen des norwegischen Volkes sage ich: Danke für alles." Dann wandte sich der Regierungschef dem neuen König Haakon zu, um zu ergänzen: "Lang lebe der König."
Tränen im Gottesdienst
Während des Gottesdienstes musste sich Haakons Frau Königin Mette-Marit zwischenzeitlich ebenso Tränen aus den Augen wischen wie Kronprinzessin Ingrid Alexandra. Auch Haralds Gattin Königin Sonja rang mit den Tränen. "Danke für ein gutes Leben", stand in der Kirche auf ihrem Trauerkranz. Haakon, Mette-Marit und die Kinder Ingrid Alexandra, Prinz Sverre Magnus und Marius Borg Høiby wählten ein einziges Wort, das auf ihrem Kranz stand: "Takk" - Danke.
Im direkten Anschluss an den Gottesdienst wurde der Sarg zu Haralds letzter Ruhestätte in der Schlosskirche der Festung Akershus überführt. Dort befindet sich das königliche Mausoleum. Die eigentliche Beisetzung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - dafür gibt es eine private Zeremonie für die Königsfamilie sowie royale Gäste und andere staatliche Würdenträger.
Letztlich sollte Haralds Sarg in die Krypta gebracht werden, in der sich bereits auch die Sarkophage der ersten beiden Königspaare des unabhängigen Norwegens befinden - die von Haralds Großeltern König Haakon VII. und Königin Maud sowie Haralds Eltern König Olav V. und Kronprinzessin Märtha.
Kirchen läuten eine Stunde lang
Nach der Zeremonie werden der neue König Haakon und seine Frau Königin Mette-Marit planmäßig in den Hof der Festung kommen. Die auf halbmast wehenden Flaggen werden dann wieder nach oben gezogen und ein doppelter Königssalut wird abgefeuert. Gleichzeitig sollen die Kirchenglocken im ganzen Land für eine Stunde läuten.
Später am Nachmittag wollte sich die Königsfamilie um Haakon, Mette-Marit, ihre beiden gemeinsamen Kinder Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus sowie Haralds Frau Königin Sonja auf dem Balkon des Osloer Königsschlosses zeigen. Es wurde damit gerechnet, dass die Familie von einer riesigen Menschenmenge empfangen wird - bereits während des Trauerzugs durch die norwegische Hauptstadt säumten Zehntausende Menschen die Straßenränder.
König Harald war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war mehr als 35 Jahre lang Staatsoberhaupt des wohlhabenden skandinavischen Landes gewesen. Sein Sohn Haakon wurde im Moment des Todes zum neuen König. Wenige Tage später legte der 53-Jährige im Parlament von Oslo auch den Eid auf die Verfassung ab.
Zahlreiche hohe Gäste
Die Trauer um Harald erreichte mit dem Staatsbegräbnis ihren vorläufigen Höhepunkt - und zahlreiche hohe Gäste erwiesen Harald die letzte Ehre: Hinter Haakon, Ingrid Alexandra, Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise sowie einem Wagen mit Mette-Marit und Sonja folgten Ehrengäste aus dem Ausland in langsamem Tempo dem Sarg.
Neben Prinz William war die Schwester von König Charles III., Prinzessin Anne, zu sehen - sie ist auch Haakons Patentante. Neben ihnen gingen unter anderem Schwedens König Carl XVI. Gustaf, Spaniens Staatsoberhaupt König Felipe VI. und der König der Niederlande, Willem-Alexander.
Hinter den Königlichen reihten sich Staats- und Regierungschefs wie Steinmeier und Selenskyj ein. "Europa verliert einen großen Versöhner", hatte Steinmeier bereits an Haralds Todestag in einem Kondolenzschreiben betont. Deutschland verliere einen großen Freund. Unter anderem auf dem Reichstagsgebäude wehte die deutsche Flagge am Mittwoch auf halbmast.
Beliebter Monarch
Harald galt beim norwegischen Volk als überaus beliebt, gerade auch bei der jüngeren Generation. "Er ist für mich nicht nur der einzige König gewesen, den ich bislang gehabt habe. Ich habe auch zu ihm aufgeschaut", sagte der Student Gabriel Wiedemann aus Oslo. Es sei daher sehr wichtig für ihn, an diesem Tag seine Unterstützung zu zeigen. "Dieser Tag wird etwas sein, das wir in Erinnerung behalten werden", so der 25-Jährige.
"Für mich, meine Kinder und die ganze Familie ist er von großer Bedeutung", erklärte auch die Norwegerin Kari Grimholt. Harald werde immer einen besonderen Platz in ihren Herzen haben.
Die Beliebtheit des langjährigen Staatsoberhauptes zeigte sich seit seinem Tod unter anderem auch daran, wie viele Blumen und Karten vor dem Osloer Königsschloss niedergelegt wurden. "Man sieht einfach, wie sehr die Leute ihn gemocht haben, geschätzt haben, und wie greifbar die ganze Monarchie einfach ist", sagte die Touristin Julia Knoll aus Kleve am Niederrhein.
Zu sehen, wie Menschen aus aller Welt hier zusammenkommen, sei sehr besonders, erklärte auch die Norwegerin Ingrid Marijke Biermann, die den Trauerzug am Schloss mitverfolgte. Auch nach seinem Tod habe Harald viele Menschen in friedlicher Stimmung zusammengebracht.
