"Beschädigte Ware"So veränderte die Hepatitis-Diagnose Pamela Anderson

Als bei Pamela Anderson Ende der 90er Hepatitis C diagnostiziert wird, stellt ihr Arzt ihr nur noch rund zehn Lebensjahre in Aussicht. Nun spricht die Schauspielerin offen darüber, wie diese Diagnose ihr Leben und ihr Selbstbild veränderte.
Pamela Andersons Leben sah Ende der 1990er-Jahre von außen ziemlich beneidenswert aus: Sie war dank "Baywatch" einer der größten Stars der Welt, ein Sexsymbol und gerade Mutter von zwei Söhnen geworden. Hinter den Kulissen bekam sie allerdings eine Nachricht, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellte. Bei Anderson wurde Hepatitis C diagnostiziert - zu einer Zeit, als die Virusinfektion noch nicht heilbar war.
Wie düster die Aussichten damals waren, hat die heute 59-Jährige nun bei der amfAR-Gala in Venedig erzählt. "Es war ein Todesurteil. Das hat mir mein Arzt gesagt - dass ich wahrscheinlich noch ungefähr zehn Jahre zu leben hätte", erinnerte sie sich in einer emotionalen Rede. "Ich bin mir sicher, dass das meine Entscheidungen beeinflusst und verdorben hat. Es war nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst davor, was mit meinen kleinen Kindern passieren könnte. Es hat mein Leben völlig auf den Kopf gestellt." Aus ihrer Ehe mit Mötley-Crüe-Schlagzeuger Tommy Lee stammen Brandon Thomas, 1996 geboren, und der ein Jahr jüngere Dylan Jagger.
Zum Glück sollte die Prognose ihres Arztes nicht eintreffen. Die medizinische Forschung machte in den folgenden Jahren enorme Fortschritte. 2011 wurde eine Behandlung entwickelt, mit der Hepatitis C geheilt werden kann. Anderson unterzog sich schließlich einer Therapie und konnte 2015 verkünden, "Hepatitis-C-frei" zu sein. Billig war die Behandlung allerdings nicht. "Es hat alles gekostet, was ich auf meinem Bankkonto hatte", erzählte Anderson nun über die Therapie.
"Es verfolgt mich"
Am Sonntagabend wurde sie bei der amfAR-Gala für ihren Umgang mit ihrer Geschichte mit dem Award of Courage ausgezeichnet. Die Organisation setzt sich vor allem für ein Ende der HIV/Aids-Epidemie ein, engagiert sich aber auch in der Forschung und Aufklärung zu Hepatitis C. Die Erkrankung tritt bei Menschen mit HIV vergleichsweise häufig als Koinfektion auf.
Körperlich ist Anderson die Erkrankung seit mehr als einem Jahrzehnt los. Die Diagnose hat aber trotzdem Spuren hinterlassen. "Meine Erfahrung mit Scham und Schuld war auch eine unbewusste Reise. Sie bleibt bei mir; sie verfolgt mich", erklärte sie in Venedig. "Und genau wie der sexuelle Missbrauch, den ich als Kind ertragen musste, fühlte es sich an, als wäre es mir auf die Stirn geschrieben: Beschädigte Ware. Und genauso habe ich mich auch präsentiert." Bis heute habe sie sich von der damaligen Nachricht nicht "vollständig erholt". Inzwischen glaube sie aber, vielleicht "endlich Frieden damit geschlossen" zu haben.
Und offenbar hat Anderson einen Weg gefunden, die schwierigen Erfahrungen ihres Lebens für etwas Neues zu nutzen. In den vergangenen Jahren hat sie ihre Karriere noch einmal komplett neu erfunden. Statt vor allem als "Baywatch"-Sexsymbol wahrgenommen zu werden, bekommt sie inzwischen viel Anerkennung für ihre schauspielerische Arbeit. Filme wie "The Last Showgirl", "The Naked Gun", "Rosebush Pruning" und "Place to Be" markieren dieses späte Karrierehoch. "Place to Be" feiert am Mittwoch bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere.
"Ich bin kein Opfer, ich bin eine Siegerin"
Anderson selbst sieht einen Zusammenhang zwischen ihrer Vergangenheit und dieser neuen Phase ihres Lebens. In ihrer Arbeit habe sie einen Weg gefunden, Erfahrungen auszudrücken, für die ihr vielleicht lange die richtigen Worte fehlten. "Meine Wahrheit ist durch meine Arbeit zum Vorschein gekommen, indem ich Wege gefunden habe, mich durch die Kunst auszudrücken. Sie hat mir die Munition gegeben, die ich brauchte, ein reiches Leben, das ich nutzen und mit dem ich spielen kann", sagte sie zum Abschluss ihrer Rede.
Vor allem aber scheint die 59-Jährige heute ganz anders auf sich selbst zu blicken als die junge Frau, die sich nach ihrer Diagnose als "beschädigte Ware" empfand. "Ich bin kein Opfer, ich bin eine Siegerin. Ich bin stark und fähig, heute mehr, als ich es mir jemals hätte erträumen können ... Ich bin nicht die Jungfrau in Nöten, egal wie leicht es ist, diese Rolle zu spielen."
