Unterhaltung
Es klingt alles so, als wäre Spacey in seiner Rolle des Frank Underwood so gut gewesen, weil die Rolle des Ekels ihm auf den Leib geschrieben ist.
Es klingt alles so, als wäre Spacey in seiner Rolle des Frank Underwood so gut gewesen, weil die Rolle des Ekels ihm auf den Leib geschrieben ist.(Foto: imago/ZUMA Press)
Freitag, 03. November 2017

Übergriffe bei "House of Cards": Spacey war am Set "auf der Jagd"

Die Woche läuft nicht gut für Kevin Spacey. Binnen weniger Tage werden aus einem ersten Vorwurf Dutzende. Ehemalige Kollegen und Untergebene berichten, der Schauspieler habe bei den Drehs für "House of Cards" routinemäßig junge Männer bedrängt.

Ein ehemaliger Produktionsassistent der Netflixserie "House of Cards" erhebt schwere Vorwürfe gegen den Schauspieler Kevin Spacey. Damit endet für den Oscarpreisträger eine Woche, in der aus zunächst einem Vorwurf Dutzende geworden sind. Laut dem Produktionsassistent, der seine Geschichte CNN unter der Bedingung der Anonymität erzählt hat, befand sich Spacey am Set als grundsätzlich "auf der Jagd" und habe es dabei auf junge Männer abgesehen.

Der Mann berichtet von einer konkreten Begebenheit. Während der Produktion einer früheren Staffel habe er Spacey im Auto mit zum Set genommen. Wenige Minuten vor der Ankunft habe Spacey dem fahrenden Kollegen seine Hand in die Hose geschoben. Der Produktionsassistent sagte CNN, damit sei er nicht einverstanden gewesen, aber zu geschockt gewesen, um sich zu wehren. "Er war ein Mann in einer sehr mächtigen Position in der Show und ich war jemand sehr weit unten am Totempfahl und in der Nahrungskette."

Was daraufhin geschah, wollte der Mann dem Sender nicht erzählen, weil es ihn identifizierbar machen würde. Am Set angekommen, hätte er dem Schauspieler geholfen, seine Sachen in einen Caravan zu bringen. Dort habe Spacey ihn in die Ecke gedrückt, ihn am Hinausgehen gehindert und sich ihm ungebührlich genähert. "Ich sagte ihm, 'ich glaube nicht, dass das für mich okay ist, ich fühle mich dabei nicht wohl'", so der Produktionsassistent. Daraufhin sei Spacey nervös geworden, zu seinem Auto geeilt und habe das Set für den Rest des Tages verlassen.

Netflix richtet Krisenhotline ein

Weitere Kollegen haben dem US-Sender Vorfälle wie den beschriebenen bestätigt und weitere Beobachtungen berichtet. Demnach war es offenbar weithin sichtbar und bekannt, dass Spacey jüngere Kollegen anmachte. So soll er diese häufig in spielerische "Kämpfe" verwickelt haben, um sie dabei zu berühren. Einem jungen Kollegen, dessen Hinterteil beim Bücken kurz sichtbar wurde, soll er zugerufen haben: "Schöner Arsch!"

Der Produktionsassistent war sich gegenüber CNN sicher, dass Spacey seine Position bewusst ausgenutzt hat. "Ich habe keinen Zweifel, dass sein Jagdverhalten für ihn Routine war." Die Stimmung am Set sei vergiftet gewesen, weil sich viele männliche Kollegen mit dem Hauptdarsteller, der gleichzeitig Mitproduzent ist, nicht wohlfühlten. Das hätten auch Frauen beobachtet. Ein anderes Crewmitglied sagte CNN, dass Spacey ihn über alle sechs Staffeln hinweg immer wieder bedrängt habe. "Er kam von hinten und massierte meine Schultern oder schlang seine Arme um mich", berichtet er. Auch er sagte Spacey nicht, dass er aufhören solle. "Das ist das Schlimmste an der ganzen Sache."

Die Geschichten beeinträchtigen auch die laufende Produktion von "House of Cards". In dieser Woche wurde die Produktion vorerst gestoppt. Spaceys Presseagentin kündigte am Donnerstag. Auch einige Kreativpartner des Schauspielers teilten mit, dass sie getrennte Wege gingen. Netflix will die Vorwürfe nun prüfen. Bisher sei nur ein einziger Vorfall von vor fünf Jahren weitergetragen worden. Die Produktionsfirma MRC teilte mit, eine anonyme Beschwerdehotline eingerichtet zu haben. Dort stünden Krisenberater und Rechtsberater für sexuelle Belästigung bereit.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen