Das Gesicht aus dem FernseherTV-Charakterheld Michael Mendl stirbt mit 82 Jahren

Seine Stirnfalten waren sein Markenzeichen - als General von Hitler in "Der Untergang" und auch in der Erfolgsserie "Dark" von Netflix. Bevor ihn die Filmwelt entdeckte, spielte Michael Mendl lange am Theater. Jetzt ist er verstorben.
Sein Gesicht erinnert an viele Fernsehabende auf dem Sofa. Michael Mendl war mit seinen typischen Stirnfalten oft im Fernsehen zu sehen. Nun ist der Schauspieler im Alter von 82 Jahren gestorben, wie seine Agentin bestätigte. Mendl sei "friedlich eingeschlafen".
Mendl wirkte in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Seine Rollen klingen wie eine Reise durchs Geschichtsbuch. Mendl spielte Papst Johannes Paul II. oder auch Kanzler Willy Brandt "Im Schatten der Macht" über die Polit-Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume. Im Weltkriegsdrama "Der Untergang" wurde er als General in Hitlers Führerbunker zitiert. In der Netflix-Serie "Dark" spielt er ebenfalls mit.
Für seine Rolle als Kanzler wurde Mendl mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Für seine Rolle als Gefängnisinsasse in dem Film "14 Tage lebenslänglich" bekam er 1998 den Bayerischen Filmpreis.
Mendl war häufig in Dramen zu sehen und spielte auch schwierige Charaktere. Dass nicht jeder sofort seinen Namen im Kopf hatte, nahm er gelassen. "Viele kennen das Gesicht", sagte er 2019. Als er noch in München gewohnt und in Arbeitskleidung mal Gartenabfälle weggebracht habe, habe ihn eine Frau angesprochen: "Wir kennen Sie", habe die Frau gesagt. Und dann habe er geantwortet: "Ja ja, ich weiß. Aus Ihrem Wohnzimmer oder Schlafzimmer. Ich weiß ja nicht, wo Sie Ihren Fernseher stehen haben."
Die Frau habe nur "Wohnzimmer" gehört und zu ihrem Mann gesagt: "Ach, das ist der Mann, der unser Wohnzimmer geweißelt hat." Das habe er so stehen lassen, sagte Mendl damals. "Das ist doch süß."
Die Heimat war der Bahndamm
Geboren wurde der Schauspieler 1944 im westfälischen Lünen. Sein Vater war ein katholischer Priester, der der Mutter die Hochzeit versprach, dann aber eine andere wählte. Anfangs sei er von einer Tante zur nächsten gekommen. Heimat sei für ihn der Bahndamm gewesen. Da habe er sein Ohr drangelegt. Die Stahlseile, mit denen die Signale gezogen worden seien, hätten für ihn Musik gemacht. "Das liebte ich."
Später studierte Mendl kurz in Wien, ging an die Folkwangschule in Essen und stand ein Vierteljahrhundert auf Theaterbühnen. Erst mit 49 Jahren kam er 1992 in "Lange Schatten" zum Film. Da habe er wahnsinnig Glück gehabt, sagte er mal. Seinen Durchbruch im Fernsehen hatte er drei Jahre zuvor als "Koslowski" in der Krimireihe "Tatort".
In Fernsehfilmen spielte er durchaus den TV-Charmeur. Aber Mendl fand, er sei kein strahlender Liebhaberheld. "Sondern ich bin ein Charakterheld. Ich spiele die schweren, auch die bösen Rollen."
Wenn man ihm gegenübersaß, verfiel er im Gespräch auch mal ins Jemand-Anderes-Sein. Er lachte, wurde laut, schwäbelte. Eine besondere Vorliebe hatte er für das Arbeiten mit Holz. Die Schauspielerei bezeichnete er als einen gefährlichen Beruf, bei dem man sich gut kennen müsse. "Wir haben nicht Hammer und Säge, um etwas zusammenzubauen. Sondern wir haben nur uns selbst."
Wenn man etwas authentisch darstellen wolle, dann müsse man tief in die Rolle hinein. Man müsse immer in dem Wissen sein, dass man eine Rolle abrufen, aber auch jederzeit abstellen könne. "Ich habe da Gott sei Dank eine goldene Schere im Kopf", sagte Mendl damals. Mit dieser Vorstellung könne er sich von der Rolle lösen. Das sei auch am Theater so gewesen. "Ich war in der Rolle, aber am Ende habe ich mich privat verbeugt."
Bereits 2019 sprach Mendl offen darüber, dass zuletzt nicht mehr so viele Rollenangebote kamen. Das mache ihn "ein bisschen traurig". Sein Abschied viele Menschen auf dem Sofa auch.