Unterhaltung

Aus für Western-Klassiker Warum die ARD "Winnetou" nicht mehr zeigt

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Wird nun auch der Franzose Pierre Brice im "Winnetou"-Kostüm gecancelt?

(Foto: imago/United Archives)

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Mitten in die Debatte, ob die Geschichten von "Winnetou" noch in die heutige Zeit passen, platzt die Nachricht, dass die ARD den Karl-May-Klassiker nicht mehr senden wird. Doch das könnte auch mit Lizenz-Fragen zu tun haben.

Zig Millionen Deutsche sind mit "Winnetou" aufgewachsen. Sei es in Form der Bücher von Karl May, sei es mit Hörspielen über den Apachen-Häuptling oder sei es natürlich mit den legendären Verfilmungen aus den 1960er-Jahren. Umso aufgeheizter und emotionaler ist die Debatte, seitdem der Verlag Ravensburger zwei "Winnetou"-Bücher nach Rassismus-Vorwürfen aus dem Verkauf genommen hat.

Glaubt man einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov, hält eine überwältigende Mehrheit von 68 Prozent der Deutschen die Verlags-Entscheidung für falsch. Lediglich 13 Prozent befürworteten sie, während die restlichen Befragten keine Angabe machten.

Für Unmut dürfte vor diesem Hintergrund erst recht diese Meldung sorgen: Die ARD hat ebenfalls das Kriegsbeil gegen "Winnetou" ausgegraben. Das jedoch eher still und leise. Wie die "Bild"-Zeitung meldet, bestätigte der öffentlich-rechtliche Senderverbund auf Anfrage, dass die Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice in der Rolle des Apachen-Häuptlings von keiner ARD-Anstalt mehr ausgestrahlt werden.

Lizenzen 2020 ausgelaufen

Offen lässt der Bericht jedoch, ob dies mit der schwelenden Diskussion um die historische Darstellung anderer Kulturen zu tun hat, in der Vorwürfe von angeblicher "kultureller Aneignung" bis hin zu Rassismus im Raum stehen. Vielmehr heißt es, die ARD habe die Lizenzen für die "Winnetou"-Filme bereits 2020 auslaufen lassen und hege derzeit auch keine Pläne, diese zu erneuern.

Mit anderen Worten: Der öffentlich-rechtliche Verbund besitzt keine Rechte mehr für die Ausstrahlung der Western-Klassiker, die in den dritten Programmen oder Spartenkanälen der ARD gefühlt seit über 50 Jahren in Dauerschleife liefen - und das nicht nur an Weihnachten. Im "Bild"-Bericht heißt es jedoch auch, das ebenfalls öffentlich-rechtliche ZDF werde "in den nächsten Jahren" auch weiterhin "Winnetou"-Filme zeigen.

Egal, was genau der Anlass für die ARD-Entscheidung gewesen sein mag: Sie dürfte die Diskussion, die längst über die Karl-May-Geschichten hinaus geht und etwa auch die Frage aufwirft, ob die Bezeichnung "Indianer" getilgt werden muss, noch einmal kräftig anheizen. Der Kriegspfad zwischen "Winnetou"-Nostalgikern und "woken" Kritikern dürfte bereitet sein.

Quelle: ntv.de, vpr

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