Einst Blickfang, heute BossWie sich Salma Hayek vom sexy Image freitanzte

Salma Hayek wird als laszive Vampirin in "From Dusk Till Dawn" berühmt. Auf sexy Rollen will sich die nun 60-Jährige jedoch nicht reduzieren lassen. In Hollywood kämpft sie gegen überholte Frauenbilder - und Harvey Weinstein.
Es ist eine dieser Filmszenen, die sich für immer ins Gedächtnis einbrennen: Eine schöne Frau im blutroten Bikini tanzt in einer schaurigen Spelunke auf einem Tisch, eine gelbe Schlange windet sich um ihren Körper. Die vor ihr sitzenden lüsternen Männer ahnen nicht, dass sie in wenigen Minuten zur Beute werden, denn die Tänzerin ist eine blutdürstige Vampirin mit dem unheilvollen Namen Santanico Pandemonium. Gespielt wird sie von Salma Hayek, die durch diesen erotischen Schlangentanz im Kultfilm "From Dusk Till Dawn" 1996 über Nacht berühmt wird.
Das Robert Rodriguez die Schauspielerin in seinem Film, dessen Drehbuch Quentin Tarantino schrieb, im knappen Bikini als erotisches Objekt männlicher Begierde inszenierte, steht exemplarisch für Hayeks Anfänge in Hollywood. Zuvor hatte sie bereits in seinem Film "Desperado" an der Seite von Antonio Banderas die Rolle einer außergewöhnlich schönen Frau gespielt, die den männlichen Hauptdarsteller verführt. Viel Text war im Drehbuch dabei nicht für sie vorgesehen.
"Sobald ich meinen Mund aufmachte, fingen die Probleme an", erklärte Hayek Jahre später dem Magazin "Spiegel" in einem Interview. Frauen hatten damals noch wenig zu sagen in Filmen, Latinas mit ihrem Akzent noch weniger. Trotzdem schaffte es die Mexikanerin, ihre eigene Geschichte zu schreiben.
Dafür musste Hayek, die am heutigen 2. September ihren 60. Geburtstag feiert, sich ganz schön durchbeißen. Ironischerweise auch in der "From Dusk Till Dawn"-Szene, die ihr Durchbruch wurde. Denn die Schauspielerin hatte panische Angst vor Schlangen und wollte die Szene keinesfalls drehen. Dass sie mit dem Tier arbeiten sollte, erfuhr sie erst im letzten Moment. Als sie protestierte, wurde ihr damit gedroht, sie mit Madonna zu ersetzen. Um den Dreh zu schaffen, versetzte sie sich in eine Art Trance und improvisierte den gesamten Tanz.
Auch, wenn viele männlicher Filmfans bei Hayek möglicherweise immer noch zuerst an Santanico Pandemonium denken, hat sich die 60-Jährige in Hollywood längst einen Namen jenseits von Schlangentanz und sexy Hingucker-Rollen gemacht - spätestens mit ihrem Herzensprojekt "Frida". Beim Biopic über Frida Kahlo, die wohl bekannteste Malerin der Welt, spielte Hayek nicht nur die Hauptrolle, sondern fungiert auch als Co-Produzentin. "Ich habe acht Jahre gebraucht, um den Film zu verwirklichen, und ich bin sehr stolz darauf, weil ich das praktisch im Alleingang und allen Widerständen zum Trotz geschafft habe - zu einer Zeit, als ich noch nicht sehr bekannt war. Ein Film, den niemand machen wollte."
Harvey Weinstein war fieser als die Schlange
Auch während dieser Dreharbeiten hatte Hayek zu kämpfen. Ihr Problem war diesmal keine Schlange, sondern: Harvey Weinstein. Im Zuge der #MeToo-Bewegung ging Salma Hayek im Dezember 2017 mit einem erschreckenden Essay in der "New York Times" an die Öffentlichkeit, in dem sie Weinstein scharf beschuldigte. Während der Produktion ihres Erfolgsfilms sei sie von ihm jahrelang sexuell belästigt, bedrängt und nach wiederholten Abweisungen sogar mit dem Tod bedroht worden.
Obwohl Weinstein den Erfolg des Films massiv sabotierte, erhielt "Frida" sechs Oscar-Nominierungen und bekam zwei der Auszeichnungen. Ab da war Hayek quasi nicht mehr zu stoppen. Im Anschluss produzierte sie die Erfolgsserie "Ugly Betty", spielte in "Bandidas", "Savages" und "The Hitman's Bodyguard", wurde in "Magic Mike" selbst lasziv angetanzt und übernahm Rollen in "Eternals" und "House of Gucci".
Auch privat fand sie ihr Glück: Nach Beziehungen, unter anderem mit Schauspieler Edward Norton, ist Hayek inzwischen seit 20 Jahren mit dem schwerreichen französischen Unternehmer François-Henri Pinault liiert. Am Valentinstag 2009 gaben sie sich das Jawort. Ihre Tochter Valentina Paloma kam zwei Jahre vor der Hochzeit zur Welt.
Seit Jahren setzt sich Hayek auch dafür ein, Frauen die Angst vor dem Alter zu nehmen. Sie erzählt von ihren Erfahrungen mit der Menopause und kritisierte die Vorstellung, eine Frau verliere mit dem Ende ihrer Fruchtbarkeit auch ihren Wert. Beim "Red Table Talk" sagte sie 2021: "Man kann in jedem Alter richtig durchstarten. Man kann sich in jedem Alter behaupten, man kann in jedem Alter träumen, man kann in jedem Alter romantisch sein. Wir haben das Recht, dafür geliebt zu werden, wer wir sind und wo wir gerade im Leben stehen."