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Erster Song seit (fast) 6 JahrenXavier Naidoo singt auf "Liebe" und "Frieden"

30.01.2026, 15:04 Uhr
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Auf sein Live-Comeback folgt sein Song-Comeback: Xavier Naidoo. (Foto: IMAGO/Berlinfoto)

Nach seinem Live-Comeback wagt sich Xavier Naidoo nun auch wieder mit einem neuen Song aus der Deckung. Der Text von "Auf die Liebe" kann getrost als unverfänglich bezeichnet werden. Seine erste neue Musik "nach über sechs Jahren", wie er behauptet, ist es aber nicht.

Xavier Naidoo hat die nächste Stufe im Rahmen seines umstrittenen Comebacks gezündet. Nachdem er im Dezember mit zwei Auftritten in Köln auf die Bühne zurückgekehrt war, hat er nun mit "Auf die Liebe" auch einen neuen Song veröffentlicht. Das Lied wurde in der Nacht auf Freitag beispielsweise auf Youtube hochgeladen - mit einem Standbild, das den Sänger von hinten vor einer proppevollen Arena zeigt. Ein Musikvideo dazu gibt es bisher nicht.

Musikalisch und textlich geht Naidoo mit dem Song zu seinen Wurzeln zurück, die ihn zu einem der erfolgreichsten Schmusesänger Deutschlands werden ließen. "Einmal noch für die Liebe. Einmal hoch auf den Frieden. Bald wünschten wir, wir wären geblieben Einmal noch hoch auf die Liebe", singt er im Refrain. Das kann getrost als unverfänglich bezeichnet werden - was auch immer er unter "Liebe" und "Frieden" versteht.

Am Vortag hatte Naidoo die Veröffentlichung des Songs auf seiner Instagram-Seite beworben. "Morgen ist es so weit. Nach über 6 Jahren gibt es endlich neue Musik", schrieb er dort. "Seid ihr gespannt und freut euch auch so?", fragte er zudem seine etwas mehr als 600.000 Followerinnen und Follower und fügte hinzu: "Auf die Liebe!"

Da war doch noch was ...

Wenn Naidoo von neuer Musik "nach über 6 Jahren" spricht, bezieht er sich freilich lediglich auf seine offizielle Solo-Diskografie, die tatsächlich 2019 mit dem Album "Hin und weg" und mehreren Single-Auskopplungen daraus beim Sony-Label endete. Noch keine sechs Jahre ist es dagegen her, dass er auf seinem Telegram-Kanal zumindest Song-Ausschnitte präsentierte, in denen er etwa Deutschland als ein Land darstellte, in dem "fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt". Oder in denen er schwadronierte: "Weit und breit ist hier kein Mann, der dieses Land noch retten kann. Hauptsache es ist politisch korrekt - auch wenn ihr daran verreckt."

Die Veröffentlichung dieser Song-Ideen, die laut Naidoo für ein geplantes Album "Hin und weg 2" vorgesehen waren, führte damals dazu, dass RTL die Reißleine zog: Im März 2020 warf der Sender den Sänger aus der Jury von "Deutschland sucht den Superstar".

Noch keine fünf Jahre ist es wiederum her, dass sich Naidoo mit dem Projekt Rapbellions für den Song "Ich mach da nicht mit" zusammentat. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie griffen in dem Lied mehr als ein Dutzend Rapper zum Mikrofon - für Textzeilen zwischen Verschwörungsmärchen und Gewaltfantasien. "Die Zeichen sind da, bewaffne dich, vernichte den tiefen Staat", hieß es da zum Beispiel, während Naidoo im Refrain säuselte: "Ich mach da nicht mit, es kann gar nicht sein, euer Gift kommt niemals in unsere Körper rein. Die Geschwister und ich, wir wagen den Schritt, wir machen nicht mit."

Zwei Verfahren noch anhängig

Im April 2022 postete Naidoo sein rund drei Minuten langes Video, in dem er um "Verzeihung" bat. Er sprach von "Irrwegen", "vielen Fehlern" in der Vergangenheit und davon, "von Verschwörungserzählungen geblendet" gewesen zu sein. Er habe sich "zum Teil instrumentalisieren lassen" und "Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue". Nun wolle er sich jedoch "von allen Extremen" distanzieren, vor allem "von rechten und verschwörerischen Gruppen".

Angesichts der langen Historie, in der sich Naidoo spätestens seit 2009 allerdings genau in diesen Gruppen komplett zu Hause zu fühlen schien, reicht dieses Statement allein aber vielen nach wie vor nicht aus. Bis heute hat der mittlerweile 54-Jährige kein weiteres Wort über seine antisemitischen, fremdenfeindlichen und verschwörerischen Aussagen oder seine rechten Schulterschlüsse in der Vergangenheit verloren. Auch nicht im Rahmen seines Live-Comebacks, das er vor wenigen Wochen gefeiert hat.

Und während Naidoo nun wieder über "Liebe" und "Frieden" singt, waren am Landgericht Mannheim bis zuletzt noch zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen ihn anhängig. In ihnen geht es laut Staatsanwaltschaft um Antisemitismus und die Leugnung des Holocausts. Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, ist noch offen.

Nicht offen ist unterdessen, dass viele Fans und auch die einen oder anderen Kollegen des Sängers darüber hinwegsehen. Naidoos Kumpel Moses Pelham holte ihn schon 2024 für zwei Songs als Gast erneut vors Mikro. Und Naidoos Konzerte in Köln waren blitzschnell ausverkauft. So blitzschnell, dass er im Januar direkt noch eine Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz anschloss.

Quelle: ntv.de, vpr

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