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Freunde von Heard vor Gericht Zeuge nennt Depp "misogyn und grausam"

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Die Aussage von Heards früherer Freundin Raquel Pennington war schon im Januar aufgezeichnet worden.

(Foto: AP)

In den vergangenen Wochen haben etliche Zeugen vor Gericht für Johnny Depp ausgesagt und schwere Anschuldigungen gegen seine Ex-Frau erhoben. Nun wendet sich das Blatt. Erstmals sagen zwei ehemalige Freunde für Amber Heard aus.

In dem laufenden Verleumdungsprozess, den "Fluch der Karibik"-Star Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard gegeneinander führen, sind am Dienstag nach dem Ende des Kreuzverhörs von Heard zwei ehemalige Freunde der Schauspielerin, iO Tillet Wright und Raquel Pennington, in den Zeugenstand getreten. Sie sagten jedoch nicht im Gericht des Bezirks Fairfax im US-Bundesstaat Virginia aus, stattdessen wurden den Geschworenen aufgezeichnete Befragungen vom März und Januar 2022 gezeigt.

Tillet Wright sagte aus, von 2011 bis April letzen Jahres mit Heard befreundet gewesen zu sein und ab August 2013 zehn Monate in einem von Johnny Depps Häusern in Los Angeles gelebt zu haben. Mit dem Schauspieler habe er sich zunächst ebenfalls sehr gut verstanden, im Dezember 2015 sei die Freundschaft jedoch zerbrochen. Auf die Gründe, weshalb er mit dem Ex-Paar nicht mehr befreundet sei, ging er jedoch nicht ein. Depp beschrieb der 38-Jährige im nüchternen Zustand als "unglaublich intelligent", "einfallsreich" und "großzügig". Er habe sofort eine Verbindung zu ihm gespürt wie mit wenigen Menschen zuvor, so der Autor und Fotograf.

Wenn Depp "betrunken oder high" gewesen sei, habe er sich jedoch in eine "gemeine und bösartige" Person verwandelt, sei "misogyn und grausam" gewesen. Als Beispiel nannte Tillet Wright einen Streit zwischen dem Ex-Paar, den er einst miterlebt habe. Depp habe Heard vorgeworfen, kein Talent zu haben. Wenn "ihre Titten zu hängen beginnen oder sie Falten bekommt", würde sich niemand um sie kümmern, habe er gesagt. Während der Hochzeit des Paares auf den Bahamas habe der Hollywood-Star behauptet, er könne Heard "ins Gesicht schlagen", sobald sie seine Ehefrau sei. Er habe aber nie gesehen, dass Depp Heard geschlagen oder anderweitig körperlich misshandelt habe, sagte Tillet Wright.

"Du denkst, ich habe dich geschlagen?"

Depp habe sich ihm des Öfteren anvertraut, sagte der 36-Jährige weiter. So habe er seine Ex mit seiner Mutter verglichen und sich an ihre Grausamkeiten ihm gegenüber erinnert. Die 2016 verstorbene Betty Sue soll äußerst gewalttätig gewesen sein. Außerdem habe Depp offen mit ihm über seinen Alkohol- und Drogenkonsum gesprochen für den er sich geschämt habe. Auch von "Blackouts" sei die Rede gewesen. Tillet Wright habe selbst Depps Filmrisse miterlebt, sagte er. Trotzdem habe der "Fluch der Karibik"-Star es ärgerlich gefunden, für Amber Heard nüchtern sein zu müssen, weil er sagte, lieber Drogen nehmen zu wollen.

Auch zu dem "Monster", in das sich Depp verwandelt haben soll, äußerte sich Tillet Wright: Wenn der Schauspieler betrunken oder high war, habe er sich etwa ausgemalt, dass Heard ihn mit vielen Leuten von ihrem Filmset betrüge. Depp sei sehr eifersüchtig gewesen und habe ihm verraten, dass dies auch ein Problem in früheren Beziehungen mit Kate Moss, Winona Ryder und seiner Ex-Frau Vanessa Paradis gewesen sei.

Tillet Wright erinnerte sich auch an einen Anruf, den er im Mai 2016 von Heard bekommen haben soll. Depp sei ebenfalls am Hörer gewesen und habe ihn gefragt, ob er an Heards 30. Geburtstag - an dem er nicht anwesend gewesen war - in sein Bett gekotet habe. Als Tillet Wright und Heard angefangen hätten zu lachen, sei Depp wütend geworden und er habe einen Knall und dann Schreie am anderen Ende des Hörers gehört. Depp habe gebrüllt: "Du denkst, ich habe dich geschlagen?", da habe er aufgelegt. Er habe umgehend Raquel Pennington angerufen, die in Los Angeles nebenan in Depps Penthouse wohnte und habe dann zweimal die Polizei angerufen.

Freundin bezeugt "aggressiven" Johnny Depp

Raquel Pennington, einst Heards beste Freundin, sagte nach Tillet Wright in einer ebenfalls vorab aufgezeichneten Befragung aus. Wie ihr Vorgänger war Pennington bei mehreren größeren Vorfälle zwischen Heard und Depp anwesend gewesen, die während des Prozesses angesprochen wurden. Sie und ihr Partner Josh Drew hatten in einem der Penthäuser von Depp im Eastern Columbia Building in Los Angeles gelebt. Sie sagte aus, ab 2003 mit Heard befreundet gewesen zu sein. Zuletzt hätten sie sich jedoch auseinandergelebt. Seit einem Jahr hätten sie nicht mehr gesprochen, seien aber "keine Feindinnen".

Pennington wurde zunächst nach mehreren Auseinandersetzung gefragt, die sie mit Heard hatte. An einem Thanksgiving-Fest hätten sie sie sich über einige Weingläser gestritten, die sie nicht finden konnten. Heard habe gedacht, ihre Freundin habe nicht intensiv genug gesucht, woraufhin Pennington sie geschubst habe. Heard habe sie entweder zurückgestoßen oder sie auf die Wange geschlagen.

Auch zu einem Vorfall in einer Wohnwagensiedlung in Hicksville wurde Pennington befragt. Sie hatte dort mit mehreren Freunden, darunter Amber Heard und Johnny Depp, ein Drogenwochenende verbracht. Heard wirft ihrem Ex vor, einer ihrer Freundinnen gegenüber handgreiflich geworden zu sein, weil diese ihr zu nahe gekommen sei. Im Wohnwagen soll er Heard dann geschlagen und die Einrichtung zerstört haben. Pennington sagte aus, den Streit am Lagerfeuer mitbekommen zu haben. Depp sei wütend auf Kelly Sue Molano gewesen und aggressiv geworden. Er habe geschrien: "Runter von meiner Frau!" An eine spätere Auseinandersetzung zwischen Depp und Heard könne sie sich aber nicht erinnern, sie habe auch keine Schreie aus dem Wohnwagen gehört. Am nächsten Tag habe sie jedoch gesehen, dass die Lampe kaputt war. Die Befragung von Pennington und weiteren Zeugen von Amber Heard wird am Mittwoch fortgesetzt.

Vor Tillet Wright und Pennington war Amber Heard im Kreuzverhör mit den Anwälten ihres Ex-Mannes gewesen. Die Anschuldigungen ihres Ex-Mannes, mit dem sie sich gegenseitig der häuslichen Gewalt beschuldigt, bezeichnete Heard darin als "orchestrierte Schmutzkampagne" gegen sie. Am Montag war sie einer Lüge bezüglich ihrer Scheidungsvereinbarung überführt worden. Die 36-Jährige gab zu, sich nicht daran gehalten zu haben, sieben Millionen US-Dollar an die Menschenrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) und das Kinderkrankenhaus in Los Angeles zu spenden. Dies hatte sie zuvor mehrfach behauptet, auch unter Eid während Depps Verleumdungsklage gegen "The Sun" in London.

Quelle: ntv.de, lpe

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