Kino

"Findet Dorie" folgt "Findet Nemo" Ach, vergiss es doch einfach!

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Jetzt hat sie auch ihren eigenen Film: die blau-gelbe Palettendoktorfisch-Dame Dorie.

(Foto: Pixar / Walt Disney Company)

13 Jahre sind seit "Findet Nemo" vergangen. Doch wer den Streifen deshalb vergessen hat, leidet sicher an Gedächtnisverschwund. So wie Dorie, die nun durch ihren eigenen Film schwimmt. Und auch an den wird man sich noch lange erinnern.

Als 2003 "Findet Nemo" in die Kinos kam, war das der bis dahin fünfte abendfüllende Film aus den Pixar-Studios. Schon mit "Das große Krabbeln", "Die Monster AG" und den beiden ersten "Toy Story"-Abenteuern hatte die Animationsschmiede große Erfolge gefeiert. Ihr Chef, Apple-Mitbegründer Steve Jobs, wurde dadurch zum Milliardär. Doch erst die Geschichte des in den Weiten des Ozeans verloren gegangenen Clownfischs zementierte endgültig den Ruf Pixars als neuer Stern am Trickfilm-Himmel. Da konnte auch der bisher unangreifbar wirkende, aber in die Jahre gekommene Zeichentrick-Patriarch nicht länger widerstehen: 2006 schluckte der Walt-Disney-Konzern die Pixar-Studios - und verpasste sich so für schlappe 7,4 Milliarden Dollar die dringend benötigte Frischzellenkur.

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Auch wenn sich in "Findet Nemo" alles um die Suche nach der Titelfigur drehte - die eigentlichen Helden des Films waren andere. Die nämlich, die sich aufmachten, den kleinen Clownfisch aus den Fängen eines Zahnarztes und seiner grenzdebilen Nichte im unendlich weit entfernten Sydney zu befreien - allen voran Nemos Vater Marlin und natürlich dessen Zufallsbekanntschaft, die dauerverwirrte Palettendoktorfisch-Dame Dorie. Zu Helden wurden bei "Findet Nemo" zudem ein paar nur allzu menschliche Protagonisten, die auf der Leinwand zwar nicht zu sehen, dafür aber umso deutlicher zu hören waren. Nicht nur Albert Brooks und Ellen DeGeneres verdienten sich als die Stimmen von Marlin und Dorie im englischen Original ordentlich Meriten, auch Christian Tramitz und vor allem Anke Engelke lieferten in der deutschen Fassung eine kongeniale Synchronisation ab.

Der Titel als Mogelpackung

Klar, dass sie alle nun auch wieder mit von der Partie sind, wenn es jetzt im Kino "Findet Dorie" heißt. Sage und schreibe 13 Jahre ließen sich die Macher von "Findet Nemo" um Regisseur Andrew Stanton Zeit, um am Nachfolger ihrer Erfolgsgeschichte aus den Tiefen des Meeres zu schrauben - in Zeiten, in denen Sequels von Blockbustern normalerweise nur so im Stakkato-Takt herausgehauen werden, eine wahre Ewigkeit. Dabei ist der Titel eigentlich eine Mogelpackung. Zwar geht die seit ihrer Geburt an "Gedächtnisverschwund" leidende Dorie zu Beginn tatsächlich ihren Eltern verloren. Doch in der Folge dreht sich alles nicht etwa darum, Dorie wiederzufinden. Vielmehr ist sie es, die sich auf die Suche nach ihrer Familie begibt.

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Auch Krake Hank spielt eine tragende Rolle.

(Foto: Pixar / Walt Disney Company)

So kann die blau-gelbe Fisch-Lady zum zweiten Mal auf der Leinwand zur Hauptfigur und Heldin werden. Stanton und sein Team hätten wohl auch an ähnlicher geistiger Verwirrung wie Dorie leiden müssen, wenn sie den Trumpf dieses liebenswert-skurrilen Charakters nicht voll ausgespielt hätten. Aber es gesellen sich - neben bekannten Figuren wie Marlin und Nemo - auch noch neue Lichtgestalten zu Dorie ins Wasser: der siebenarmige Krake Hank etwa (im englischen Original übrigens gesprochen von "Al Bundy" Ed O'Neill), Dories kurzsichtige Walhai-Freundin Destiny oder aber der Belugawal Bailey, ein ausgewiesener Echolot-Spezialist. Natürlich ist es da von Vorteil, dass Dorie nach wie vor bestens Walisch spricht ...

Emotionale Achterbahnfahrt

Was lange währt, wird endlich gut, heißt es bekanntlich. Für "Findet Dorie" gilt das allemal. Die Liebe, die 13 Jahre lang in ihn gesteckt wurde, merkt man dem Film von der ersten bis zur letzten Minute an. So stellt der Streifen nicht nur aufgrund der mittlerweile noch einmal um ein vielfaches ausgefeilteren Animationstechnik den natürlich auch schon großartigen und oscarprämierten Vorgänger geradezu in den Schatten. Wärmer, pointierter und humorvoller kann ein Animationsfilm kaum sein. Das führt dann sogar dazu, dass gestandene Erwachsene bei der einen oder anderen Trickfilm-Szene schon fast den Tränen nahe sind. Oder aber dazu, dass sie beim Lachen über Dories drolliges Handicap der Fisch-Dame am liebsten freundlich zurufen würden: "Ach, vergiss es doch einfach!"

Die emotionale Achterbahnfahrt in Bild und Ton, auf die "Findet Dorie" einen mitnimmt, kulminiert in einem anarchisch-absurden Schlussakkord, der einen ebenso sehr auf die Schenkel klopfen lässt wie er nachhallt. Dorie mag all das inzwischen längst vergessen haben. Aber alle anderen werden sich noch lange an diesen Film erinnern.

"Findet Dorie" läuft ab 29. September 2016 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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