Kino

Drogen, Frauen, Geld und Autos "Asphaltgorillas" ballern durch Berlin

Prinzipiell geht es immer darum, möglichst schnell möglichst viel Kohle zu machen. V.l.n.r.: Nesrin (Juju von SXTN), Marie (Ella Rumpf), Ceylan (Nura von SXTN) und Atris (Samuel Schneider).jpg

Eigentlich wollte Atris Marie nur vor den Security-Leuten retten, aber nun sitzt sie im Auto und die zwei Schnecken noch dazu, die nicht aufhören zu reden (Juju und Nura von SXTN).

(Foto: 2018 Constantin Film Verleih GmbH)

Detlev Buck dreht einen Berliner Gangsterfilm, Vorlage war ein Buch von Ferdinand von Schirach, der Soundtrack stammt von Peter Fox: Klingt nach einem Knaller? Ist es auch!

Frank fährt mit einem wirklich fetten Schlitten vor, einem Lamborghini in Metallicblau, er riecht gut und ist gut gekleidet - aber der "Lambo" gehört ihm gar nicht, er hat eigentlich nicht mal eine Wohnung. Aber er tut überzeugend so als ob, und mit dieser Hochstapelei ist er auch bei Oxana (Stefanie Giesinger) gelandet, der reichen Tochter eines stinkreichen Russen. Ihr gehört das Auto, das Frank als seines ausgibt. Und aus dem dicken Stapel Geld, das der liebende Vater seinem Töchterchen gibt, damit sie beide sich eine Wohnung kaufen können, will Frank mithilfe von in Polen tätigen Asiaten einen noch viel dickeren Stapel Falschgeld machen. Denn hey: Wen interessiert es, ob das Geld echt oder falsch ist? Geld ist Geld.

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Detlev Buck begibt sich mit seinem neuen Film "Asphaltgorillas" in die Welt der Berliner Ganoven von heute, der großen und der kleinen. Und die kleinen wollen auch nach oben, wollen nicht mehr nur Handlanger oder Zuträger sein. So wie Kleindealer Atris, der für den Gangsterboss El Kaitar arbeitet. Er wohnt noch zu Hause bei seinen Eltern, zieht vor der Tür immer ordentlich die Schuhe aus und bekommt fast täglich von den Eltern Heiratskandidatinnen aus für würdig befundenen Familien vorgesetzt. Bis er Frank wiedertrifft, seinen Freund aus Kindertagen, der ihn überredet, ihm bei dem Falschgeld-Deal zu helfen. Angeblich leicht verdientes Geld, viel Geld - nur bisschen warten und dann übergeben. Kein Ding!

Murphy's Law: "Anything that can go wrong will go wrong"

Aber man ahnt es schon: Der Deal geht schief. Und das ist stark untertrieben. Murphys Gesetz schlägt richtig zu: Es geht schief, was nur schiefgehen kann. Frank gerät immer tiefer in die Scheiße - und das nicht nur im übertragenen Sinne. Neben viel Blut spritzt hier auch viel Hundescheiße, denn der Rottweiler des reichen Russen hat den Schlüssel gefressen - den Schlüssel aus der gleichnamigen Geschichte von Ferdinand von Schirach, die als Vorlage für "Asphaltgorillas" diente - und der Schlüssel ist wichtig, denn er soll das (angebliche) Geldlager öffnen. Wie holt man den Schlüssel schnell aus dem Hund? Abführmittel soll helfen. Tut es aber nicht.

El Keitar (Kida Khodr Ramadan) ist extrem sauer: Seiner Meinung nach bringt ihm Atris' (Samuel Schneider, m.) neue Begleiterin Marie (Ella Rumpf) nicht genügend Respekt entgegen.jpg

El Keitar ist sauer: Seiner Meinung nach bringt ihm Atris' Begleiterin Marie nicht genügend Respekt entgegen.

(Foto: © 2018 Constantin Film Verleih GmbH)

Inzwischen hat Atris die coole, hübsche Ladendiebin Marie getroffen, sie steckt nun tief mit drin - und will natürlich ihren Anteil. Ebenso der Österreicher Ronny mit seinem Outfit eines heruntergekommenen Zuhälters (ein Vergnügen: Georg Friedrich, "Wilde Maus"), der zwischenzeitlich auf dem Geldstapel sitzt, aber dummerweise erstmal duschen gehen muss. Das Ganze wird beobachtet von einer mongolischen Killerin (Uisenma Borchu), die Martial-Arts-mäßig immer mal eingreift und ohne das Gesicht zu verziehen eine Spur des Todes hinterlässt. Zwischendurch wird dem reichen Rapper Kotti-Boss vor seinen Augen sein goldener Lamborghini geklaut und dem reichen Russen ein Gemälde von der Wand. Hinzu kommen noch diverse andere kleine und große Katastrophen.

Wo ist das Geld?

Es läuft also so gar nicht, Frank steht kurz vor der Explosion. Und als es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann, stellt er sich einem Faustkampf mit El Kaitars rechter Hand Omar (Stipe Erceg) - eine eigentlich brutale Szene, die durch das elegante Tänzeln Omars vor dem nächsten Schlag und der sich um die Stange windende Poledance-Dame im Glitzeroutfit neben ihnen ins Absurde gezogen wird. Hund weg, Gemälde weg, Lambo weg, Zähne raus, Gesicht blutig - wie soll er das Oxana erklären? Und vor allem: Wo ist überhaupt das Geld?

Zwischen Bucks "Karniggels" und den "Asphaltgorillas" liegen thematisch und ästhetisch Welten, es riecht nun gar nicht mehr nach norddeutschem Dorf, sondern nach großer weiter Kinowelt. Sein Berliner Gangsterfilm erinnert in Teilen an Quentin Tarantinos "Kill Bill" oder "Pulp Fiction" oder auch an "Bube, Dame, König, Gras" von Guy Ritchie. Schnelle Autos, Drogen, dumme und schlaue Gangster, cool-brutale und taffe Frauen, dümmliche Bräute und Dialoge wie diese hier zwischen Gangsterrapper und Gangsterboss: "Is der jetz rischtisch tot? Ja, der is tot, kannste ein Lied drüber machen!" Dazu ein wirklich cooler Soundtrack unter anderem von Pierre Baigorry aka Peter Fox (Seeed) - der "Stadtaffe" passt hervorragend zu den "Asphaltgorillas". Ähnlich cool und durchgeknallt kam Berlin wohl zuletzt in dem One-Take-Film "Victoria" rüber.

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Ab 30. August toben die Asphaltgorillas über deutsche Kinoleinwände.

(Foto: Constantin Film Verleih)

Viele junge Gesichter

Neben ein paar wenigen bekannten Film- und Fernseh-Gesichtern wie Kida Khodr Ramadan ("4 Blocks") als Gangsterboss El Kaitar und Stipe Erceg ("Die fetten Jahre sind vorbei", "Der Baader Meinhof Komplex") als El Kaitars Bodyguard kommt jede Menge Nachwuchs zum Einsatz, den man bisher nur selten oder noch nie auf der Leinwand gesehen hat: Samuel Schneider ("Boxhagener Platz", "Exit Marrakech") spielt den Kleindealer Atris; den Hochstapler Frank gibt Jannis Niewöhner ("High Society"). Und Ella Rumpf (die Ladendiebin Marie) hatte sich erst 2017 mit "Tiger Girl" laut bemerkbar gemacht.

Sogar "Germany's next Topmodel" von 2014, Stefanie Giesinger, hat eine Rolle - die Tochter von Russlanddeutschen ist Oxana, die reiche Russentochter und Freundin von Frank. Rapper Capital Bra gibt einen Grasdealer und Ssio als Kotti-Boss spielt sich quasi selber.

Zwar basiert die Handlung von "Asphaltgorillas" auf einem Tatsachenbericht aus Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichtensammlung "Schuld", aber hat sich davon doch sehr weit entfernt. Oder wie von Schirach bei der Filmpremiere am 21. August in der Berliner Kulturbrauerei sagte: "Der Film hat überhaupt gar nichts mehr mit meinem Buch zu tun, aber ich finde ihn toll! Sehr gelungen!"

Wer sich an blutigen Gesichtern in Großaufnahme, Gewalt in Zeitlupe und vollgekackten Autos nicht stört, aber an einer rasanten Achterbahnfahrt-Story Vergnügen findet, an coolen Sprüchen und einer irrwitzigen Zuspitzung, wird mit den Asphaltgorillas garantiert viel Spaß haben. Gute Unterhaltung.

Der Film "Asphaltgorillas" startet am 30. August 2018 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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