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"Live By Night" von und mit Affleck Auch Gangster haben ein Herz

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In seinem neuen Film "Live By Night" spielt Ben Affleck den guten Gangster.

(Foto: WARNER BROS.)

Einem Mann, der alles gesehen hat, kann man es nicht übel nehmen, wenn er vom rechten Pfad abkommt. Solange nur die Gesinnung stimmt. Nach dieser Philosophie mimt Ben Affleck den Gangster in seinem neusten Regiestreich "Live By Night".

Ein Oscar für den besten Film, ein Oscar für das beste adaptierte Drehbuch und ein Oscar für den besten Schnitt. Als Ben Affleck mit "Argo" das letzte Mal einen Film von und mit ihm präsentierte, lief es wahrlich gut für den Hollywoodstar. Das war 2012. Nun, rund vier Jahre später hat er das Pech, an alten Erfolgen gemessen zu werden. Affleck neuster Film "Live By Night" basiert wie auch sein erster, "Gone Baby Gone" aus dem Jahr 2007, auf einem Krimi von Dennis Lehane. Es ist eine Gangsterstory, mit allen Mitteln der kinematografischen Darstellungskunst auf Hochglanz poliert.

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Affleck spielt in "Live By Night" Joe Coughlin, einen anständigen Typen, dem der Krieg das Gewissen zerfetzt hat. Im Boston der 20er Jahre schlägt er sich mit Raubüberfällen durch und bettet seinen müden Outlaw-Kopf am Ende der Nacht im Schoße einer vulgär zynischen Prostituierten, die ärgerlicherweise auch die Geliebte des irischen Mafia-Bosses ist. Diese Liebe soll Joe weder körperlich noch seelisch unversehrt entlassen. Sein gebrochenes Herz lässt ihn sich der italienischen Mafia anschließen. Die schickt ihn nach Tampa an den Golf von Mexiko, wo Joe in Zeiten der Prohibition den Rumschmuggel überwachen soll.

Knatterkarren und Retro-Anzüge

Seinem stylischen Setting wird Affleck in jedem Moment gerecht. Die schwarz-blau dunklen Gassen des Nordens leuchten wie die sonnendurchfluteten Flaniermeilen des Südens. Die Sets sind atemberaubend, die Actionsequenzen stimmen - etwa eine Verfolgungsjagd mit den Knatterkarren von damals. Ein wohl choreografiertes Blutbad lässt Affleck genauso gut aussehen wie die cremefarbenen Retro-Anzüge, die so lässig sein Quarterback-Kreuz behängen. Das Drehbuch stimmt und wird noch besser durch das makellose Spiel des Casts. Einzig der Funke will nicht überspringen.

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Elle Fanning bekommt in "Live By Night" ihren ganz großen Auftritt.

(Foto: WARNER BROS.)

"Live By Night" ist einer dieser Filme, die, während sie noch in vollem Gange sind, absolut alles richtig, am Ende aber irgendetwas doch falsch machen. Vielleicht ist der Streifen mit seinen 129 Minuten etwas zu lang, vielleicht ist das bereits ein Indiz dafür, wie gut er sich selbst gefällt. Die eigentlichen Probleme von "Live By Night" sind hier jedoch nicht zu verorten. Vielleicht sind es Problemchen, aber als solche wirken sie dann doch so maßgeblich auf den Spannungsbogen des Films, dass er nicht ganz das Feuer fangen will, das er gelegt hat.

Die liebenden Frauen

Verschwendet etwa sind die großartigen Frauenfiguren - und das nicht nur, weil sie von herausragenden Schauspielerinnen gespielt werden. Sienna Miller wäre als Joes erste Liebe mit breitem irischen Akzent, mäßigen Manieren und aus der Not geborenem Egoismus zu mehr zu gebrauchen gewesen als zum tragischen Motiv eines hoffnungslosen Romantikers. Zoe Zaldana tritt in Tampa als eigenständige Geschäftsfrau mit guten Absichten auf, verkommt aber geradezu im Moment des ersten Aufeinandertreffens mit Afflecks Helden zu dessen Accessoire und Seelenbalsam. Die vielleicht eindrucksvollste Szene des Films gehört Nachwuchsstar Elle Fanning, die als gefallene Polizistentochter, indem sie Abbitte leistet, zur ernst zu nehmenden Bedrohung für Joes Gangster-Geschäfte wird. Aber das ist eben nur ein Nebenschauplatz.

Die Frauen von "Live By Night" sind auf ihre Weise voll liebender Hingabe. Sie markieren das Paradox des guten Gangsters. Während Joe mit Afflecks dezent sicherem Grinsen auf den Lippen Drohungen ausspeit, während er mordet und unterdrückt, will er für die Frauen der Anständige sein. Es sind selbstverständlich immer die vielschichtigen Bösewichte, die für sich begeistern. Doch was Affleck seiner Figur da zuschreiben will, lässt sich nicht mehr als komplexen Charakter rechtfertigen. Die Reinheit, die er seinen Joe hochhalten lässt in Anbetracht dessen erfolgreicher Grausamkeit, lässt ihn am Ende dennoch nicht hart und golden wirken. Sein Sentiment macht Joe schwach im banalsten Sinne des Wortes. Das lässt die Luft raus aus einem Film, der zwar immer wieder spektakulär ist, aber doch in seiner Gesamtheit hätte spektakulär wirken sollen.

"Live By Night" startet am 2. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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