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"Alles Geld der Welt" Christopher Plummer sticht alle aus

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Ein Teenager wird entführt. Es wird Lösegeld verlangt. Der Großvater ist der reichste Mann der Welt. Also kein Problem. Eigentlich. Es sei denn, der reichste Mann der Welt ist auch der geizigste und empathieloseste Mann der Welt.

Über diesen Film muss man nicht mehr viele Worte verlieren, so vieles wurde bereits gesagt und geschrieben und das meiste dreht sich um Kevin Spacey und Christopher Plummer. Selten gab es schon vor Kinostart so viel Wirbel um einen Film wie bei "Alles Geld der Welt", denn nachdem Kevin Spacey, der zunächst eine der wichtigsten Rollen im Film innehatte, vielfache (sexuelle) Belästigung vorgeworfen wurde, entschied sich Regisseur Ridley Scott kurzerhand zu einem drastischen Schritt und schnitt alle Szenen mit Spacey heraus.

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Gnadenlos ...

Ersetzt wurde Spacey durch niemand Geringeren als Christopher Plummer - in Rekordzeit drehten sie die Rolle des Jean P. Getty nach. Und da wären wir auch schon - mal abgesehen von allem Unerfreulichen, was zu der Umbesetzung dieser beiden Schauspieler geführt hat - beim überaus Erfreulichen und Besten an diesem Thema: Christopher Plummer ist die ideale Wahl für die Rolle dieses alten, geizigen Getty! So gut, dass es für Plummer nun bereits die dritte Oscar-Nominierung gibt. Nachdem er 2012 als "Bester Nebendarsteller" für "Beginners" ausgezeichnet wurde, hat er jetzt, im Alter von 88, die Chance, seinen zweiten Academy Award zu gewinnen.

Und genauso ruhmreich geht es weiter: die bereits vierfach Oscar-nominierte Michelle Williams könnte mit ihrer Rolle der Gail Harris, der Mutter des entführten jungen Gettys, nun endlich ihren ersten Oscar als "Beste Hauptdarstellerin" einheimsen. Sie hätte es verdient, denn es ist großartig, ihr bei der Arbeit zuzusehen. Sie war auch mit vollem Herzblut dabei, wie sie der "Berliner Morgenpost" erzählte, als es um den Nachdreh ging: "Ich sagte zu Ridley: 'Ich gebe dir mein Honorar und meine Thanksgiving-Ferien.' Die Gage war eh nicht hoch, also ging's um die Feiertage."

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Michelle Williams und Mark Wahlberg - großartig in ihren Rollen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Skandal

Michelle Williams wischt hier recht galant zur Seite, was einen weiteren Skandal auslöste, nämlich die Tatsache, dass die Nachdrehs unglaublich unterschiedlich entlohnt wurden. Und das, obwohl es in einem großen Teil des Films darum geht, wie die Mutter des entführten John Paul Getty III mit ihrem knauserigen Ex-Schwiegervater verhandeln, geradezu feilschen, muss, um den 16-jährigen Sohn aus den Fängen der Entführer zu bekommen. Williams dazu noch einmal: "Damals hatte sich Gail von ihrem Ehemann entfremdet, sie waren längst geschieden. Im Grunde hatte sie gar keine Verbindung mehr zur Familie. Sie hat sich sehr aus dem Scheinwerferlicht und dem Materialismus der Gettys zurückgezogen und hatte es geschafft, eine sehr private, unbehelligte Existenz zu führen. Nur die Entführung brachte sie unfreiwillig zurück ins Auge der Öffentlichkeit." Man kann durchaus sagen, dass diese Rolle perfekt zu der - ebenfalls sehr zurückgezogen lebenden Michelle Williams - passt.

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Muss sich mit ihrem Schwiegervater auseinandersetzen: Gail Harris.

Zurück zum Geld: Nach Protesten gegen die riesigen Unterschiede in der Bezahlung von männlichen und weiblichen Hauptrollen hat Mark Wahlberg, der den Ex-CIA Mann Fletcher Chase spielt, dann seine Zusatzgage für das Nachdrehen von "Alles Geld der Welt" gespendet. "Ich unterstütze zu 100 Prozent den Kampf um faire Bezahlung und spende im Namen von Michelle Williams die 1,5 Millionen an den 'Time's-Up'-Anwalts-Fonds", schrieb Wahlberg auf Twitter über den Spendenpool, mit dem Justizkosten von Missbrauchsopfern gedeckt werden. Williams begrüßte die Entscheidung. Dass es sich um keine Kleinigkeit handelt, machen folgende Zahlen deutlich: Die Zeitung "USA Today" hatte berichtet, dass Wahlberg 1,5 Millionen Dollar (1,22 Millionen Euro) für den zehntägigen Nachdreh zusätzlicher Szenen bekam, während dieselbe Agentur für die vierfach Oscar-nominierte Michelle Williams lediglich 1000 Dollar ausgehandelt hatte. Tja, da hat wohl jemand den Getty gemacht ...

Die Sache mit dem Ohr

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Der junge Plummer spielt den jungen Getty. Der alte den alten.

Ein bisschen ist "Alles Geld der Welt" ja wie "Titanic": Man weiß, wie es ausgeht, der Fall war so spektakulär, dass er bis heute die Gemüter bewegt. Diese Tatsache aber nimmt dem Film nichts von der Spannung und dem kalten Entsetzen, das einen befällt, wenn man die psychologische Grausamkeit dieses reichen Mannes nun in epischer Breite und Länge mitverfolgen darf. Der "Fall Getty" ist einer der aufsehenerregendsten Fälle der Kriminalgeschichte. Zur Erinnerung: 1973 wird der 16-jährige Paul (Charlie Plummer, nicht verwandt mit Christopher Plummer), Enkel des milliardenschweren Öl-Magnaten J. Paul Getty (Christopher Plummer), in Rom entführt. Die Kidnapper verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld, doch der reichste Mann der Welt denkt gar nicht ans Bezahlen.

Der alte Griesgram hält das Ganze für eine Inszenierung und fürchtet Nachahmer - schließlich hat er 13 weitere Enkel. Nur Pauls verzweifelte Mutter kämpft weiter um das Leben ihres Sohnes. Unermüdlich versucht sie, den alten Getty umzustimmen und verbündet sich schließlich mit dessen Sicherheitsberater Fletcher Chase (Wahlberg). Den beiden bleibt nur wenig Zeit, bis das Ultimatum abläuft. Und jeder erinnert sich daran, was das für den jungen John Paul Getty bedeutete: Ihm wurde, um der ganzen Sache mehr Druck zu verleihen, ein Ohr abgeschnitten.

Zur Abrundung des Ganzen noch Folgendes: die British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) zeichnet Ridley Scott mit ihrem wichtigsten Ehrenpreis aus: Der Fellowship-Award wird dem Ausnahme-Regisseur am 18. Februar überreicht. "Ridley Scott ist ein visionärer Regisseur, einer der größten britischen Filmemacher, dessen Arbeiten einen wunderbaren Abdruck in der Geschichte des Kinos hinterlassen haben", begründet Amanda Berry, Chief Executive der BAFTA, die Auszeichnung. "40 Jahre nach seinem Regiedebüt durchbrechen seine Filme immer noch die Grenzen der Stile und Genres." Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

"Alles Geld der Welt" startet am 15. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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