Kino

Nicht noch ein Superheldenfilm Die "Eternals" stellen sich Gott persönlich

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Die Eternals machen sich bereit für den Kampf.

(Foto: Courtesy of Marvel Studios)

Seit Anbeginn der Menschheit beschützen zehn Unsterbliche die Welt vor den räuberischen Deviants. Die "Nomadland"-Macherin bringt mit "Eternals" eine Geschichte mit epischem Umfang auf die Leinwand. Aber brauchen wir wirklich noch einen Superheldenfilm?

Am Anfang des Marvel Cinemativ Universe (MCU) stand Iron Man. Doch seit Anbeginn der Menschheit gibt es die Eternals. Auf Geheiß des gottähnlichen "Prime Celestial" Arishem beschützen die Superheldinnen und -helden aus den Tiefen des Universums die Erde vor den räuberischen Deviants. Seit einigen Tausend Jahren galten die hautlosen, sehnigen Bestien mit Tentakeln jedoch als verschollen. Und so konnten die Übermenschlichen unerkannt unter uns Menschen weilen, normale Beziehungen führen, Filmstars werden oder in einem Museum arbeiten.

Anders als bei Marvel-Superhelden wie Iron Man, Black Panther und Co handelt es sich bei den Eternals um unsterbliche Götter. Gleich bleibt aber: Alle zehn von ihnen haben komplementäre Superkräfte. Die heilende Anführerin Ajak (Salma Hayek), die Materie manipulierende Sersi (Gemma Chan), die Illusionistin Sprite (Lia McHugh), der erfinderische Phastos (Brian Tyree Henry) und der Gedanken steuernde Druig (Barry Keoghan) sind die Denker der Gruppe. Der fliegende Ikaris (Richard Madden), der energiegeladene Kingo (Kumail Nanjiani), die ultraschnelle Makkari (Lauren Ridloff), die Waffenmeisterin Thena (Angelina Jolie) und der superstarke Gilgamesh (Don Lee) sind die Krieger.

Nachdem sie die Deviants über mehrere Jahrtausende ausgelöscht hatten, gingen die Eternals ihre eigenen Wege. Sersi lebt mittlerweile mit Sprite, die im Körper einer Elfjährigen für immer als Kind gesehen wird, in London und datet ihren Museumskollegen Dane (Kit Harrington). Als die drei jedoch plötzlich von einem Deviant angegriffen und von Ikaris - Sersis Ex - gerettet werden müssen, machen sie sich auf den Weg, um die Eternals wieder zusammenzusetzen und die Welt zu retten. Gilgamesh lebt mit der vom Kampf gezeichneten Thena im Outback. Kingo ist der angesagteste Star Bollywoods und Phastos lebt mit seinem Mann und seinem Sohn in Texas.

Angelina Jolie geht völlig unter

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Die Deviants lassen sich nur äußerst schwer töten.

Zwar stehen sich die Eternals nach so langer Trennung noch immer nahe. Doch bei ihrer Zusammenkunft kehren schnell alte Dysfunktionen zurück und unangenehme Wahrheiten werden enthüllt. Ähnlich wie die Menschen in Wakanda sind diese Superhelden seit jeher gespalten, was ihre Rolle, ihre Verantwortung und ihre Loyalität gegenüber den Menschen auf der Erde angeht.

Eines muss man Chloé Zhao lassen: Die Regisseurin, die für ihren Film "Nomadland" im vergangenen Jahr mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, hat sich bei "Eternals" viel Mühe gegeben, den einzelnen Figuren trotz ihrer Vielzahl eine eigene Identität zu geben und sich nicht nur um das imposante CGI-Spektakel drumherum zu kümmern. In Bezug auf die Geschlechterrollen, ethnische und sexuelle Vielfalt kann "Eternals" sehr stolz auf seine Vorreiterrolle sein.

Für die Story wäre es bei diesem Ensemble-Film mit vielen Wendungen und Murder-Mystery allerdings besser gewesen, sich mehr auf einen Charakter wie dem von Gemma Chan zu konzentrieren. So hat beispielsweise Angelina Jolie nur eine überraschend kleine Rolle und ganz möchte man ihre Posttraumatische Belastungsstörung, die sich immer dann bemerkbar macht, wenn die Kriegerin gerade gebraucht wird, auch nicht abkaufen. Karun (Harish Patel) als Kingos unglaublich nerviger Sidekick hätte man sich dafür sparen können - die exzentrische Art des Bollywood-Stars hätte völlig ausgereicht, um für ein paar Lacher zu sorgen.

Eternals haben mit Avengers nichts zu tun

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Regisseurin Chloé Zhao wurde für "Nomadland" mit zwei Academy Awards ausgezeichnet.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Mit den Avengers, die dem gleichen Universum der Eternals angehören, hat die Story überhaupt nichts zu tun. Um aber zu erklären, warum die Eternals ihnen nicht dabei geholfen haben, den Bösewicht Thanos zu bezwingen, als dieser mit einem Schnipser die halbe Menschheit zu Staub werden ließ, heißt es nur kurz, dass sich die Eternals nur in die Probleme der Menschen einmischen, wenn diese mit den Deviants zu tun haben. Das erklärt allerdings nicht, warum die Avengers nicht jetzt in "Eternals" eingreifen, da die Erde mal wieder in Schwierigkeiten ist.

Es zeigt jedoch, wie schwierig es mittlerweile mit jedem neuen Film und Dutzenden neuen Charakteren und Ereignissen wird, alles in das MCU zu integrieren. Außerdem holt "Eternals" weit aus und umfasst die gesamte menschliche Zivilisation - von Mesopotamien über Babylon und Tenochtitlán bis ins heutige London. Kein Wunder, dass die Prämisse des Films noch vor dem ersten Dialog, ähnlich wie bei "Star Wars", in mehreren dichten Textabschnitten erklärt werden muss. Denn andernfalls hätte man den mit 157 Minuten ohnehin zuweilen sehr langatmigen Film noch länger machen müssen.

Ansonsten nimmt sich bei "Eternals" nicht viel von den Avengers. Eine eher platte Storyline, die meist von viel Humor, noch mehr CGI und einer "ganz simplen" Lösung für den Endkampf à la Zeitreise getragen wird, hat man schon in etlichen Filmen gesehen. Aber nach gefühlten 500 Avengers-Filmen, mit denen wir seit "Iron Man" (2008) vollgeballert wurden, war es doch auch ganz schön, als mit "Endgame" (2019) das Ende der Superhelden-Ära besiegelt wurde.

Quelle: ntv.de

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