Kino

"Ruhe, ihr Abfall!" "Fack Ju Göhte 2" ist krass überflüssig

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Im Kino eingeschlafen? Zeki Müller (Elyas M'Barek) und seine Schülerbande in "Fack Ju Göhte 2".

(Foto: Constantin Film Verleih GmbH / Christoph Assmann)

Ein Verbrecher macht einer prolligen Gesamtschulklasse den Lehrer - mit Erfolg. Das ist die Geschichte von "Fack Ju Göhte". Klar, der Film war ein bisschen vulgär, aber auch ungezwungen erfrischend. Teil 2 macht lieber Urlaub von der Anarchie.

Knackis ohne Schulabschluss sind die besseren Lehrer - jedenfalls für den Unterricht bei pubertierenden Dummbratzen mit viel Lipgloss, Raucherlunge und etwas Herz. "Fack Ju Göhte 2" hält wie sein Vorgänger nicht viel von Lehrplänen und Literatur. Weil Fake-Lehrer Zeki Müller seine kriminelle Vergangenheit nicht abschütteln kann, packt er vier seiner Terrorschüler und ein paar weniger trashige Loser ein und fliegt mit ihnen nach Thailand.

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"Fack Ju Göhte 2" hat aufgefahren. Vor Strandkulisse gibt es Shots im Stripclub, Prügelszenen mit historischen Artefakten, bekiffte Bikini-Jungs auf Elefanten und die Erkenntnis, dass humanistische Bildung eben voll out ist. Während Teil eins noch völlig ungezwungen mit jugendlichem Hartzer-Slang bildungsbürgerliche Fantasien von Integration und Aufstieg konterkarierte, gibt sich der Fortsetzungsfilm geschlagen.

Das Kuscheltier hat "Fotze" gesagt

Abgeschreckt von privilegierten Oberschichtlern und inspiriert von bettelarmen Waisenkindern macht der Film aus liebenswerten Randfiguren der Gesellschaft gefühlsduselige Kuscheltiere, die es eigentlich nur nach elterlicher Liebe dürstet, wenn sie sich mit "Missgeburt", "Fotze" und anderen Unflätigkeiten beschimpfen.

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"Einer, mit dem man auch Sex haben würde."

(Foto: Constantin Film Verleih GmbH / Christoph Assmann)

Weil Elyas M’Bareks Zeki dieses Mal keinen Schatz ausgraben muss, muss er eben nach einem tauchen. Hauptsache, der Junge zieht sein Shirt aus. Denn damit das klar ist: Dieser Lehrer ist neben seinem ungewöhnlichen Näheverhältnis zu seinen Schülern für sie vor allem Sexsymbol. "Sie sind wie ein Vater für mich", gesteht ihm Chantal. "Einer, mit dem man auch Sex haben würde, wenn er unbedingt wollte."

Seine Rolle hat man M’Barek ohnehin nicht mal für einen Moment abgenommen. Dass er "Praktikums" für einen legitimen Plural hält - na gut. Aber dass er auch noch der Typ sein muss, der versucht, vom Sicherheitspersonal eine Schusswaffe zu erstehen, um wenig später zärtliche Demuts-SMS vom Handy seiner Schüler aus an deren Eltern zu schicken - irgendwo muss es mal gut sein.

Vom Rebell zum Arschkriecher

Weil sein moralischer Kompass, die strenge Kollegin und Freundin Elisabeth Schnabelstedt (Karoline Herfurth), in Deutschland zurückblieb, ist es nun an Zeki Müller, seine Schafe auf den rechten Pfad zu leiten - auch wenn dazu statt Schweigefuchs mal ein kräftiges "Ruhe, ihr Abfall!" nötig sein sollte. Der gestählte Badboy mit dem Herz voll Zuckerpampe schleudert also Pathos, während seine Schüler Tischtennisbälle aus den Genitalien ploppen lassen.

"Wieso hat sie eigentlich einen Tischtennisball in der Muschi?", mag man sich fragen und die Schüler tun es auch. Es gibt sie noch bei "Fack Ju Göhte 2", die Witze zum Johlen. Unter der Gürtellinie treffen sich mit Chili gefüllte Kondome und die Idee, auf Youtube ein "Asperger-Tutorial" zu veröffentlichen. Was "Fack Ju Göhte 2" fehlt, ist Charme. Zeki Müller ist mehr sprachgestörter Wanderprediger als Haudegen. Da hilft es auch nicht, dass man den großartigen Jungschauspielern mehr Momente zugeschustert hat. Keine Frage, nur Jella Haase konnte Chantal zur Kultfigur machen und Lucas Reiber überzeugt als Neuzugang im Cast mit seiner sensiblen Darstellung des "Quotenbehinderten".

"Fack Ju Göhte 2" jedoch bleibt mit maßlos überzogener Handlung und Gastauftritten deutscher Youtube-Sternchen eine gefühlsduselige Tugend-Romanze. Die Asozialen des ersten Films waren Rebellen. Weil sie sich gar nicht ins System fügen wollten, wurden sie Helden. Aus ihnen sind angepasste Arschkriecher geworden. Ihre Frechheiten sind nicht mehr Ausdruck einer Identität, sondern nur noch überflüssige Schülerstreiche. "Tschüss, ihr Wichser", sagt Herr Müller. "Bis Montag, ne?", fragen die Wichser.

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Quelle: n-tv.de

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