Kino

"Avengers: Infinity War" Jäger der verlorenen Steine

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Thanos will das Universum beherrschen - Gefangene macht er nicht in "Avengers: Infinity War".

(Foto: Marvel Studios)

Großreinemachen im Marvel-Universum: "Infinity War" ist nicht nur ein weiterer Superhelden-Film, sondern der epische Abschluss eines langen Erzählbogens. Bei aller Action und allem Staraufgebot hinterlässt er aber auch einen bitteren Beigeschmack.

Der Aufgalopp ist beeindruckend: Iron Man und Thor, Hulk und Captain America, Spider-Man und Doctor Strange, die Guardians of the Galaxy und die Armee des Black Panther. Sie alle treten an, um Thanos zu besiegen, den übelsten Bösewicht des Universums.

Der Krieger vom Saturnmond Titan ist gekommen, um die sechs Infinity-Steine einzusammeln. Kann er alle Artefakte in seiner Hand oder genauer: auf seinem Handschuh vereinen, winkt ihm unendliche Macht. Denn die Steine stehen für die Grundlagen des Universums - darunter Zeit, Raum und Realität - und verleihen ihrem Träger unendliche Kräfte. Thanos will damit die Galaxien in Balance bringen, was bedeutet, dass er die Hälfte aller Lebewesen auslöschen will.

Auf seinem Weg macht Thanos keine Gefangenen. Das bekommen zuerst Thor, Loki und Hulk zu spüren, die zu Beginn von "Avengers: Infinity War" seinen Weg kreuzen. Doch schnell gerät auch die Erde in Gefahr, denn hier befinden sich mehrere Infinity-Steine. Die Avengers um Iron Man stellen sich Thanos' Kriegern entgegen - obwohl sie durch einen inneren Zwist geschwächt sind und der abtrünnige Trupp um Captain America vorerst unauffindbar ist. Hilfe kommt immerhin von den Guardians, die an einer anderen Front gegen Thanos kämpfen und in ihren Reihen eine Geheimwaffe haben: Thanos' Ziehtochter Gamora.

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Aber auch im Weltall kämpfen Thor und Rocket Raccoon Seite an Seite.

(Foto: Marvel Studios)

Ja, Marvels Superhelden-Universum ist kompliziert. Zumal die Regisseure Anthony und Joe Russo in "Infinity War" nahezu alles auffahren, was in den vergangenen zehn Jahren und 18 Filmen schon mal einen Auftritt hatte. Die Entwicklung des Marvel Cinematic Universe, die ziemlich genau vor zehn Jahren mit "Iron Man" begann, findet hier einen ersten erzählerischen Abschluss (der im kommenden Jahr fortgesetzt wird). Da heißt es: klotzen und nicht kleckern. Atemlos, aber immer kurzweilig, wechseln die Handlungsorte, geben sich die Superhelden die Klinke in die Hand.

Die Action walzt durch das Universum

Wer die bisherigen Marvel-Filme kennt, ist etwas im Vorteil. Denn dann entfalten das komplizierte Beziehungsgeflecht der Superhelden und die Reminiszenzen an frühere Filme erst ihre ganze Pracht. Und wer auch immer einen der bisherigen Filme der Reihe mochte, kommt um diesen Streifen nicht herum. Denn dieses große Familientreffen offenbart einige Überraschungen, auch wenn manche davon nicht jedem Fan schmecken dürften.

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Noch mehr Superhelden: von Doctor Strange bis Hulk.

(Foto: Marvel Studios)

Man kann es schade finden, dass angesichts der Masse an Superkräften einige Helden - zumal ein paar Sympathieträger - zu kurz kommen. Oder dass die Ortswechsel etwas verwirrend sind. Doch zerrissen wird der Film dadurch nicht. Er wird zusammengehalten von der übergreifenden Geschichte, die sich mit viel Action durch das Universum walzt, von einem guten Schuss Humor, den man aus den "Guardians of the Galaxy"-Filmen kennt, und vom kaum überschaubaren Superstar-Ensemble.

Auch das ist eine Leistung dieses Comic-Universums: dass sich über die Jahre und durch die Filme viele der Figuren entwickeln konnten. Dabei stechen einige der Darsteller in "Infinity War" besonders hervor: Chris Hemsworth etwa hat Thor zum charismatischsten Avenger gemacht. Mark Ruffalo verleiht seinem Hulk eine überzeugende Zerrissenheit. Und während Benedict Cumberbatch die Ernsthaftigkeit von Doctor Strange intensiv verkörpert, hat der schießwütige Rocket Raccoon (im Original gesprochen von Bradley Cooper) wieder mal die Lacher auf seiner Seite.

Massenmord als Selbstzweck

Schließlich überzeugt auch Josh Brolin, der hinter Thanos' mächtiger Gestalt steckt. Doch die Darstellung der Figur sorgt auch für einen bitteren Beigeschmack. Denn mit jeder Filmminute büßt Thanos an Bösartigkeit ein und mutiert am Ende fast schon zur tragischen Gestalt. Fast so, als sorge er sich um das Wohl des Universums und sei deshalb gezwungen, unbeliebte Entscheidungen zu treffen. Dabei will er doch die Hälfte aller Lebewesen auslöschen. Man kann die Entwicklung der Figur im Film als differenzierte Charakterzeichnung sehen. Oder als Verharmlosung.

Zumal Thanos' Beweggründe nicht erklärt werden. Das Gefasel von der Balance im Weltall, mit dem er seinen geplanten Massenmord rechtfertigt, erinnert an "Star Wars". Doch während dort die Ausgewogenheit von heller und dunkler Seite der Macht erklärt wird, fehlt bei Thanos jeder Hintergrund der von ihm angestrebten Balance. Sein schrecklicher Plan wird zum reinen Selbstzweck.

Noch in "Age of Ultron", dem letzten gemeinsamen Abenteuer der Avengers, spielten die Leiden der Zivilisten eine Rolle, als die Stadt Sokovia fast vernichtet wurde. In "Infinity War" aber räumen sie das Feld zugunsten der Helden. Für die "normalen" Opfer des Krieges ist da kein Platz mehr. So kann man sich an der epischen Wucht erfreuen, die "Infinity War" als Abschluss eines großen Erzählbogens entwickelt. Man bekommt ordentliche Action, gelungene Überraschungen und lockere Sprüche serviert. Der emotionale, der menschliche Moment aber wird dem Überfluss an Stars geopfert. Doch wozu braucht man noch Superhelden, wenn keiner mehr da ist, der sie bewundern kann?

"Avengers: Infinity War" läuft ab 26. April in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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