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Etwas Übles kommt des Weges "Macbeth" im blutigen Kino-Gewand

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Alter Wein in neuen Schläuchen: Michael Fassbender als Macbeth und Marion Cotillard als seine Frau.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein machtbesessener Irrer lässt sich von seiner blutrünstigen Gattin auf den Thron hieven und verliert am Ende alles. Die Geschichte von Shakespeares "Macbeth" ist bekannt. Ein neuer Film bringt den Klassiker wieder ins Kino.

Wer das Theater liebt, braucht für "Macbeth" nicht ins Kino gehen. Wobei das natürlich wesentlich preiswerter ist als ein Ausflug ins Schauspiel Frankfurt, wo der Shakespeare-Klassiker derzeit ganz exzellent auf die Bühne gebracht wird. Das Stück ist neben "Hamlet" und "Othello" eine der großen Geschichten des Dramatikers über den Fall mächtiger Männer.

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Nachdem sich bereits namhafte Regisseure wie Orson Welles oder Roman Polanski an dem Stoff probiert haben, versucht nun der Australier Justin Kurzel, der Tragödie zu massentauglicher Relevanz zu verhelfen. Im Nebel der schottischen Highlands lassen Wilde die Schwerter klirren. Das rohe Gemetzel in "Braveheart"-Ästhetik aber ist nicht, was "Macbeth" zeitlos macht. Das ist die Erkenntnis über das Böse in der Welt.

Wie viel Dunkel steckt in Macbeth, dem die Herrschaft prophezeit wurde und dessen Ambition ihn von Bluttat zu Bluttat bis in den Wahnsinn treibt? Und wie viel in seiner Frau, der Anstifterin, die ihren Größenwahn nicht überleben wird?

Wenn der Zweck die Mittel heiligt

"Etwas Übles kommt des Weges", heißt es in den Originalversen, von denen bei der Kinoadaption weniger als wünschenswert übrig geblieben ist. Und irgendwie stimmt das auch in Bezug auf den Film. Macbeth wird scheitern, sterben. Der Zuschauer weiß das - nicht nur, weil er vielleicht dereinst viele Schulstunden über der zweisprachigen Reclam-Ausgabe verbracht hat. Er weiß es, weil diejenigen, für die der Zweck alle Mittel heiligt, die irren Fanatiker und Mörder aus solchen Geschichten einfach selten als Lichtgestalten hervorgehen.

Wer "Macbeth" heute erfolgreich inszenieren will, darf die Erregung nicht in starken Bildern und auch nicht im Spannungsbogen der Handlung suchen. Er muss ein Gefühl des Unbehagens vermitteln. Und obwohl Kurzels "Macbeth" hervorragend gecastet ist - Michael Fassbender findet in Marion Cotillard ein mehr als ebenbürtiges Gegenüber -, bleibt der Film über seine 113 Minuten doch mehr stumpfe Kulisse der Hollywoodmaschine als emotionale Charakterstudie.

Im kommenden Jahr darf sich das Trio aus Kurzel, Fassbender und Cotillard ein weiteres Mal beweisen. Dann kommt die Adaption des legendären Games "Assassin's Creed" ins Kino. Mit "Macbeth" werden sie keine Filmgeschichte schreiben. Der Streifen ist vielleicht ein großes Spektakel, aber spektakulär ist anders.

Quelle: n-tv.de

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