Kino

"Ziemlich bester Freund" in Hollywood Omar Sy - vom Knuddel-Pfleger zu "Inferno"

DF-01278_org.jpg

In "Ziemlich beste Freunde" guckte er irgendwie freundlicher: Omar Sy als Christoph Bruder in "Inferno".

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Als Pfleger Driss in "Ziemlich beste Freunde" erobert Omar Sy die Zuschauerherzen im Sturm. Und Hollywood. In "Inferno" spielt er nun sogar an der Seite von Tom Hanks. Mit n-tv.de spricht er über den Ruhm, das Leben in L.A. und die Situation zu Hause in Frankreich.

n-tv.de: Ich würde sagen: Mit Ihrer Rolle in "Inferno" sind Sie endgültig in Hollywood angelangt. Tom Hanks als Filmpartner, Ron Howard als Regisseur - größer geht es kaum. Fühlen Sie sich inzwischen auch als Hollywood-Star?

Omar Sy: Nein, nein, nicht als Hollywood-Star. Vielleicht könnte man sagen: als Teil der Branche. Als Schauspieler die Chance zu haben, mit jemandem wie Ron Howard zu arbeiten, macht mich natürlich total glücklich. Es zeigt mir, dass ich erfolgreich war und gibt mir Kraft für das, was als Nächstes folgt. Genauso ist es für mich natürlich großartig, neben Tom Hanks und Felicity Jones spielen zu dürfen - und ich habe versucht, in dem Film so gut es ging zu zeigen, wie dankbar ich dafür bin.

Sie sind schon vor ein paar Jahren nach Los Angeles gezogen. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Das ist mir nicht schwergefallen. Ich bin ja nicht dahin gezogen und habe nur darauf gewartet, dass irgendetwas passiert. Ich bin auch danach meinen Weg in Frankreich weitergegangen. Ich mache noch immer französische Filme. Wenn ich eine Möglichkeit bekomme, wie jetzt bei "Inferno", ist das toll - aber ich verfolge weiter meinen Weg.

Mit "Ziemlich beste Freunde" wurden sie auf einen Schlag weltberühmt. Der Film war nicht nur in Frankreich und Deutschland ein Riesenerfolg, sondern auch in vielen anderen Ländern. Ist es noch ein Segen oder schon ein Fluch, dass jeder sie mit diesem Film verbindet und darauf anspricht?

imago59726579h.jpg

Als Pfleger Driss in "Ziemlich beste Freunde" begeisterte Sy Millionen.

(Foto: imago/epd)

Oh Mann … Das wird nie ein Fluch für mich sein! Es ist vom Anfang bis zum Ende ein einziger Segen. Es gibt absolut nichts Negatives, was ich von diesem Film hätte mitnehmen können. Und schauen Sie, wo ich heute stehe! Mir ist sehr bewusst, dass ich das "Ziemlich beste Freunde" zu verdanken habe. Und nicht nur mir. Ich treffe mich immer noch häufiger mit einigen aus dem damaligen Team - den Schauspielern und den beiden Regisseuren. Und wir alle wissen, wie gesegnet wir sind und wie sehr wir noch bis heute davon profitieren, dass wir Teil dieses Projekts waren. Ich bin darauf sehr stolz.

Schon seit einigen Jahren gibt es Pläne für ein englischsprachiges Remake des Films. Finden Sie das eine gute Idee?

Das kann ich erst sagen, wenn ich den Film gesehen habe. Ein Vorhaben ist ein Vorhaben, aber was dabei herauskommt, ist etwas anderes. Ich weiß, dass Kevin Heart meinen Part übernehmen soll. Er ist sehr talentiert und ein lustiger Typ. Ich bin gespannt, wie er das umsetzt.

Sie wollten die Rolle nicht noch einmal übernehmen?

Nein, niemals. Für mich ist alles perfekt, so wie es ist. Unser Film ist so wunderschön … Ich möchte daran nicht rühren, sondern das behalten, so lange ich lebe.

Auch wenn Sie jetzt in den USA leben, beobachten Sie die Situation in Frankreich sicher nach wie vor sehr genau. Das Land geht in den vergangenen Monaten und Jahren durch sehr schwere Zeiten. Wie nehmen Sie das wahr?

*Datenschutz

Das beschäftigt mich natürlich sehr. Und für die Gefühle, die ich habe, ist es völlig unerheblich, ob ich nun in Los Angeles oder etwa in Paris lebe. Frankreich ist mein Land, es ist ein Teil von mir und von meinen Kindern. Ich kann eigentlich gar nicht in Worte fassen, wie schrecklich, traurig und hässlich für mich diese stattgefundenen Angriffe sind. Aber wir müssen vorsichtig sein, wie wir darauf reagieren und darüber sprechen. Ich glaube, wo wir heute stehen, geht auch darauf zurück, dass wir in der Vergangenheit zu schnell gehandelt und gesprochen haben, ohne vorher darüber nachzudenken. Im Augenblick ist es am besten, positive Botschaften zu vermitteln, indem man weiter kreativ ist. Kunst, Bücher, Malerei - das kann Hoffnung geben. Und wir müssen den jungen Franzosen verdeutlichen, dass wir uns um sie und ihre Zukunft kümmern.

Die Terrorangriffe in Frankreich wurden nicht zuletzt auch von Menschen verübt, die selbst in dem Land aufgewachsen sind. Oft wurde dabei auch von den verarmten Vororten in Frankreich - den sogenannten Banlieues - als Nährboden für Gewalt gesprochen. Sie sind selbst in so einer Banlieue aufgewachsen, in Trappes bei Paris …

Ja, aber ich habe für all das auch keine Lösung. Ich würde es mir wirklich einfach machen, wenn ich hier im Sitzen und aus meiner Position heraus ein paar Kommentare und Erklärungen von mir geben würde. Ich habe Trappes vor 20 Jahren verlassen. Man muss zu den heute betroffenen Leuten gehen und sie fragen: Was läuft verkehrt? Was fehlt euch? Alle Kamerateams sollten dorthin losziehen und versuchen, die Probleme zu verstehen. Ich bin nicht der Richtige für diese Fragen.

Auch in "Inferno" geht es um einen geplanten Terroranschlag mit einem Virus, der die halbe Menschheit auslöschen soll. In der heutigen Zeit erscheint solch ein Szenario gar nicht mehr so unrealistisch.

InfernoPhotocall06_A4.jpg

Auch im echten Leben ist Sy ein angenehmer und humorvoller Zeitgenosse.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Nein, gar nicht. Das Szenario im Film basiert auch auf realistischen Zahlen und Daten. Und auf einer realistischen Ausgangslage. Wir wissen, dass wir uns auf die Überbevölkerung der Welt zubewegen. Und wir werden uns alle zusammen als Weltgemeinschaft mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie wir damit umgehen und das lösen - wenn es nicht wie in "Inferno" enden soll. (lacht)

Sie haben Ihre Karriere als Komiker begonnen, in "Ziemlich beste Freunde" waren Sie der Typ, den jeder nur mögen konnte und jetzt spielen sie eine doch zwielichtige Person. Wie viel Spaß hat Ihnen das gemacht?

Es tut wirklich gut, mal etwas anderes zu spielen. Das ist doch genau das, wonach man als Schauspieler Ausschau hält. Immer wieder unterschiedliche Charaktere darzustellen, macht die Sache erst spannend. Von daher war es sehr cool, jetzt Christoph Bruder in "Inferno" zu spielen. Ich habe es geliebt.

Konnten Sie von Tom Hanks oder Ron Howard noch etwas lernen?

Man lernt am Set immer dazu. Es sind immer andere Menschen, die ihren ganz eigenen Weg für das, was sie tun, gefunden haben. Aber ja, klar, wenn man mit Tom Hanks und Ron Howard am Set ist, lernt man noch mehr als sonst. (lacht)

Für mich versprüht "Inferno" fast ein bisschen "James Bond"-Atmosphäre - es geht ja auch um nichts Geringeres als darum, die Welt zu retten. Stimmen Sie mir zu?

Ja, natürlich - auch angesichts der vielen verschiedenen Schauplätze und der ganzen Actionszenen. Das hat sich schon ein wenig so angefühlt und hat viel Spaß gemacht.

Wenn jemand Sie fragen würde, ob Sie im nächsten "James Bond"-Film vielleicht einen Bösewicht spielen würden, würden Sie also nicht Nein sagen …

Nein, ich glaube wohl nicht. (lacht)

Mit Omar Sy sprach Volker Probst

"Inferno" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de