Kino

Heiliger BimBam Papst Franziskus, ein Mann seines Wortes

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Arbeitet mit einem enormen Vermächtnis: Jorge Maria Bergolio, genannt Papst Franziskus.

(Foto: dpa)

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg eben zum Propheten. Und wenn Sie nicht in die Kirche gehen, dann kommt die Kirche eben zu Ihnen. Oder ins Kino. Neu - jetzt mit Papst. Absolut sehenswert, was Wim Wenders da gefilmt hat.

Einen Termin mit Wim Wenders zu bekommen, ist nicht leicht. Eine Audienz beim Papst zu erhalten ist auch so eine Sache für sich. Beide zu verbinden, scheint daher fast unmöglich. Dennoch ist es diesen beiden Männern gelungen, einen Film zu drehen - der eine vor, der andere hinter der Kamera - der den Zuschauer nichts von dem Stress spüren lässt, der garantiert hinter einem solchen Mammut-Projekt steckt.

Wim Wenders trifft also Papst Franziskus - warum? Weil der Filmemacher zeigen wollte, dass so ein Papst mehr ist als eine Institution, die viele für überholt halten? Weil er moderner ist, als man denkt? Weil ein bisschen Glaube nie schadet? Vielleicht. Vor allem aber, weil dieser Papst wirklich etwas zu sagen hat. Und weil er tatsächlich ein Mann des Volkes zu sein scheint. In "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" nimmt der 81-Jährige - mal mahnend, mal schmunzelnd - Stellung zu vielen der schwerwiegendsten Themen und dringlichsten Fragestellungen unserer Zeit: Umwelt und Klimaschutz, Gerechtigkeit, soziales Gleichgewicht, Armut, Migration und die Probleme von Flüchtlingen.

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Mal mahnend, mal schmunzelnd.

(Foto: dpa)

Dabei wirkt er nie belehrend oder besserwisserisch; eher wirkt es so, als stünde da ein Mann - eben keine Institution - der sich die schwerwiegenden Themen unserer Zeit mal durch den Kopf hat gehen lassen. Mit einem Plädoyer für die generelle Einbeziehung aller - von Frauen und Homosexuellen bis hin zu Gefangenen und Überlebenden sexuellen Missbrauchs - bezieht Franziskus ganz klar Stellung und vermittelt eine Botschaft der Hoffnung, die schon Franz von Assisi weitergab und mit der sich auch heute viele Menschen identifizieren können.

Päpste entscheiden selbst

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Einer für alle!

(Foto: dpa)

Überhaupt - der Name dieses Papstes: "Es war mir sehr wichtig, dem Zuschauer zu erzählen, warum diese Namenswahl so wichtig war", sagt Wim Wenders. "In der Geschichte der Kirche hatte noch kein Papst den Namen Franziskus angenommen. Damit war ein enormes Vermächtnis verbunden! Franz von Assisi steht für eine grundlegende Erneuerung der Kirche, für eine radikale Zuneigung zu den Armen und Ausgestoßenen und für ein völlig anderes Verhältnis zur Natur. Und genau das sind die Eckpfeiler des Pontifikats von Papst Franziskus." Papst Franziskus hat seinen Namen mit Bedacht gewählt, er selbst sagt dazu: "Wir dürfen das Zuhören nicht verlernen. Franziskus war ein guter Zuhörer, er hörte auf die Stimme Gottes, er hörte auf die Stimme der Armen, die Stimme der Kranken und auf die Stimme der Natur. Und all das hat er zu einer Lebensweise geformt."

Denn Päpste entscheiden selbst, welchen Namen sie tragen möchten. Obwohl Franz von Assisi einer der beliebtesten Heiligen ist, hat noch kein Papst vor Papst Franziskus diesen Namen gewählt. Um den amtierenden Papst besser zu verstehen, ist es daher sicher gut, zu wissen, dass Franz von Assisi (1181/82–1226) der Sohn eines reichen Tuchhändlers war, dessen Leben nach einer schweren Krise eine Wende vollzog: Er schlug das Erbe des Vaters aus und zog sich zurück, um in Armut ein Gott gewidmetes, von Nächstenliebe geprägtes Leben zu führen. Schließlich entstand der Franziskaner-Orden, einer der bedeutendsten katholischen Orden.

Persönliche Reise

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Wie von einem anderen Stern ...

(Foto: dpa)

Der 266. Pontifex und Souverän des Vatikanstaates ist der erste Lateinamerikaner und der erste Jesuit auf dem Papststuhl. Der 1936 in Buenos Aires geborene Jorge Mario Bergoglio geht mit diesem Film bewusst neue Wege, denn noch nie hat ein Papst das Medium des Films gewählt, um, wie Papst Franziskus in diesen vier Interviews, Glauben und Ideen an eine möglichst breite Öffentlichkeit weiterzugeben. Hier liegt die große Stärke des Films, der allen Generationen einen Mann nahebringt, der lebt, was er predigt, und dem die Menschen aller Glaubensrichtungen, aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Kulturen ihr Vertrauen schenken. Wenders nimmt den Zuschauer mit auf eine persönliche Reise mit Papst Franziskus, in dessen Zentrum die Gedanken des Papstes, alle ihm wichtigen Themen, aktuelle Fragen zu globalen Herausforderungen und sein Reformbestreben innerhalb der Kirche stehen.

Als Zuschauer hat man das Gefühl, mit dem Papst von Angesicht zu Angesicht sein. Wenders' Dokumentarfilm ist in einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit dem Vatikan entstanden. Für den vielfach ausgezeichneten und Oscar-nominierten Filmemacher öffnete der Vatikan nicht nur seine Archive, sondern erlaubte auch die Verwendung von exklusivem Bildmaterial.

Treu geblieben

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Wim Wenders mit Papst Franziskus

(Foto: dpa)

Propagandafilm? Perfekte PR? Ja, vielleicht, aber wirklich gut gemacht. Denn dann wären auch  die anderen Filme von Wim Wenders Propaganda. "Pina", seine Tanzfilm-Dokumentation mit dem Ensemble des Tanztheaters Pina Bausch, der Meister-Choreografin, der dieser Film auch gewidmet ist, wäre reinste Propaganda für das Ballett und ideale Körper. "Der Himmel über Berlin" - die reinste Werbung für eine morbide Stadt, deren Himmel man oft gar nicht sehen kann. Oder "Buena Vista Social Club" - eine schönere Fremdenverkehrswerbung für Kuba kann es kaum mehr geben. "Franziskus", der Film, mag so manchem nun also zu herrlich sein, denn immerhin geht es nur um einen alten Mann im weißen Gewand, der mit dem reellen Leben ungefähr so viel zu tun hat wie Donald Trump mit einem grundanständigen Menschen.

"Franziskus" aber findet seinen Weg in unsere Herzen - Dank Wenders, dem Filmemacher aus konservativ-katholischem Elternhaus, der früh in seinem Leben kurz erwog, selbst Priester zu werden, sich dann aber für Musik und Film entschied. Und zum Glück ist Wenders sich treu geblieben: Zu Beginn seiner Karriere nahm er sich vor, nur dann einen Film zu machen, wenn er genau wusste, ob er eine Geschichte in sich hat oder nicht. Die Geschichte über "Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes", die hatte er in sich.

Der Regisseur ist persönlich auf Kinotour mit seinem Film, der am 14. Juni in den deutschen Kinos startet.

14.6., 20.15 Uhr Essen, Lichtburg
15.6., 15.30 Uhr Freiburg, Harmonie/ 20.00 Uhr Stuttgart, Metropol
16.6., 12.30 Uhr Regensburg, Regina/ 16.00 Uhr Würzburg, Central
17.6., 11.00 Uhr Augsburg, Thalia/ 14.00 Uhr München, Filmtheater Sendlinger Tor

Quelle: ntv.de