Kino

Amy Schumer über "I Feel Pretty" Schüttel deinen Speck

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Wer tanzt, wirkt stark und befreit, findet Amy Schumer. Der Beweis: ihr wilder Auftritt im Film "I Feel Pretty".

(Foto: © 2018 Concorde Filmverleih GmbH)

Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen und ein ordentlicher Wumms macht selbstbewusst. Letzteres jedenfalls passiert der unsicheren Renee in "I Feel Pretty". Sie hat sich in Shape-Wear gequetscht, für Dating-Profilfotos aufgehübscht und mit Youtube-Videos versucht, wie Selena Gomez auszusehen. Es half alles nichts. Sie fühlte sich schlecht. Erst als ein Spinning-Kurs inmitten normschöner Eisprinzessinnen zur Katastrophe wird, nimmt Renees Leben Fahrt auf. Es läuft rund im Job, es läuft rund mit den Männern. Und weil es sich um eine Filmkomödie handelt, gibt es nach verschiedenen Berg- und Talfahrten ein Happy End.

Amy Schumer spielt die Hauptrolle in "I Feel Pretty". Sie ist großartig. Wenn es ihrer Figur beim Blick in den Spiegel eng ums Herz wird, geht in ihren Augen die Welt unter. Wenn die Verkäuferin sie mit Verweis auf das Übergrößenangebot im Onlineshop aus dem Laden herauskomplimentiert, brüllt der Kinosaal. Amy Schumer ist zum Schießen, weil ihr Witz manchmal weh tut, aber nie zynisch ist. Was sie so richtig gut macht, ist, dass sie nicht nur albern, sondern echt rüberkommt. Schumer ist es zu verdanken, dass "I Feel Pretty" sich so genüsslich weggucken lässt.

Jetzt kommt der Haken. Denn so gerne "I Feel Pretty" für weibliches Selbstbewusstsein werben würde: Die Handlung hakt gewaltig. Schumers Renee arbeitet als Schattengestalt in einem Beauty-Konzern. Ihren wesentlichen Berufserfolg wird sie feiern, als sie dessen niedrigpreisige Produkte der Normalo-Frau mit "Feel Good"-Sprüchen unterjubelt. Außerdem braucht es für Renee nicht nur das Wunder per Wumms, um ihr die eigene Existenzberechtigung glaubhaft zu machen, sondern vor allem die Bestätigung ihrer Attraktivität durch einen Mann sowie die ihrer Fähigkeit durch die attraktive, reiche Vorgesetzte. Es ist ein wenig unglücklich gelaufen für "I Feel Pretty". So könnte man das wohl nennen. Gut gemeint, knapp daneben.

Das wird wohl auch an der Hauptdarstellerin nicht spurlos vorübergegangen sein. Schließlich wollte und durfte Schumer ihre Arbeit in der Vergangenheit immer wieder feministisch nennen. Das wird dieses Mal schwierig. n-tv.de hat mit der 36-jährigen US-Amerikanerin über Kritik gesprochen und über ihre ausgefallenen Tanzeinlagen.

n-tv.de: Der Blick in den Spiegel markiert entscheidende Momente in "I Feel Pretty". Wie viel Bedeutung hat er für Sie?

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In "I Feel Pretty" verändert ein Blick in den Spiegel alles.

(Foto: © 2018 Concorde Filmverleih GmbH)

Amy Schumer: Ich fühle mich gut dabei. Ich bin eigentlich immer glücklich, mich zu sehen.

"I Feel Pretty" wirbt für innere Werte. Allerdings haben Studien immer wieder gezeigt, dass schöne Menschen eher eingestellt werden, schneller befördert werden und mehr verdienen.

Attraktive Menschen werden besser behandelt. Das steht außer Frage. Und der Film behauptet auch nichts Gegenteiliges. Man sollte mal eine Studie über Selbstbewusstsein in Auftrag geben. Mich würde interessieren, wie sich das im Job auswirkt.

Würden Sie denn die These des Films unterstützen und zustimmen, dass Selbstvertrauen über Erfolg und Misserfolg entscheidet?

Ich denke schon. Ich kenne ja ein paar erfolgreiche Menschen. Die treten nicht unbedingt in jedem Bereich ihres Lebens selbstbewusst auf, aber da, wo sie Leistung erbringen wollen. Andererseits gibt es auch diejenigen, die geplagt von Unsicherheiten ihre persönliche Bestleistung erbringen.

Worauf beruht Ihr Selbstbewusstsein?

Mir gefällt einfach, wer ich bin: eine Freundin, eine Ehefrau, eine Hundebesitzerin, eine Komikerin und eine Aktivistin. Außerdem mag ich es, mich gesund und stark zu fühlen. Die Kombination daraus gibt mir ein gutes Gefühl.

Kinder sind meist unbefangen, was ihr Äußeres anbelangt. Irgendwann geht das flöten …

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Schwitzen für die Schönheit - so war der Plan. In "I Feel Pretty" kommt aber alles anders.

(Foto: © 2018 Concorde Filmverleih GmbH)

Wie jeder andere Mensch auch schauen Kinder in den Spiegel. Allerdings beginnen sie seit einer Weile schon immer früher damit, Kritik an dem zu üben, was sie sehen. Und sie tun es auf eine Art, die meiner Generation fremd ist. Das hat viel mit sozialen Netzwerken zu tun. Es ist unsere Aufgabe, diese Entwicklung zu stoppen.

Sie würden also sagen, dass Sie in der Hinsicht unbefangener aufwachsen konnten als die Kinder heute?

Ach, Kinder konnten schon immer gemein sein. Aber weder ich noch andere haben an mir eine bestimmte Sache gefunden, mit der ich mich dann über Jahre schlecht gefühlt hätte. Ich konnte mit meiner Nase ganz gut leben und mit meinem Hintern auch. Nicht, dass mich nicht immer wieder auch mal was gestört hätte. (lacht)

In "I Feel Pretty" nimmt Ihre Figur an einem Bikini-Contest teil. Überraschend gibt es eine Tanzeinlage. Mich hat sie an Ihr "Milk Milk Lemonade"-Video erinnert. Liegt Ihnen diese Art von Performance?

"Milk Milk Lemonade" war eine herrliche Parodie auf all die übersexualisierten Musikvideos. Ich habe mir das aber nicht ausgedacht, genauso wenig wie die Tanzszene im Film "Dating Queen". Die Szene jetzt war meine Idee. Tanzen macht mich emotional, es begeistert mich. Es eignet sich hervorragend dazu, Stärke und Selbstbewusstsein zu transportieren. Deswegen war die Tanzszene wichtig für "I Feel Pretty". Privat würde ich aber immer lieber rumliegen, als irgendwas zu tun. Deswegen habe bei den Dreharbeiten alles gegeben, damit wir die Szene schnell im Kasten haben.

"I Feel Pretty" ist durchaus kritisch besprochen worden. Finden Sie, dem Film wurde Unrecht getan?

Andere Meinungen empfinde ich selten als ungerecht. Im Film geht es um eine Frau, die kaum Selbstwertgefühl aufbringen kann. Sie ist nicht eine dieser "starken Frauen", sie steht auch nicht exemplarisch für "alle Frauen". Und sie soll und muss kein Vorbild sein.

Stimmt es, dass Sie jeden einzelnen Social-Media-Post, mit dem der Film promotet wurde, überprüft haben?

Tatsache. Ich weiß mittlerweile, dass ich mich für alle meine Projekte werde verantworten müssen. Ganz egal, in welcher Funktion ich an ihnen beteiligt bin. Ich habe "I Feel Pretty" nicht geschrieben. Und doch wollen die Leute eine Reaktion von mir, wenn sie mit dem Skript nicht einverstanden sind. Ich habe Verständnis dafür. Es steht schließlich mein Name auf dem Filmplakat. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb versuche ich, mich abzusichern. So ist es eben, wenn man in der Öffentlichkeit steht.

Mit Amy Schumer sprach Anna Meinecke

"I Feel Pretty" startet am 10. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de