Musik

Voulez-vous Lollapalooza? Berlin kann jetzt auch Festival

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Das Olympia-Gelände entpuppt sich als guter Festival-Ort.

(Foto: imago images / STAR-MEDIA)

Flughafen kann Berlin immer noch nicht. Aber in Sachen Festival hat die Hauptstadt einen Satz nach vorn getan. Nach den holprigen Verläufen in den vergangenen Jahren ist das Lollapalooza-Festival diesmal eine runde Sache für Jung und Alt. "Ich will nicht nach Berlin?" Von wegen.

Die Festival-Saison ist eigentlich vorbei. Eigentlich. Denn seit mittlerweile fünf Jahren haut Berlin Anfang September immer noch einen raus. Was anderswo Rock am Ring, Wacken, Hurricane oder Southside sind, ist in der Hauptstadt der Ableger des international renommierten Lollapalooza-Festivals.

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Für das Lollapalooza-Festival wurden in diesem Jahr 85.000 Tickets verkauft.

(Foto: imago images / STAR-MEDIA)

Leider haute Berlin bei der Organisation der Veranstaltung in den vergangenen Jahren immer wieder mal daneben. Im Treptower Park gab es Stress mit den Anwohnern - und den Russen, die um die Totenruhe auf dem Ehrenmal für ihre im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten bangten. In Hoppegarten kam es zum An- und Abreisechaos. Und auch 2018, bei der Premiere des Festivals auf dem weitläufigen Olympiagelände, wusste man noch nicht so recht der Besuchermassen anständig Herr zu werden.

Fehler der Vergangenheit

So wurden damals viele der zahlenden Gäste beim Auftritt von David Guetta im Olympiastadion einfach ausgesperrt. Einlassstopp, nichts geht mehr, hieß es, als der Innenraum der Sportstätte gefüllt war - egal, wie viel man für das Ticket gelöhnt hatte, egal, von wo man angereist war und egal, ob man der ganzen Veranstaltung womöglich nur wegen der Performance des Star-DJs beiwohnte. Das sorgte umso mehr für Frust, als auf den verwaisten Rängen im Stadionrund derweil gähnende Leere herrschte. Denn die Ränge hatte man - aus welchen Gründen auch immer - erst gar nicht für die Fans aufgemacht.

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Mit Billie Eilish war der Star der Stunde mit von der Partie.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Auch das spezielle Lollapalooza-Bezahlsystem konnte einen mächtig nerven, vor allem wegen der langen Schlangen an den Umtauschstationen. An den Essens- und Getränkeständen der Veranstaltung gibt es nur eine Bezahlmöglichkeit: mit einem Chip am Festivalband, der zuvor mit einem Guthaben aufgeladen werden muss. Um das zu erledigen, konnte man sich im vergangenen Jahr aber schon mal gut und gerne eine Stunde in den Bauch stehen. Von der Fragwürdigkeit des ganzen Systems, bei dem man sich nicht verbrauchtes Guthaben nur auf kompliziertem Weg nachträglich über die Webseite des Festivals wieder auszahlen lassen kann, mal ganz zu schweigen.

Hereinspaziert ins Stadion

Fragwürdig ist das System noch immer. Aber bei der Organisation des Umtauschs hat sich einiges getan. In diesem Jahr flutschte es an den Wechselstuben deutlich besser. Vielleicht auch ein Ergebnis dessen, dass man nun schon im Vorfeld des Festivals informiert und aufgefordert wurde, sich ein Guthaben auf seinen personalisierten Chip zu schaufeln. Wer das bereits zu Hause am Rechner tat, ehe er den Weg zum Olympiastadion antrat, musste sich um das Bezahlen auf dem Gelände keine Gedanken mehr machen - außer er trank womöglich über den Durst und sprengte das einkalkulierte Budget.

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Olli Schulz erfreute auch die älteren Semester.

(Foto: imago images / Carsten Thesing)

Und auch der Guetta-Gau aus dem vergangenen Jahr hat seine - positiven - Spuren hinterlassen. So waren diesmal auch die Stadionränge für das Publikum geöffnet. Ein Umstand, der sich etwa am Sonntagabend, als Martin Garrix das Gemäuer mit wummernden Bässen und Pyrotechnik zum Beben brachte, auf jeden Fall bezahlt machte. Der niederländische DJ-Überflieger lief mit seinem Auftritt den eigentlichen Headlinern Kings of Leon, die sich zur gleichen Zeit auf einer der großen Bühnen im Olympiapark durch ihr Set klampften, beinahe den Rang ab, so gedrängt ging es im Stadion zu.

Gelungener Programm-Spagat

Apropos Line-Up: Damit konnte das Lollapalooza in diesem Jahr summa summarum nur bedingt punkten. Verglichen mit der großen Festival-Konkurrenz erschien das Programm dann doch eher schwach auf der Brust, bei dem neben Kings of Leon und Martin Garrix etwa noch Twenty One Pilots, Marteria & Casper, Kraftklub, Underworld und Swedish House Mafia zu den Highlights gehörten. Dem Zuschauerzustrom tat das jedoch keinen Abbruch: 85.000 Tickets - und damit noch einmal 15.000 mehr als ein Jahr zuvor - wurden den Veranstaltern zufolge verkauft.

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Kraftklub brachten Jung und Alt zusammen.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Und das zuvorderst an ein auffällig junges Publikum. Wer seine 20er bereits hinter sich gelassen hat, dürfte sich zum Beispiel bei den Auftritten von Rita Ora oder aber natürlich der ultimativen Senkrechtstarterin Billie Eilish ein wenig wie Methusalem vorgekommen sein. Andersherum dürfte es den jugendlichen Besuchern ergangen sein, als etwa Jan-Böhmermann-Spezi Olli Schulz seine Deutschpop-Weisen und Polit-Ansagen einer dann doch gesetzteren und in der Zahl deutlich geringeren Zuhörerschar entgegenschmetterte.

So gesehen haben die Macher des Festivals mit ihrem Programm-Spagat wohl einiges richtig gemacht. Zumal sich spätestens bei Kraftklub, die ihren einzigen Festival-Auftritt in diesem Jahr auf dem Lollapalooza absolvierten, dann alle gemeinsam wieder vor der Bühne einfanden. "Ich will nicht nach Berlin", singen die Jungs aus "Karl-Marx-Stadt" in einem ihrer bekanntesten Hits. Doch spätestens nach dieser Show werden sie das noch einmal überdenken. "Voulez-vous Lolla avec moi?", lautet einer der Sinnsprüche, die auf dem ganzen Lollapalooza-Gelände irgendwo drapiert sind. Jetzt, da Berlin allmählich gelernt zu haben scheint, wie Festival geht, lautet die Antwort ganz klar: Ja, ich will.

Quelle: n-tv.de

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