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Pogo mit Pauken und TrompetenDie Toten Hosen laden zur finalen Punkrock-Sause

29.05.2026, 15:53 Uhr
imageVon Kai Butterweck
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Auf ein letztes Mal! (Foto: Donata Wenders)

Nach 44 Jahren auf der Punkrock-Überholspur lassen die Toten Hosen ihr finales Studioalbum "Trink aus, wir müssen gehen!" vom Stapel. Ein Abschied mit Karacho, viel Leidenschaft und großen Emotionen.

"Ich brauche mir kein Leben ohne die Toten Hosen vorstellen, denn die sind immer da", erklärt Campino zu Beginn der anderthalbstündigen SWR-Doku zum neuen und letzten Studioalbum der Band. Satte 43 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Opel-Gang" bitten die Toten Hosen zum letzten Studiotanz. Entstanden auf einem Bauernhof im Münsterland soll "Trink aus! Wir müssen gehen!" vor allem eins: die Herzen der Fans erreichen. "Wir wollten Lieder schreiben, die andere Menschen berühren", erklärt Campino. Und da das letzte Feuerwerk auch das größte und nachhaltigste sein soll, "müssen wir soundtechnisch aus allen Rohren schießen", so der Frontmann.

Die Single "Die Show muss weitergehen" hat die typischen Band-Trademarks inne. Eine warme Verzerrung dient als Fundament, auf dem sich gängige Akkordabfolgen mit klassischen Midtempo-Drums vereinen. Der Titel ist Programm - zumindest für knapp vier Minuten. "Die Show muss weitergehen / Das Leben bleibt nicht stehen / Es geht weiter (immer weiter) / Ist alles halb so schlimm", prescht der Bandchor im Refrain in gewohnter Manier nach vorne. Und wieder öffnen sich die Stadiontore. Spätestens seit ihrem Durchbruch-Hit "Hier kommt Alex" wissen die Toten Hosen, wie man massenkompatible Punkrockhymnen schreibt.

Mit dem Fuß auf dem Gaspedal

"Die Show muss weitergehen" ist ein Paradebeispiel für eben jene künstlerische Entwicklung und dürfte einen Platz auf der Live-Setlist für die kommenden Arenashows sicher haben. Der zweite Vorab-Appetizer "Schlechte Nachbarn" präsentiert sich inhaltlich im Stil einer klassischen Gesellschaftsohrfeige - schallend, zündelnd und vor allem für all jene gedacht, die die Farbe Blau zum neuen Braun erklärt haben. Auch musikalisch fallen die Düsseldorfer mit der Tür ins Haus. Mit dem Fuß auf dem Gaspedal und der Bad-Religions-Flagge in der Hand lädt das Kollektiv zur großen Pogo-Sause ein.

"Mach mal Platz da / Stell bitte keine Fragen", heißt es im zweiten Song "Wir waren nie weg". Klar doch. Kein Ding. Nur zu. Da entlang. Man geht lieber zur Seite, wenn die Genre-Ikonen auf ihre alten Tage noch einmal die Ellbogen ausfahren und musikalisch so austeilen wie früher zu "Ratinger Hof"-Zeiten. Zwischendurch bleibt auch der bierselige Humor nicht auf der Strecke. Wenn Die-Ärzte-Frontmann Farin Urlaub, begleitet von cineastischer Sounddramatik, zum verbalen Ritterschlag ausholt ("Hier sind die Hosen") oder Campino mit seiner markanten und gesellschaftskritischen Reimkultur zum Schmunzeln einlädt ("Lass mal nicht machen"), liegen sich alle Pogo-Fans zwischen Kiel und München schunkelnd in den Armen.

Halbleere Alt-Bier-Becher und randvolle Aschenbecher

Mit geschwollener Halsschlagader mimt der Sänger den nimmermüden Wachrüttler ("Was ist mit uns los"). Der Song "Düsseldorf" erklärt sich von selbst. Heimatliebe Deluxe, inklusive halbleerem Alt-Bier-Becher und randvollem Aschenbecher. Auf ihrem letzten Album blicken die Toten Hosen noch einmal zurück, mit ein bisschen Wehmut, aber auch mit einer Prise Stolz. Man sorgt sich um die Welt, feiert den Moment und lässt den Gefühlen freien Lauf. Manchmal schwappen die Emotionen auch über, wie im balladesken "Augen zu (Es regnet Blumen)", einem bewegenden Abschied in Moll vom früheren Schlagzeuger Wolfgang Michael "Wölli" Rohde. Ein paar Minuten später wendet sich Campino, begleitet von akustischen Gitarrenklängen, mit berührenden Worten und viel Einsicht an seinen mittlerweile 16-jährigen Sohn ("Glück"). Es muss nicht immer knallen und laut sein. Manchmal bekommt man ein volles Stadion auch mit viel Mut, Selbstreflexion und minimalistischen Arrangements zu packen.

Mit ihrem letzten Studioakt beweisen die Toten Hosen, dass sie in puncto Energie und Leidenschaft noch locker ein paar Jahre vom nationalen Punkrockthron grüßen könnten. Das wollen sie aber nicht mehr. Live gibt es noch reichlich Nachschlag. Und vielleicht zaubert man in Zukunft noch die eine oder andere Spaß-Kollaboration aus dem Hut. Die beiliegende Bonus-CD "Alles muss raus" macht diesbezüglich definitiv Lust auf mehr. Bleiben noch die letzten Worte. Die gehören Mastermind Campino: "Ich will Zuversicht vermitteln und nicht als jemand abtreten, der in Sack und Asche geht. Am Ende haben wir in unseren Songs immer eine positive Bilanz gezogen: Freut euch auf morgen, selbst in schweren Zeiten - es wird schon irgendwie weitergehen." In diesem Sinne: Hoch die Tassen. Auf die Hosen! Es war uns eine Freude!

Quelle: ntv.de

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